Exkursionen

Burgen im Neckartal

Am Montag, den 23. Juli 2018, fand im Zuge des Kolloquiums zum Hauptseminar „Die Burg im Spätmittelalter“ bei Prof. Dr. Mark Mersiowsky eine Exkursion zu Burgen im Neckartal statt.

Unter der Leitung von Prof. Mersiowsky startete die Gruppe am Tübinger Bahnhof mit Autos zur ersten Station, Schloss Kilchberg, das sich im gleichnamigen Ort, einem Stadtteil von Tübingen, befindet. Obwohl die Anlage der Öffentlichkeit, da im Privatbesitz von Freifrau Christa von Tessin, sonst nicht zugänglich ist, durften wir sie unter der Führung des pensionierten Lehrers Eugen Finkbeiner besichtigen. Herr Finkbeiner empfing uns vor der Martinskirche direkt neben dem Schloss, wo wir die Kirche (12. Jh.) samt angeschlossener Grabkapelle (um 1500) begutachteten. Hier machte er uns besonders auf die detailliert gearbeiteten Epitaphien der Ritter von Ehingen aufmerksam. Im Falle Burkhards von Ehingen wurde dessen Epitaph schon zu Lebzeiten in Auftrag gegeben, wodurch der Einfluss auf die eigene Darstellung sichtbar wird.

Beim kurzen Weg hinüber zum Schloss wurde das Engagement der Freifrau für dessen Erhaltung schon von außen deutlich. Der Grundriss des ursprünglichen stauferzeitlichen Baus, einer achteckigen Wasserburg, ist heutzutage noch durch die Umgebungsmauern erkennbar. Ende des 15. Jahrhunderts ging die Burg in den Besitz der Herren von Ehingen über, besonders unter Georg von Ehingen wurde die Anlage erweitert. Das heutige barocke Gebäude samt Schlossgarten stammt aus dem 18. Jahrhundert. 1779 erbten die Freiherren von Tessin die Herrschaft Kilchberg.

Unsere Führung umschloss die unterschiedlichen Bereiche des Schlosses mit Ausnahme der Wohnbereiche. Neben dem Jagdzimmer war besonders die sich über mehrere Stockwerke erstreckende Bibliothek beeindruckend, die von der Besitzerin aufwändig angelegt wurde. In der Kapelle sahen wir eine Kopie des in der Stuttgarter Staatsgalerie befindlichen Kilchberger Altars vom Ende des 15. Jahrhunderts, gestiftet von Georg von Ehingen und gemalt von Bartholomäus Zeitblom. Besonders stolz präsentierte uns Herr Finkbeiner den ebenfalls von Georg von Ehingen errichteten Archivraum unterhalb der Kapelle, dessen massive Türen nur unter Zuhilfenahme zweier großer Schlüssel geöffnet werden konnten. Prof. Mersiowsky erklärte uns die geschützte und feuerfeste Lage des Raumes und wies uns unter anderem auf die eisernen Klappen an den kleinen Fenstern hin, die im Falle eines Brandes geschlossen werden können. Wir erhielten faszinierende Einblicke in die Systematik des Archivs und vor allem in diverse noch unedierte Originaldokumente.
Kilchberg_01Im Archiv von Schloss Kilchberg
Darunter befanden sich Urkunden, ein Urbar, eine Handschrift samt Fragmenteinband und eine gezeichnete Karte des ursprünglichen Neckarverlaufs in Tübingen und Umgebung vor dessen Begradigung. Interessant war auch der Fund ungeordneter Stapel privater Dokumente eines Freiherrn von Tessin, die Herr Finkbeiner in einem Geheimfach eines Schranks entdeckt hatte. Hier ergänzte Prof. Mersiowsky, dass gerade Informationen aus solchen Egodokumenten aufschlussreich für das Wissen um alltägliches und privates Leben sein können. Nach einem Blick hinunter in das Verließ bestiegen wir den spätgotischen Turm und konnten die Aussicht auf die Umgebung des Schlosses genießen. Zum Abschluss wurden wir durch den barocken Schlosspark geführt, umrundeten das Schloss und machten einen kurzen Halt bei der Orangerie.
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Das Verließ
Kilchberg_03Auf dem Turm

Kilchberg_04Die Exkursionsgruppe mit Hrn. Finkbeiner im Schlossgarten von Kilchberg

Bei einem entspannten Mittagessen im Restaurant „Goldener Löwe“ in Hirschau wurde die weitere Route geplant und so fuhren wir im Anschluss nach Obernau. In diesem Stadtteil von Rottenburg befindet sich noch heute der Bergfried einer im 13. Jahrhundert errichteten Wasserburg. Die Verwendung unterschiedlicher Steine ließ dabei verschiedene Baustufen des Turms erkennen. Dass die Burg Sitz der Herren von Ow war, ist auch der Grund für den Hartmann von Aue gewidmeten Gedenkstein, der angeblich dem Geschlecht derer von Ow angehört haben soll. Die Rekonstruktion dieser Zugehörigkeit allein aufgrund der Namensähnlichkeit ist aber mehr als vage. ObernauDer Burgturm in Obernau
Unser drittes Ziel war die Ruine der Weilerburg bei Rottenburg. Als Höhenburg errichtet und im 12. Jahrhundert erstmals urkundlich erwähnt, war sie Sitz der Herren von Rotenburg, bis sie im 13. Jahrhundert an die Grafen von Hohenberg fiel. Die Funktionalität der Höhenburg machte sich sogleich beim Aufstieg durch den Wald bemerkbar. Prof. Mersiowsky zeigte uns vor Ort, woran man noch heute das Prinzip der Höhenburg erkennt. So ist im Wald noch ein ehemaliger Wall erkennbar und trotz der Umgestaltung der Ruine im 19. Jahrhundert, unter anderem durch den Bau eines Aussichtsturms, ist der ursprüngliche Platz zu erahnen, den die Burg früher eingenommen hat.

