Lissa im 17. und 18. Jahrhundert. Koexistenz der Konfessionen und kulturelle Bedeutung.
Elżbieta Hajizadeh-Armaki M.A.
Thema: Lissa im 17. und 18. Jahrhundert. Koexistenz der Konfessionen und kulturelle Bedeutung.
Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Bahlcke
Beschreibung und Zielsetzung des Projekts: Das Dissertationsprojekt befasst sich mit der 1547 gegründeten, um die Mitte des 17. Jahrhunderts rund 12 000 Einwohner zählenden, großpolnischen Stadt Lissa, die an der Grenze zu Schlesien lag und sich zuerst im Besitz der Magnatenfamilie Leszczyński befand; 1738 wurde sie aber an die Familie Sułkowski verkauft, in deren Besitz sie bis Ende des 18. Jahrhunderts blieb. Eine wirtschaftliche und kulturelle Blütezeit, beeinflusst durch die konfessionell bedingte Migration aus den böhmischen Ländern und Schlesien, erlebte sie während und kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg; zu dieser Zeit wurde sie auch Hauptsitz der Brüder-Unität im Exil. Intellektuelle der Unität wie Jan Komenský (Johann Amos Comenius 1592-1670), sein Enkel Daniel Ernst Jablonski (1660-1741) sowie Jan Jonston (1603-1675) wirkten an den kulturellen Institutionen Lissas und betätigten sie sich als Theologen, Pädagogen, Gymnasialrektoren, Verfasser theologischer, philosophischer, didaktischer, botanischer oder politischer Schriften. Das Ziel des Projekts ist es, am Beispiel dieser 1656, 1707, 1767 und 1790 durch Brände zerstörten und wieder aufgebauten Stadt die Tendenzen in der Entwicklung aufzuzeigen, die für die Rzeczpospolita signifikant waren und zum anderen nach Differenzen zu suchen. Der Schwerpunkt der Qualifikationsschrift liegt auf den kulturgeschichtlichen Entwicklungslinien, die vor dem Hintergrund des Mit-, Neben- und möglicherweise auch Gegeneinanders der einzelnen konfessionellen Gruppen betrachtet werden sollen. Dabei gehört Lissa zu denjenigen Städten, die nicht polnisch und katholisch, sondern deutsch sowie protestantisch und jüdisch geprägt waren. Die Leitfragen der Untersuchung lauten: Wie gelang es Protestanten, Juden und Katholiken die Koexistenz jahrelang zu bewahren und wer trug dazu bei, dass dies überhaupt erst möglich wurde? In welchen Bereichen des geistigkulturellen Lebens beteiligten sich die Lissaer, welchen Beitrag leisteten sie zur kulturell-wissenschaftlichen Entwicklung der Stadt?
Literatur:Comenius, Johann Amos: Die Zerstörung Lissas im April 1656. Hg. v. Bickerich, W[ilhelm]. Lissa [ca. 1931] (Aus Lissas Vergangenheit. Quellen und Forschungen zur Geschichte Lissas 3); Bickerich, Wilhelm: Zur Geschichte des Buchdrucks und Buchhandels in Lissa. In: Zeitschrift der historischen Gesellschaft für die Provinz Posen 19 (1904) 29-60; Bielecka, Janina: Bracia Czescy w Lesznie. Organizacja i działalność (1550-1817). In: Rocznik Leszczyński, Bd. 2. Poznań 1979, 153-173; Dworzaczkowa, Jolanta: Szkoła w Lesznie do 1656 roku. Nauczyciele i programy. Leszno 2003; Karwowski, Stanisław: Kronika miasta Leszna. Poznań 1877 [ND Leszno 1997]; Kawecka-Gryczowa, Alodia: Leszno- ośrodek wydawniczy Jednoty. In: Odrodzenie i Reformacja w Polsce, 9 (1964) [ND Dies.: Z dziejów polskiej książki w okresie Renesansu. Studia i materiały. Wrocław 1975, 311-413]; Konior, Alojzy (Hg.): Leszno i Leszczyńscy. Leszno 1997; Ders. (Hg.): Daniel Ernest Jabłoński - rektor akademickiego gimnazjum w Lesznie 1686-1691 r. Leszno 1990; Lewin, Louis: Geschichte der Juden in Lissa. Pinne 1904; Loeve, Victor: Dr. Johann Johnston, ein Polyhistor des 17. Jahrhunderts. In: Zeitschrift der histori-schen Gesellschaft für die Provinz Posen 23 (1908) 149-176; Matuszewski, Adam: Odrębność i stereotypowość życia umysłowego w Lesznie w XVII wieku. Leszno 1998; Smend, Gottfried: Evangelisches Schulwesen in Lissa. Ein Beitrag zur Entwicklung der Volksschule in der Provinz Posen. Lissa i. P. [nach 1906] (Aus Lissas Vergan-genheit. Quellen und Forschungen zur Geschichte Lissas 2); Topolski, Jerzy (Hg.): Historia Leszna. Leszno 1997; Voigt, Paul: Aus Lissas erster Blütezeit. Lissa 1906.
