Zwischen dynastischer Traditionsstiftung, Adelsinteressen und historischer Wissenschaft. Geschichtsverständnis und Geschichtsschreibung bei Rudolf Graf Stillfried-Alcántara (1804-1882)

Franziska Zach, StR’

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Thema: Zwischen dynastischer Traditionsstiftung, Adelsinteressen und historischer Wissenschaft. Geschichtsverständnis und Geschichtsschreibung bei Rudolf Graf Stillfried-Alcántara (1804-1882) [Arbeitstitel]

Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Bahlcke

Beschreibung und Zielsetzung des Projekts: Rudolf Graf Stillfried-Alcántara bekleidete am Hof Friedrich Wilhelms IV. und dessen Nachfolger Wilhelm I. mehrere Ämter: Er war einige Jahrzehnte Oberzeremonienmeister, Leiter des Heroldamtes sowie Direktor des Königlichen Hausarchivs. Größere Bekanntheit erlangte er vor allem, als er im Auftrag Friedrich Wilhelms IV. von 1846 bis 1856 den Wiederaufbau der Burg Hohenzollern in verantwortlicher Position vorantrieb und zu seinem Abschluss führte. Darüber hinaus veröffentlichte er zahlreiche Werke zur Geschichte der Hohenzollern sowie zu dynastisch-heraldischen Themen, die allerdings spätestens mit dem Sturz der Hohenzollernmonarchie in Vergessenheit gerieten. Seine vielfältigen Tätigkeiten im Rahmen der Herrschaftsrepräsentation der Hohenzollern, der dynastischen Erinnerungskultur und des monarchischen Zeremoniells wurden in der Forschungsliteratur bisher nur gestreift. Dies wird sich jedoch dank der historisch-kritischen Edition der Tagebücher Stillfrieds ändern, die auch eine wichtige Quellengrundlage für dieses Dissertationsprojekt darstellen.

Stillfried beschäftigte sich in einer Zeit sich professionalisierender Geschichtswissenschaft als studierter Rechtswissenschaftler vor allem mit historischen Fragen. Das Dissertationsprojekt „Zwischen dynastischer Traditionsstiftung, Adelsinteressen und historischer Wissenschaft. Geschichtsverständnis und Geschichtsschreibung bei Rudolf Graf Stillfried-Alcántara (1804-1882)“ versucht anhand des konkreten Fallbeispiels grundlegende Fragen des Verhältnisses zwischen dynastischer Traditionsstiftung, Adelsinteressen und historischer Wissenschaft zu behandeln. Die Tagebücher Stillfrieds stellen hierfür eine einzigartige Quellengrundlage dar. Bei deren Auswertung sowie der Untersuchung seiner Werke verdienen unter anderem folgende Fragen Beachtung: Wie versucht sich Stillfried als Autodidakt innerhalb der Geschichtswissenschaft zu positionieren? Welche Haltungen und Einstellungen zu bestimmten geschichtswissenschaftlichen Themen nimmt er ein? Wie geht er mit Kritik um? Welches Ansehen genießt er in der zeitgenössischen Geschichtswissenschaft? Welchen Standpunkt nimmt er in Bezug auf die offiziellen Hofhistoriographen und deren Arbeit ein? Welches politische Interesse steht hinter seinen einzelnen Aufträgen? Und welche Auffassung von Geschichte vertritt er in diesem Zusammenhang?

Stillfrieds Selbstwahrnehmung als Historiker soll dabei mit seiner Fremdwahrnehmung durch professionell gelehrte Historiker kontrastiert werden. Seine Korrespondenzen, Rezensionen seiner Veröffentlichungen sowie Briefe anderer Historiker bilden hierfür die archivalische Grundlage.     

Literatur: Stillfried-Rattonitz, Rudolf M. v.: Die Burg Schweinhaus und ihre Besitzer. Eine geschichtliche Darstellung. Hirschberg 1833; ders.: Friedrich Wilhelm III., König von Preussen, das Wappen seines Reiches, und die Stammburg seiner Väter. [...]. Berlin 1835; ders. (Hg.): Althertümer und Kunstdenkmale des erlauchten Hauses Hohenzollern, Bd. 1-9. Berlin 1838-1863; ders. (Hg.): Monumenta Zollerana. Quellensammlung zur Geschichte der erlauchten Grafen von Zollern und Burggrafen von Nürnberg. Halle a. d. S. 1843; ders./ Maercker, Traugott (Hg.): Monumenta Zollerana. Urkundenbuch zur Geschichte des Hauses Hohenzollern, Bd. 1-8. Berlin 1852-1866; ders. (Hg.): Geschichtliche Nachrichten vom Geschlechte der Stillfried von Rattonitz, Bd. 1-2. Berlin 1869-1870.

Branig, Hans: Kronprinz Friedrich Wilhelm (IV.) und Rudolph von Stillfried in den Jahren 1836 bis 1838. In: Heinrich, Gerd/Vogel, Werner (Hg.): Brandenburgische Jahrhunderte. Berlin 1971 (Veröffentlichungen des Vereins für Geschichte der Mark Brandenburg 35), 189-199; Bothe, Rolf: Burg Hohenzollern. Von der mittelalterlichen Burg zum nationaldynastischen Denkmal im 19. Jahrhundert. Berlin 1979; Wagner, Hans: Rudolf Stillfried, ein Leben für das Haus Hohenzollern. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 24/25 (1988/89) 229-234; Blanke, Horst: Historiker als Beruf. Die Herausbildung des Karrieremusters „Geschichtswissenschaftler“ an den deutschen Universitäten von der Aufklärung bis zum klassischen Historismus. In: Jeismann, Karl-Ernst (Hg.): Bildung, Staat, Gesellschaft im 19. Jahrhundert. Mobilisierung und Disziplinierung. Stuttgart, 1989, 343-360; Feldhahn, Ulrich: Rudolf v. Stillfried, Kloster Heilsbronn und die Burg Hohenzollern. In: Zeitschrift für Hohenzollerische Geschichte 41 (2005) 27-46; Gehrke, Roland: Art. Rudolf Graf von Stillfried-Alcántara (1804-1882). In: Bahlcke, Joachim (Hg.): Schlesische Lebensbilder, Bd. 11. Insingen 2012, 333-347; Werquet, Jan: Historismus und Repräsentation. Die Baupolitik Friedrich Wilhelms IV. in der preußischen Rheinprovinz. Berlin, München 2010; Berger, Stefan: Professional and popular historians. 1800 – 1900 – 2000. In: Korte, Barbara (Hg.): Popular history now and then. International perspectives. Bielefeld 2012 (Historische Lebenswelten in populären Wissenskulturen 6), 13-29.