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Das sogenannte Sieges- oder Minnesängertor der Weilerburg aus dem 19. Jahrhundert

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Der Turm der Weilerburg bei Rottenburg

Nach einem kurzen Halt bei Schloss Bühl führte uns der Weg zu Schloss Hohenentringen. Die ursprüngliche Anlage des heute vorhandenen barocken Baus wurde wahrscheinlich im 12. Jahrhundert errichtet. Leider versperrte uns ein Tor den Weg zum Schloss, sodass wir weder das Schloss selbst sehen noch die Aussicht über den Schönbuch genießen konnten. Von hier aus traten die einen den Weg zurück nach Tübingen und Stuttgart an, während die anderen den Tag gemütlich ausklingen ließen.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Prof. Mersiowsky für die engagierte Leitung und die vielfältigen Informationen zu den Burgen und Orten und bei Herrn Finkbeiner für seine ausführliche, informative und begeisterte Führung durch die Martinskirche und Schloss wie Archiv Kilchberg. Ebenso geht ein Dankeschön an Freifrau von Tessin, dafür, dass wir Einblicke in ihr Schloss bekommen konnten.
Marie Schmöger, Pia Preu
 

 

Mittelalterliche Handschriften, Inkunabeln und Fragmente in Nürtingen und Esslingen

Am Freitag, den 22. Juni 2018, veranstaltete die Stuttgarter Mittelalterwerkstatt unter der Leitung von Prof. Dr. Mark Mersiowsky eine Exkursion in die Turmbibliothek in Nürtingen und in die Kirchenbibliothek Esslingen.

Nach einer kurzen Zugfahrt von Stuttgart nach Nürtingen führte uns ein kleiner Spaziergang vom Bahnhof zur Nürtinger Stadtkirche St. Laurentius. Dort empfing uns um kurz nach 9 Uhr Herr Albrecht Braun, der als Kustos sowohl für die Turmbibliothek in Nürtingen als auch für die Kirchenbibliothek in Esslingen zuständig ist. Zunächst führte uns Herr Braun in den Chorraum, in dem heute drei Gemälde aufgestellt sind, die ursprünglich als Türen an alten Bücherschränken montiert waren. Über den Chorraum gelangten wir in das Kirchschiff. Von dort aus kann man insbesondere den schmiedeeisernen Lettner aus dem 17. Jahrhundert bewundern. Bis auf einige Epitaphe unter der Empore ist das Kirchenschiff vor allem von verschiedenen modernen Gestaltungen geprägt. Dies ist unter anderem einem Brand im April 2000 zuzuschreiben, bei dem zwar die alte Orgel komplett zerstört wurde, die Turmbibliothek jedoch glücklicherweise vollkommen verschont blieb. Diese befindet sich, wie der Name bereits verrät, im Turm der Stadtkirche.

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Turmbibliothek Nürtingen

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Ausschnitt aus dem Nürtinger Bestand

Da der heutige Eingang an der Außenfassade des Turmes angebracht ist, führte uns Herr Braun wieder aus dem Kirchenschiff hinaus und um den Kirchenbau herum. Nachdem er die alte hölzerne Tür aufgeschlossen hatte, erschien dahinter eine kleine aber sehr viel Charme versprühende Sammlung von Handschriften, Inkunabeln und Drucken aus dem 15. bis 19. Jahrhundert.

Dieser heutige Bestand setzt sich zu großen Teilen aus den Sammlungen der Kirche, des Pfarramtes, der Lateinschule und insbesondere des Spitals zusammen. In den folgenden zweieinhalb Stunden widmeten wir uns vor allem den handschriftlichen Überlieferungen, den in Drucken hinzugefügten handschriftlichen Notizen und den als Makulaturen benutzten mittelalterlichen Fragmenten.

Gegen Mittag verließen wir die Turmbibliothek und stärkten uns bei einem gemütlichen Mittagessen im „Schlachthof Bräu“ in Nürtingen. Anschließend ging es mit dem Zug weiter Richtung Esslingen, wo uns Herr Braun bereits vor dem Eingang zur Evangelischen Stadtkirche St. Dionysos erwartete. Die Bibliothek der Stadtkirche befindet sich heute in einem nicht öffentlich zugänglichen Bereich über der Sakristei, der eigens für die Aufbewahrung der Bestände sorgfältig renoviert wurde. Das gesamte Archivgut wird außerdem in säurefreien Kartons gelagert, um den Erhalt der Bibliothek weiterhin bestmöglich zu gewährleisten.

