Die oberschlesischen Piasten
Rafael Sendek M.A.
Thema: Die oberschlesischen Piasten in der Frühen Neuzeit (1469-1625)
Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Bahlcke
Beschreibung und Zielsetzung des Projekts: Im Zentrum des Dissertationsprojektes "Die oberschlesischen Piasten in der Frühen Neuzeit (1469-1625)" steht das Herrschergeschlecht der Piasten in den beiden Herzogtümern Oppeln-Ratibor und Teschen, in denen es bis 1532 bzw. 1625 regierte. Zu Beginn der Neuzeit stellte die Region, für die die Bezeichnung "Oberschlesien" erst in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts aufgekommen war und nur eine administrative und geographische Bedeutung hatte, ein Konglomerat aus vielen Territorien unterschiedlicher Größe und mit unterschiedlichem Status dar. Diese oberschlesischen Territorien, die durch vielfache Landesteilungen und Zusammenlegungen entstanden waren, gingen aus dem Piasten-Herzogtum Ratibor-Oppeln und dem ursprünglich mährischen Premysliden-Herzogtum Troppau hervor. Zu den Erb- und Mediatfürstentümern kamen an der Wende zur Neuzeit die Freien Standesherrschaften und Minderstandesherrschaften hinzu. In kirchlicher Hinsicht war das Gebiet mehreren Kirchenprovinzen zugeordnet, nämlich den Diözesen Breslau, Olmütz und Krakau. Nicht nur diese politisch-dynastische Vielfalt, sondern vor allem das Nebeneinander unterschiedlicher sprachlicher und kultureller Einflüsse und Traditionslinien machten die Besonderheit dieser Region aus. Ziel der Untersuchung ist, sowohl die Perspektiven, die sich den oberschlesischen Piasten zu Beginn der Neuzeit eröffneten, als auch die Grenzen ihrer Machtentfaltung aufzuzeigen. Während es ihnen zu Beginn des 16. Jahrhunderts gelang, eine relativ starke Position durch Überwindung der mittelalterlichen Zersplitterung und Schwäche (Oppeln) oder durch Übernahme bedeutender gesamtschlesischer Funktionen (Teschen) aufzubauen und ihre Territorien damit zu festigen, waren die folgenden Jahrzehnte durch einen Niedergang der Piastenherrschaft gekennzeichnet. Die Dynastie wurde deutlich geschwächt und versuchte nun - unter veränderten Rahmenbedingungen - sich zu behaupten. Die Leitfragen lauten dabei: Wie gelang es den oberschlesischen Piasten die sich ihnen im ausgehenden 15. Jahrhundert eröffnenden Chancen wahrzunehmen, welche Strategien entwickelten sie in der frühen Neuzeit, um einen gefestigten Territorialstaat aufzubauen? Wie sah der "oberschlesische Weg" der Piasten aus und an welche Grenzen stießen sie schließlich?
Literatur: Bahlcke, Joachim: Deutsche Kultur mit polnischen Traditionen. Die Piastenherzöge Schlesiens in der Frühen Neuzeit. In: Weber, Matthias (Hg.): Deutschlands Osten - Polens Westen. Vergleichende Studien zur geschichtlichen Landeskunde, Frankfurt a. M. 2001 (Mitteleuropa - Osteuropa 2), S.83-112; Ders.: Schlesien und die Schlesier, München 32004; Barciak, Antoni (Hg.): Ksiazeta i ksiezne Górnego Slaska, Katowice 1995; Biermann, Gottlieb: Seit wann sahen sich die oberschlesischen Piasten als schlesische Fürsten an? In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens 8 (1867), S.31-54; Bömelburg, Hans-Jürgen: Das polnische Geschichtsdenken und der Piasten- und Jagiellonenkult in der Frühen Neuzeit. In: Bahlcke, Joachim / Strohmeyer, Arno (Hg.): Die Konstruktion der Vergangenheit. Geschichtsdenken, Traditionsbildung und Selbstdarstellung im frühneuzeitlichen Ostmitteleuropa, Berlin 2002 (Zeitschrift für Historische Forschung. Beiheft 29), S.193-220; Boras, Zygmunt: Ksiazeta piastowscy Slaska, Katowice 31982; Conrads, Norbert (Hg.): Deutsche Geschichte im Osten Europas. Schlesien, Berlin 1994; Czaplinski, Marek (Hg.): Historia Slaska, Wroclaw 2002 (Acta Universitatis Wratislaviensis 2364); Grünhagen, Colmar: Oberschlesiens Sonderstellung in der Geschichte. In: Zeitschrift des Vereins für Geschichte und Alterthum Schlesiens 37 (1903), S.99-119; Horwat, Jerzy: Ksiestwo opolskie i jego podzialy do 1532 r. Ksiazeta, miasta, kosciol, urzedy, wlasnosc prywatna, Rzeszow 2002; Idzikowski, Franz: Geschichte der Stadt Oppeln, Oppeln 1863; Jasinski, Kazimierz: Rodowod Piastow slaskich, Bd. 3: Piastowie opolscy, cieszynscy i oswiecimscy, Wroclaw 1977 (Wroclawskie Towarzystwo Naukowe A/183); Langensteiner, Matthias: Kasimir II., Herzog von Teschen. In: Bahlcke, Joachim (Hg.): Schlesische Lebensbilder, Bd. 9, Insingen 2007, S. 75-81; Leszczynski, Jozef: Nowozytni Piastowie slascy. In: Heck, Roman (Hg.): Piastowie w dziejach Polski. Zbior artykulow z okazji trzechsetnej rocznicy wygasniecia dynastii Piastow, Wroclaw 1975, S. 96-114; Machilek, Franz: Reformation und Gegenreformation in Schlesien unter besonderer Berücksichtigung Oberschlesiens. Eine Einführung. In: Wünsch, Thomas (Hg.): Reformation und Gegenreformation in Oberschlesien. Die Auswirkungen auf Politik, Kunst und Kultur im ostmitteleuropäischen Kontext, Berlin 1994 (Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien 3), S.9-29; Möller, Klaus-Peter: Der Begriff "Oberschlesien" in der Frühen Neuzeit. In: Kosellek, Gerhard (Hg.): Oberschlesische Dichter und Gelehrte vom Humanismus bis zum Barock, Bielefeld 2000 (Tagungsreihe der Stiftung Haus Oberschlesien 8), S.15-52; Petry, Ludwig / Menzel, Josef Joachim (Hg.): Geschichte Schlesiens, Bd. 2: Die Habsburger Zeit 1526-1740, Stuttgart 32000; Sadowski, Tomasz: Ksiazeta opolscy i ich panstwo, Wroclaw 2001; Sendek, Rafael: Johann II., Herzog von Oppeln (-Ratibor). In: Bahlcke, Joachim (Hg.): Schlesische Lebensbilder, Bd. 9, Insingen 2007, S. 83-90; Snoch, Bogdan: Gornoslaski Leksykon Biograficzny, Katowice 1997; Szczur, Stanislaw / Ozog, Krzysztof (Hg.): Piastowie. Leksykon biograficzny, Krakow 1999.
