Reisen und Kulturbegegnung im Mittelalter
Wie im Forschungsbereich Kartographie und Weltbilder herausgearbeitet wurde, entwickeln Weltbilder zwar erstaunliche Beharrungskräfte, sie bleiben aber nicht konstant. Es ist höchst aufschlußreich, unter welchen Bedingungen Modifikationen und Veränderungen erfolgten.
Vor allem die Reisen von Kaufleuten, Missionaren, Pilgern, Diplomaten, Abenteurern und anderen trugen im Mittelalter dazu bei, die Vertreter von Kulturen miteinander in Kontakt zu bringen und das Wissen von fremden Völkern und fernen Ländern wenigstens ansatzweise zu erweitern.
Eine Ausstellung, die das Historische Institut der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit der Württembergischen Landesbibliothek erarbeitete, konnte zeigen, daß die Pilgerreise, die der württembergische Graf Eberhard im Bart im Jahre 1468 nach Jerusalem unternahm, zwar in der Zeremonie des Ritterschlags am Heiligen Grab gipfelte, aber ganz nebenbei auch einige Einblicke in den Alltag und die gesellschaftlichen Regeln der islamischen Kulturen mit sich brachte. Andere Heiliglandreisende des späten Mittelalters konnten ähnliche Erfahrungen machen. |
Jerusalem, Grabeskirche
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Erst recht die Reisen in entfernter liegende Weltgegenden - von Marco Polo bis zu den See- und Landfahrten im sogenannten Entdeckungszeitalter - eröffneten Kontakte und Verbindungen, den Austausch von Waren und Wissen. Die Ostasienreisenden zum Beispiel lernten die Völker entlang der "Seidenstraßen" kennen und erfuhren von ihren politischen Verhältnissen und täglichen Bräuchen. Wenn sie - was eher selten geschah - ihre Erlebnisse in eine schriftliche Form brachten, dan befaßten sie sich besonders ausgiebig mit den Mongolen als Eroberern Asiens, dann aber auch mit China und der chinesischen Kultur. Marco Polos Bericht ist das bekannteste mittelalterliche Beispiel dafür, daß die authentischen Erfahrungen eines Reisenden das tradierte Wissen verändern und erweitern konnten. Andere, bislang weniger bekannte Texte können ihm zur Seite gestellt werden. Am Lehrstuhl für Mittlere Geschichte wird eine Buchreihe mit historischen Reiseberichten herausgegeben, die die intellektuellen Chancen, aber auch Risiken des Reisens in vergangenen Zeiten illustrieren und erläutern können. Bis jetzt sind zwölf Bände erschienen, deren thematisches Spektrum von Alexander dem Großen bis zur Epoche des Imperialismus, von der Mongolei bis Pennsylvania reicht. |
Marco Polo in China
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