Ein großer Teil des einstig reichen Bestands, so erklärte uns Herr Braun, wurde in verschiedenen Phasen veräußert. Daher besteht die Sammlung heute vor allem aus kirchengeschichtlichen und theologischen Drucken. Wir betrachteten hier insbesondere die mittelalterlichen Fragmente, die als Makulaturen verwendet wurden und interessanterweise auch im modernen Katalog meist keine Erwähnung finden.

Die vielen kleinen Schätze der beiden Kirchenbibliotheken in Nürtingen und Esslingen konnten wir vor allem durch Herrn Brauns engagierte und mühevolle Führung entdecken. Hierfür möchten wir uns auch nochmal an dieser Stelle ganz recht herzlich bedanken.
Sarah Lessig
 

 

Stuttgart: Ausstellung "Freiheit - Wahrheit - Evangelium. Reformation in Württemberg"

Passend zum Proseminar „Das 15. Jahrhundert“ (Dr. Anja Thaller) fand am 12. Januar 2018 unter der Leitung von Dr. Anja Thaller ein Besuch der Ausstellung zum Reformationsjubiläum (Kunstgebäude am Schlossplatz, Stuttgart) statt.

Kundig und gut gelaunt führte der Kurator Prof. Dr. Peter Rückert eine Gruppe von rund 25 Studierenden durch die Ausstellung und legte den Fokus vor allem auch auf die Vorbedingungen der Reformation und die spätmittelalterliche Frömmigkeit im Herzogtum Württemberg. Die originalen Schrift- und Bildzeugnisse und weitere Objekte wie die Multimedia-Installationen veranschaulichten den Geist und die Ereignisse der Zeit in hervorragender und einprägsamer Weise.
Anja Thaller
 

 

Mannheim: Ausstellung "Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt"

Am 23. Juni 2017 fand im Rahmen des Proseminars „Der Investiturstreit – Konflikt zwischen geistlicher und weltlicher Macht“ (Dr. Anja Thaller) und des Lektürekurses „Quellen zum Investiturstreit“ (Jennifer Engelhardt M.A.) unter der Leitung von Dr. Anja Thaller eine halbtägige Exkursion zur Ausstellung „Die Päpste und die Einheit der lateinischen Welt“ (Reiss-Engelhorn-Museen) nach Mannheim statt.

Die Stuttgarter Gruppe, die neben zahlreichen Studierenden auch MitarbeiterInnen der Abteilung Mittlere Geschichte umfasste, erhielt eine interessante Führung durch die mehr als 300 Exponate umfassende Ausstellung – darunter einzigartige handschriftliche Überlieferung wie der Berliner Papst-Kaiser-Rotulus oder ein Fragment des Nicäischen Glaubensbekenntnisses, aber etwa auch die Pontifikalgewänder Clemens’ II. – und konnte so einen guten Überblick über rund 1.500 Jahre Geschichte des Papsttums von Petrus bis zur Renaissance und den Sacco di Roma 1527 erlangen.
Anja Thaller
 

 

Paris und die Ausstellung "Les Temps mérovingiens"

Zum ausgehenden Wintersemester 2016/17 veranstaltete die Abteilung Mittlere Geschichte im Rahmen der „Stuttgarter Mittelalterwerkstatt“ von 10. bis 12. Februar 2017 eine Exkursion nach Paris. Einerseits sollte das Thema der Mittelalterwerkstatt, die Reichsstadt Esslingen als Ort von Schrift und Schriftlichkeit, durch Besichtigungen der Archives Nationales und der Kathedrale von Saint-Denis aufgegriffen werden, andererseits bot sich die einmalige Gelegenheit, die Ausstellung „Les Temps mérovingiens“ im Musée de Cluny mit nur selten im Original zu sehenden Stücken zu besuchen.

Nach früher Abfahrt am Freitagmorgen kamen wir rasch mit dem TGV in die Hauptstadt Frankreichs. Unser Weg führte uns direkt in die Archives Nationales, wo wir am Vormittag Einsicht in verschiedene Bestände nehmen durften. Darunter befand sich auch das Testament des Abtes Fulrad von Saint-Denis, einem der Ratgeber Pippins und Karls des Großen, aus dem Jahr 777, mit der indirekten urkundlichen Ersterwähnung Esslingens als cella [...] super fluvium Neccra, die Fulrad der Abtei Saint-Denis vermachte. Da das Testament in dreifacher Überlieferung vor uns lag, konnten wir unter Anleitung von Prof. Mersiowsky gemeinsam mit paläographischen und diplomatischen Methoden das Original, eine zeitnahe sowie eine spätere Kopie feststellen. Darüber hinaus durften wir auch zwei Schreiben der Ilkhane an den französischen König aus dem 13. und frühen 14. Jahrhundert auf Maulbeerpapier sowie den sogenannten „Kaiserbrief von Saint-Denis“, die älteste erhaltene byzantinische Kaiserurkunde des ersten Jahrtausends, bestaunen.

Am Nachmittag besichtigten wir im Zuge einer Führung die von Napoleon III. errichteten Depots der Archives Nationales. Unterwegs in den beeindruckenden Räumlichkeiten sahen wir weitere Zimelien, unter anderem mehrere Urkunden Ludwigs des Heiligen, und wurden über die Lagerung der Archivalien informiert. Am Abend erhielten wir noch etwas Zeit zur freien Verfügung, den einige für den Besuch des Musée du Louvre nutzten.

