Eine (geostete) Miniatur-Weltkarte wie die Londoner "Psalter-Karte" (sie mißt nur 10 x 14 cm)
aus der Mitte des 13. Jahrhunderts enthält keineswegs nur oder auch nur überwiegend geographische
Informationen Vielmehr verbindet sie das Bild der irdischen Welt mit den wesentlichen Elementen der
Heilsgeschichte und mit der Einsicht in den Bauplan des göttlichen Wirkens. Man spricht von
Geschichts-, theologischen oder auch Bedeutungskarten.
Durch das grüne Mittelmeer mitsamt Schwarzem Meer, Don und Nil erscheint die Erde
dreigeteilt: Asien, Afrika und Europa. Asien nimmt dabei herkömmlich doppelt so viel Raum ein wie
jeder der beiden anderen Kontinente. Nur Europa ist - mit viel Phantasie - in seinen geographischen
Umrissen zu erkennen. Dort, wo die Kontinente aufeinander treffen, liegt Jerusalem, die Stadt
Christi und der Apostel, die damit in der Mitte der Welt zu liegen kommt. Seit dem frühen 12.
Jahrhundert wurde ihre heilsgeschichtliche Bedeutung auf diese Weise unterstrichen.
Hinter Jerusalem, in den Tiefen Asiens, sind weitere Elemente der biblischen, aber auch der
antiken Geschichte zu finden: das Rote Meer, dessen Farbe für das Blut Christi steht, gleich links
davon die Bäume der Sonne und des Mondes, die Alexander der Große nach seiner Zukunft befragte,
daneben das Irdische Paradies mit den Propheten Elias und Enoch als Insassen und im Nordosten (also
links!) hinter einem Bergwall mit verschlossenem Tor die wilden Völker Gog und Magog, die einst
über die Christenheit herfallen und das Kommen des Antichrist einleiten werden.Auf dem
afrikanischen Kontinent dagegen tummeln sich die Monstervölker, die man sonst eher mit Indien in
Verbindung brachte, aber hier wohl den unheimlichen Charakter des "Dunklen Kontinents" zum Ausdruck
bringen sollten.
Das Bild der Welt, das die Karte bietet, wird zusammengehalten durch Christus mit seinen
Engeln. Auch auf anderen hochmittelalterlichen Weltkarten schließt der Makrokosmos, den Christus
darstellt, den Mikrokosmos Erde in sich ein.
Auf der berühmten Ebstorfer Weltkarte zum Beispiel umschließt das Corpus Christi die Erde,
indem an der Oberseite das Haupt, an den Seiten die Hände, unten die Füße des Gottessohnes
hervorschauen. |
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