Archives Nationales

Archives Nationales_Depot

In den Archives Nationales
 

Der zweite Tag begann für uns etwas außerhalb des Stadtzentrums, in der Kathedrale von Saint-Denis. Diese war einst die Abteikirche des bedeutenden Reichsklosters, in dem auch Abt Fulrad gewirkt hatte. Besonders die Besichtigung der Krypta war faszinierend, da diese bereits zu merowingischer und karolingischer Zeit als herrscherliche Grablege genutzt worden war und bis in die Neuzeit als Bestattungsort der französischen Königinnen und Könige diente.

Nach kurzer Stärkung fuhren wir am Nachmittag zurück ins Zentrum von Paris, wo wir im Musée de Cluny die Ausstellung „Les Temps mérovingiens“ besuchten. Zahlreiche Handschriften und Urkunden, aber auch Schmuckstücke, Reliquien und Inschriften vom 5. bis zum 8. Jahrhundert waren dort in einer beeindruckenden Zusammenstellung zu sehen, die allerdings in ihrer musealen Aufbereitung leider nicht ganz optimal war. Abgerundet wurde dies durch die Besichtigung der beachtlichen Dauerausstellung dieses nationalen Mittelaltermuseums Frankreichs. Daraufhin war für die einen Stärkung in einer der zahlreichen Bars des Sorbonne-Viertels angesagt, andere wiederum waren noch nicht müde und erklommen den Eiffelturm. Beim gemeinsamen Abendessen im Restaurant „La Petite Périgourdine“ genossen wir die lukullischen Darbietungen der französischen Küche. Der Abend gestaltete sich in musikalisch-atmosphärischer Hinsicht - vor allem durch die Anwesenheit einer international zusammengesetzten Gruppe namens „fake scots“ - als besonders ausgelassen.

Der Sonntag war schließlich ganz den mittelalterlichen Kirchen der Stadt gewidmet. Unser erstes Ziel war die Sainte-Chapelle, die Palastkapelle der französischen Könige, die im 13. Jahrhundert unter Ludwig dem Heiligen auf der Île de la Cité erbaut worden war und bis zur Französischen Revolution mehrere bedeutende Reliquien, wie die (angebliche) Dornenkrone Christi, beherbergt hatte, und berühmt für ihre hochgotischen Glasfenster ist.

Saint-Denis

Die Kathedrale von Saint-Denis

Sainte-Chapelle

Die Sainte-Chapelle

Ebenfalls auf der Île de la Cité findet sich wohl eine der berühmtesten Kirchen von Paris, die ab dem 12. Jahrhundert errichtete Kathedrale Notre-Dame, deren Vorgängerbau bereits zu merowingischer Zeit entstand. Nach einem Spaziergang durch das Sorbonne-Viertel, vorbei an der berühmten École des Chartes, an der Prof. Mersiowsky vor einigen Jahren eine Gastprofessur innehatte, und dem Panthéon, das wir aufgrund seiner merowingischen Ursprünge als Grablege der heiligen Genoveva und des Merowingers Chlodwig I. aufsuchten, ging es am Nachmittag noch in die beiden Kirchen Saint-Sulpice (nicht mehr mittelalterlich, aber interessant für Fans von Dan Browns „The Da Vinci Code“) und Saint-Germain-des-Prés. Diese heute aufgrund des U-Bahn-Baues „verstümmelte“ Kirche diente im 6. Jahrhundert als Grabstätte der Merowinger. Zudem befindet sich dort das Grab des Benediktiners und Begründers der Diplomatik, Jean Mabillon, neben den Grablegen von Bernard de Montfaucon, des Begründers der griechischen Paläographie, und von René Descartes. Nach diesem Besuch war dieses eindrucksvolle Wochenende leider schon wieder zu Ende und es war Zeit für die Rückkehr nach Stuttgart.

Die Teilnehmer der „Stuttgarter Mittelalterwerkstatt“ bedanken sich sehr herzlich bei Prof. Mersiowsky und Frau Dr. Thaller für die Organisation und Durchführung dieser spannenden und schönen Exkursion nach Paris!
Patrizia Hartich, Anja Thaller

École des Chartes

Vor der École des Chartes

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Die Exkursionsgruppe vor der Kathedrale Notre-Dame
 

 

Die ehemaligen Reichsstädte Esslingen und Nürnberg (17. und 27.01.2017)

Im Wintersemester 2016/17 wurden unter der Leitung von Jennifer Engelhardt M.A. und Patrizia Hartich M.A. zwei Übungen angeboten, die sich jeweils mit den ehemaligen Reichsstädten Esslingen und Nürnberg beschäftigten. Dazu fanden mehrere gemeinsame Sitzungen sowie zwei eintägige Exkursionen in die jeweiligen Städte statt, um anhand des Stadtbildes sowie durch Einsicht in die Quellen einen Vergleich der beiden auf den ersten Blick doch recht unterschiedlichen Reichsstädte zu wagen.

Am 17. Januar 2017 fand die erste Exkursion nach Esslingen statt. Der erste Programmpunkt bestand aus einem Stadtrundgang, bei dem die Studierenden die bedeutendsten Plätze und Bauwerke vorstellten. Neben dem Marktplatz (ehemaliges Spital), der Stadtkirche St. Dionys, der Frauenkirche und dem alten Rathaus ist noch weitere mittelalterliche Bausubstanz unter anderem auf der sogenannten Burg zu sehen. Auch das Wirken der zahlreichen Klöster in und um Esslingen ist beispielsweise durch das Dominikaner- und das Franziskanerkloster, deren Kirchen noch erhalten sind, sowie durch die zahlreichen ehemaligen Pfleghöfe wie etwa den Speyrer Pfleghof (heute Sektkellerei Kessler) neben dem Stadtarchiv noch präsent.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen und gründlichem Aufwärmen führte unser Weg ins Stadtarchiv, wo wir durch eine Führung im und um das Archivgebäude über den historischen Kontext der städtischen Kanzlei informiert wurden. Daraufhin durfte die Gruppe Einsicht in die Quellen nehmen: Unter anderem konnten wir eine Bestallungsurkunde, ein Missivenbuch und eine Regimentsordnung bewundern.

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Blick auf die Stadtkirche St. Dionys in Esslingen

Eine gute Woche später, am 27. Januar 2017, machte sich die Gruppe nochmals auf, um nach Nürnberg zu fahren. Hier starteten wir mit dem Besuch im Staatsarchiv, wo wir eine interessante Führung durch die Magazine erhielten. Als zweiter Programmpunkt im Archiv wurden verschiedene Nürnberger Quellen des Spätmittelalters für uns bereitgelegt. Auch hier durften wir die städtischen Briefbücher und unter anderem das Briefeingangregister sowie verschiedene Urkunden einsehen.

Nachdem wir uns mittags im Restaurant im Heilig-Geist-Spital mit Nürnberger „Schäufele“ gestärkt hatten, folgte ein Rundgang durch die Stadt. Bemerkenswert waren hierbei vor allem die Besichtigung der noch erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer, der beiden Hauptkirchen St. Sebald und St. Lorenz sowie der Frauenkirche, deren Uhr auf der Westseite mit dem „Männleinlaufen“ täglich an die „Goldene Bulle“ erinnert und von deren Empore aus in jedem Jahr der berühmte Christkindlesmarkt eröffnet wird. Nach dem Aufstieg zur Burg, die sowohl aus kaiserlichen als auch aus burggräflichen Gebäuden besteht, wurden wir mit einem Ausblick über Nürnberg belohnt.

Hinsichtlich des Stadtbildes beider ehemaliger Reichsstädte ließen sich die unterschiedlichen Entwicklungen, die unter anderem auf die finanziellen Mittel der Städte zurückzuführen sind, erkennen. Gemeinsamkeiten konnten jedoch anhand der städtischen Quellen festgestellt werden, die im Vergleich ähnliche Strukturen und Verwaltungsroutinen offenbarten. Insgesamt konnten auf der Exkursion spannende Eindrücke über das Kanzlei- und Schriftwesen unterschiedlicher Reichsstädte im Spätmittelalter sowie über den Einfluss von Größe, Finanzstärke und Führungseliten gewonnen werden.
Jennifer Engelhardt, Patrizia Hartich

 

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Die Exkursionsgruppe auf der Burg in Nürnberg

 

 

Von der gotischen Handbibliothek zum barocken Prachtsaal. Handschriften und Fragmente in oberschwäbischen Bibliotheken

Zum Semesterende veranstaltete die Abteilung Mittlere Geschichte im Rahmen der Übung „Einführung in die Arbeit mit mittelalterlichen Fragmenten“, geleitet von Prof. Dr. Mark Mersiowsky und Patrizia Hartich M.A., eine dreitägige Exkursion (25.-27. Juli 2016) zu verschiedenen Zielen im Allgäu und im Bodenseeraum. Zweck der Studienreise war es, Einblicke in die Geschichte und Gestalt mittelalterlicher Bibliotheken sowie deren Bestände zu bekommen und uns dort vor allem mit Fragmenten und ihrer Überlieferung zu beschäftigen.


Prof. Dr. Mark Mersiowsky mit Fragmenten in der Kartause Buxheim
 

Am 25. Juli 2016 startete der Bus mit 14 Passagieren gegen acht Uhr morgens in Richtung Buxheim. Dort besichtigten wir zunächst das in Teilen barockisierte Kartäuserkloster „Maria Saal“, dessen Gestalt noch heute von den Zellen der Brüder geprägt ist, von denen noch drei erhalten sind. Im Kloster erhielten wir Einsicht in die Handschriftenbestände und sahen zahlreiche mit mittelalterlichen Fragmenten versehenen Bände. Die Mittagspause verbrachten wir in Memmingen, wo auch ein kurzer Stadtrundgang folgte, bei welchem Prof. Mersiowsky uns anhand der Stadtgestalt die Bedeutung Memmingens als wichtigem mittelalterlichen Handelspunkt veranschaulichte.

Am Nachmittag ging es zur Benediktinerabtei Ottobeuren, die im 18. Jahrhundert umgebaut und im Zuge dessen stark barockisiert worden war, weshalb sie heute von beeindruckender Größe und Pracht ist. Aufgrund von Restaurierungsarbeiten mussten wir leider auf den Besuch der berühmten Klosterbibliothek verzichten; die Führung durch das Klostermuseum durch Prof. Mersiowsky mit dem prächtigen Kaisersaal als Höhepunkt war jedoch nicht minder interessant. Am Abend wurden wir in unserem Gasthaus, dem "Bayrischen Hof" in Lindenberg mit allerlei traditionellen Köstlichkeiten zum Abendessen verwöhnt.

Am nächsten Tag brachen wir früh nach Lindau am Bodensee auf, wo wir einen Termin mit dem Stadtarchivar Heiner Stauder hatten, der uns die Bestände der zu großen Teilen erhaltenen ehemals Reichsstädtischen Bibliothek und ihre außergewöhnliche Lagerung zeigte. Die Bibliothek im Alten Rathaus ist seit 2014 in einem für die optimale Aufbewahrung hergestellten Glaskasten öffentlich zugänglich; ihre reichen Bestände reichen thematisch von Philologie, Theologie und Geschichte bis hin zu literarischen Werken. Nach der Besichtigung durften wir im Stadtarchiv wieder einige Bände mit Fragmenten selbst in Augenschein nehmen.

Nach der Mittagspause fuhren wir weiter nach Isny, um dort das Highlight unserer Exkursion zu besuchen: Die Prädikantenbibliothek in der Nikolaikirche. Die einzigartige Bibliothek ist seit fast 600 Jahren nahezu im Originalzustand erhalten und wurde - bis auf die Installation zweier Rauchmelder - keinen modernen Neuerungen unterzogen. Zusammen mit dem mit Fresken geschmückten Kreuzgewölbe waren es besonders die Regale mit den bis heute dort aufbewahrten Handschriften und Inkunabeln, die uns in die Zeit des 15. Jahrhunderts zurückversetzten.


Kreuzgewölbe und Bücherregal in der Prädikantenbibliothek Isny

Während unseres Besuchs konnten wir zahlreiche Fragmenteinbände ausfindig machen. Nach dieser intensiven und eindrucksvollen Besichtigung entschieden sich einige für einen kurzen Stadtrundgang in Isny, während die anderen sich eine Kaffeepause gönnten. Abends kehrten wir zurück ins Hotel, wo wir wieder von den freundlichen Gastwirten reichlich versorgt wurden.

Am letzten Tag der Exkursion fuhren wir nach Überlingen, um dort einen Teil der Bestände der Leopold-Sophien-Bibliothek, einer wohl um 1500 gegründeten, ehemals städtischen Bibliothek zu sehen, die im 19. Jahrhundert durch die riesige Sammlung eines ehemaligen Stadtpfarrers stark erweitert wurde. Begleitet von Erläuterungen der Bibliotheksleiterin Roswitha Lambertz sowie Prof. Mersiowsky konnten wir zahlreiche Kodizes mit verschiedenen Fragmenttypen näher betrachten.

Nach einem unerwarteten Regenschauer während der Mittagspause ging es zum letzten Ziel unserer Reise: Auf die Insel Reichenau, deren Abtei bis heute besonders durch ihre reiche Buchmalerei bekannt ist. Hier sahen wir uns zuerst St. Georg in Oberzell, einen karolingisch-ottonischen Kirchenbau mit Fresken primär des 10., aber auch zum Teil des 9. Jahrhunderts an. Ausnahmsweise durften wir auch die spätkarolingische Krypta besichtigen. Danach besuchten wir St. Peter und Paul in Niederzell mit seinen wunderschönen Wandmalereien in der Apsis. Abgerundet wurde unser Besuch auf der Insel durch die Besichtigung der Abteikirche St. Maria und Markus in Mittelzell und ihrer Schatzkammer.


Die Gruppe auf der Reichenau
Wir bedanken uns im Namen der Studierenden für die spannenden Einblicke in diese einmaligen mittelalterlichen Schätze ganz herzlich bei Prof. Dr. Mark Mersiowsky, der einen Großteil der Führungen mit großem Engagement selbst gestaltet hat, und bei Patrizia Hartich M.A. für ihr organisatorisches Wirken. Unser besonderer Dank geht außerdem an den Verein der Freunde des Historischen Instituts der Universität Stuttgart, der unsere Exkursion mit einem finanziellen Zuschuss unterstützt hat.
Mingaile Litinskaite, Pia Preu
 

 

Städte, Burgen, Alpenpässe - Tirol im Mittelalter

Die Abteilung Mittlere Geschichte veranstaltete in den Pfingstferien 2016 (14.-21. Mai 2016) eine Exkursion nach Nord- und Südtirol. Als Einstieg in die Themen unserer Exkursion diente ein am 29. April 2016 veranstaltetes Vorbereitungsseminar, in dem ausführlich über die mittelalterliche Landesgeschichte Tirols referiert und diskutiert wurde.
          Am 14. Mai traten wir dann die Reise um 7 Uhr morgens an. Die Exkursionsgruppe setzte sich aus 21 Studierenden unter der Leitung von Prof. Dr. Mark Mersiowsky und Dr. Anja Thaller zusammen. Prof. Dr. Ellen Widder und Dr. Thomas Wozniak von der Universität Tübingen ergänzten die Exkursionsleitung.
          Die erste Station der Exkursion bildete die Burg Ehrenberg im Außerfern, die uns – leider bei strömendem Regen – in einem Referat von Hanna Surjadi und Ortwin Köhler nähergebracht wurde. Weiter ging es über den Fernpass zum Zisterzienserkloster Stams mit der Grablege des Stifterpaares Meinhard II. von Görz und seiner Frau Elisabeth von Bayern. Auf der Weiterfahrt hielten Michael Seitz und Friedrich Veil ein Referat über die geographische Situation Tirols und deren Auswirkung auf Landwirtschaft und Besiedlung. Am späten Nachmittag kamen wir in Innsbruck an, bezogen unser erstes Quartier im Basic Hotel am Innrain und bekamen von Prof. Mersiowsky eine kleine Stadtführung, die uns unter anderem zum Goldenen Dachl und zur Hofburg führte.
          Den folgenden Vormittag verbrachten wir im Tiroler Landesmuseum, dem Ferdinandeum, wo wir insbesondere die Antiken- und die Mittelaltersammlung besichtigten. Anschließend verließen wir das Mittelalter für einen Abstecher in die Frühe Neuzeit, indem wir das Jesuitenkloster besuchten. Weiter ging es durch die Stadt zum Zeughaus, das von Kaiser Maximilian I. erbaut wurde und heute als Museum der Kulturgeschichte Tirols dient. Zuletzt besuchten wir die Hofkirche, in welcher wir das imposante, aber leere Grabmal des Kaisers, umrahmt von den „Schwarzen Mander“, bestaunten.
          Am Pfingstmontag verließen wir Innsbruck in Richtung Hall, wo wir von Bianca Held, Marc Lessner und Prof. Mersiowsky kenntnisreich durch die Stadt geführt wurden. Besonders beeindruckte uns die Friedhofskapelle mit dem ehemaligen Beinhaus, in dem ein beeindruckendes Fresko des Jüngsten Gerichts erhalten ist. Anschließend ging es weiter über den Brenner, wo Pia Preu und Svenja Riepen die geschichtliche Bedeutung des Brennerpasses für das mittelalterliche Tirol erläuterten. Nach einem Stadtrundgang und anschließendem Mittagessen in Sterzing besuchten wir am Nachmittag die Burg Reifenstein, wo wir auf Einladung der der Besitzerin der Burg, Ass.-Prof. Dr. Julia Hörmann-Thurn Valsassina Taxis, auch einige private, bei Führungen normalerweise nicht gezeigte, Gemächer besichtigen durften. Besonders interessant waren dabei die mittelalterlichen Betten und die beinahe original erhaltene Küche. Abends erreichten wir unser zweites Quartier, die aus dem 15. Jahrhundert stammende Zollstation Friedburg, wo wir auch an den folgenden Tagen in den Genuss von köstlichem und überreichlichem italienischem Essen kamen.
          Am Dienstag besichtigten wir zunächst den Bischofssitz Brixen, wo wir von Juliane Bantle, Ivan Vidakovic und Prof. Mersiowsky durch den freskengeschmückten Kreuzgang geführt wurden. Daran schloss sich unser Besuch von Kloster Neustift an, ursprünglich ein Augustiner-Chorherrenstift aus dem 12. Jahrhundert, das heute unter anderem als Schule und Bildungshaus genutzt wird. Bei der Führung durch Stiftskirche und Bibliothek durch Dr. Ursula Stampfer konnten wir das Aufeinandertreffen verschiedener kunsthistorischer Epochen an den Gebäuden sowie einige mittelalterliche Handschriften bewundern. Den Abschluss des Tages bildete die Besichtigung der Burg Rodenegg und ihrer beeindruckenden Iwein-Fresken, wobei die Besitzerin Julia Hörmann-Thurn Valsassina Taxis höchstpersönlich die Führung übernahm.

Die Exkursionsgruppe mit der Burgbesitzerin im Garten von Burg Rodenegg

Den Mittwochvormittag verbrachten wir auf Burg Runkelstein unter Führung von Mag. Armin Torggler. Besonderes Augenmerk lag dabei auf den herausragenden Fresken, die mit ihren höfischen, von Sagen um die Ritter der Tafelrunde inspirierten Darstellungen die Vorstellungen und Ideale der mittelalterlichen „High Society“ widerspiegeln. An die Besichtigung Runkelsteins schloss sich ein Rundgang durch Bozen mit Besichtigung der ansonsten nicht zugänglichen Kirche St. Johann im Dorf an.
          Auf den Fahrten von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten erhielten wir von Herrn Mersiowsky, Frau Widder und Frau Thaller weitere Informationen zur Tiroler Geschichte und Kultur. Hierbei wurde auch auf Tiroler Weinbaugebiete eingegangen. Neben dem Wein genossen wir auch das Essen, denn die Tiroler Küche weist sowohl alpine Einflüsse wie Speckknödel und Schlutzkrapfen (gefüllte Teigtaschen) als auch typische italienische Speisen auf.
          Der verregnete Donnerstag begann mit einem Besuch in Schloss Moos-Schulthaus, einer kleinen Burg, die im 19. Jahrhundert von ihrem adeligen Besitzer aufgegeben werden musste und bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts von einer Bauernfamilie bewohnt wurde. Heute dient sie als Museum für mittelalterliche Wohnkultur. Entdecken kann man dort einige außergewöhnliche bildliche Darstellungen wie etwa den „Katzen- und Mäusekrieg“. Zu Mittag aßen wir im Plattenhof oberhalb von Tramin, wo wir unverhofft Gesellschaft aus Baden-Württemberg in Gestalt des ehemaligen Ministerpräsidenten, Erwin Teufel, bekamen, der seinen Urlaub in Tirol verbrachte.

Im Gasthof Plattenhof mit Ministerpräsident a.D. Erwin Teufel

Nachmittags ging es weiter zu der nur wenige Kilometer entfernten Kirche St. Jakob in Kastelaz, mit ihren einzigartigen romanischen Fresken, die Fabelwesen darstellen. Am frühen Abend besuchten wir noch die Kirche St. Prokulus bei Naturns, die uns ebenfalls mit herausragenden Fresken beeindruckte. Unser drittes und letztes Quartier bezogen wir im Hotel Krone in Glurns, einem 1291 gegründeten Städtchen, das sich sein mittelalterliches Erscheinungsbild bewahrt hat, denn die Stadt ist heute noch komplett von einer Stadtmauer umgeben. Am Abend gab es für Interessierte und noch nicht müde Gewordene eine kleine Stadtführung von Prof. Mersiowsky.
          Am Freitag widmeten wir uns mit Schloss Tirol einem Zentralort der Landeswerdung und erhielten eine sachkundige Führung durch den Direktor des Südtiroler Landesmuseums für Kultur- und Landesgeschichte, PD Dr. Leo Andergassen. Nach einer kurzen Wanderung bei strahlendem Sonnenschein, welche die Kirche St. Peter ob Gratsch aus karolingischer Zeit zum Ziel hatte und herrliche Aussichten auf Schloss Tirol und die schneebedeckten Gipfel bot, ging es ein letztes Mal zurück nach Glurns.
          Den Samstagvormittag begannen wir mit der Besichtigung der kleinen, aber kunsthistorische bedeutenden Kirche St. Benedikt in Mals und fuhren anschließend in die Schweiz, um in Müstair das noch heute von Benediktinerinnen bewohnte Kloster St. Johann, das aus der karolingischen Zeit stammt und heute zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, zu besichtigen. Zurück in Tirol besuchten wir noch die St. Johann in Taufers mit dem angegliederten Hospiz des Johanniterordens, bevor es am Reschensee entlang über den Reschenpass zurück nach Stuttgart ging.
          Herzlich bedanken möchten wir uns zum Abschluss bei Prof. Mersiowsky, Dr. Thaller und Prof. Widder, die uns stets voller Engagement durch Tirol führten und sich viel Geduld und Zeit für unsere Fragen nahmen. Ein herzliches Dankeschön geht auch an den Verein der Freunde des Historischen Instituts, ohne dessen großzügige Unterstützung wir Tirol und seine Geschichte nicht aus eigener Erfahrung hätten kennenlernen können.
Sarah Lessig, Carola Moser, Pia Preu

 

 

Alpirsbach und Maulbronn

Im Rahmen des Proseminars, das im Sommersemester von Natalia Pfau M.A. geleitet wurde und thematisch mittelalterliche Klostergeschichte behandelte, führte die Abteilung Mittlere Geschichte am 1. Juli 2015 eine eintägige Exkursion nach Alpirsbach und Maulbronn durch.

Die traditionsreichen Klöster im Schwarzwald – das im Jahr 1095 gegründete Benediktinerkloster Alpirsbach und die als Ableger des Klosters Neuburg im Elsass in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstandene Zisterzienserabtei Maulbronn – haben bis heute ihr architektonisches Ensemble weitgehend bewahrt. Neben der Entwicklung der monastischen Bewegungen im Laufe der Jahrhunderte beschäftigte sich das Seminar mit einzelnen Elementen der Klosterkultur: Organisationsformen, Tagesablauf, Klöster als Träger von Schriftkultur und Bildung, klösterliche Baukunst, seelsorgerisches Wirken sowie Klöster als Wirtschaftsfaktoren. All diese Aspekte wurden während der Exkursion vor Ort buchstäblich er-fahren.

Neben dem Kennenlernen der mittelalterlichen Klosterlandschaft, deren Kenntnis als unentbehrlicher Bestandteil des Geschichtsstudiums anzusehen ist, sind die Vorteile des „Lernens vor Ort“ in erster Linie in Bezug auf die Schulpraxis für angehende LehrerInnen relevant. 21 TeilnehmerInnen des Proseminars erlebten die Geschichte der Klöster und den Alltag der Mönche anhand ausführlicher Führungen und der Ausstellungen in den Klostermuseen. Die Arbeit am Original soll den Studierenden Schlüsselkompetenzen für den Umgang mit historischen Quellen vermitteln. Sie steigert den Wert der historischen Erkenntnis, das Interesse für das Fach und die Motivation der Studierenden in der Studieneingangsphase.

Neben der Verlebendigung der Geschichte und der inhaltlichen Erweiterung bzw. Vertiefung des Seminarthemas diente die Exkursion dem Erschließen der alternativen Berufsfelder für Historiker: inhaltliche Vorbereitung und Gestaltung einer Ausstellung (Museumsdidaktik und -pädagogik), Führungen durch die Ausstellung bzw. Reiseleitung (wissenschaftlich qualifizierte Reiseführungen, Tourismusbranche).

Natalia Pfau

Kloster Alpirsbach

Innenhof und Kreuzgang von Alpirsbach

Im Kreuzgang des Klosters Maulbronn

Refektorium des Klosters Maulbronn

Fotos: Natalia Pfau