Reformierte Kirchengeschichtsschreibung im Umfeld der Altranstädter Konvention (1707).

Markus Wagner

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Titel: Reformierte Kirchengeschichtsschreibung im Umfeld der Altranstädter Konvention (1707). Der württembergisch-oelsische Regierungsrat Philipp Balthasar Sinold, genannt von Schütz (1657-1742) und seine Schlesische Kirchen-Historie. (Arbeitstitel)

Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Bahlcke

Beschreibung und Zielsetzung des Projekts: Philipp Balthasar Sinold, genannt von Schütz amtierte von 1711-1718 als Regierungsrat unter Herzog Karl von Württemberg-Oels in Bernstadt. In dieser Zeit – im Jahr 1715 – erschien „Die Andere Auflage“ der Schlesischen Kirchen-Historie. Gewidmet wurde diese Auflage König Karl XII. von Schweden, eine gesonderte Widmung an den Landesfürsten, in dessen Diensten er sich im Veröffentlichungsjahr befand, ist im Gegensatz zum 1709 erschienenen zweiten Band nicht gegeben. Zumal auch der Erste eine explizite Widmung enthält, stellt sich für die zweite Auflage die Frage: warum diese hier fehlt? Hat es damit zu tun, dass der Württemberger Lutheraner war? Oder, dass er bei den Oelser Landesständen an Rückhalt verloren hatte und somit ein schlechtes Aushängeschild darstellte? Weshalb befand sich Sinold zu jener Zeit am Bernstädter Hof, wer finanzierte die Veröffentlichung der zweiten Auflage? Diese Fragen sollen den Anlass bieten im Rahmen dieser Dissertation die Genese und Wirkung der Schlesischen Kirchen-Historie samt seiner zweiten Auflage zu ergründen.

Die zweite Auflage von 1715 scheint eine Kopie des ersten Bands von 1708 zu sein, denn Inhalt, Aufbau und Paginierung sind eins zu eins übernommen. Weil der zweite Teil der Schlesischen Kirchen-Historie die geistlichen, politischen und juristischen Fragen wesentlich ausführlicher thematisiert, die Schilderungen in den Kontext des Westfälischen Friedens sowie der Altranstädter Konvention einordnet und deren gesellschaftliche sowie ökonomische Folgen erörtert, stellt sich die Frage, weshalb dieser Teil nicht nochmals aufgelegt wurde. Ebenso ist auf dem Titelblatt der zweiten Auflage das gewählte Pseudonym Irenicus Ehrenkron nicht angegeben – ist Sinold überhaupt der Autor dieser Auflage?

Kirchengeschichtlich nimmt sich der Autor zunächst rituellen sowie vorchristlichen religiösen Bräuchen an, bevor er dann über die Anfänge der christlichen Religion zur Einführung der Reformation und den Folgen des Dreißigjährigen Kriegs in Schlesien voranschreitet – dabei äußert er zugleich erste Kritik an den Lutheranern, bewertet den Calvinismus positiv und thematisiert den Streit zwischen Reformierten und Lutheranern. Hervorstechend ist dabei die harsche Kritik des Autors an den Jesuiten und die Betonung deren wiederholter Protestantenverfolgungen. Auch in seinen politischen Äußerungen wird die Diskrepanz zwischen Katholiken, Lutheranern und Reformierten in Schlesien deutlich.

Im Zentrum der Dissertation sollen sämtliche erschienene Bände der Schlesische Kirchen-Historie stehen. Zunächst werden jedoch das Leben sowie das literarische Wirken des Autors skizziert, bevor sodann die Werke in Anbetracht der Intention und Position Sinolds hinsichtlich der angesprochenen geistlichen, politischen und juristischen Themen im Kontext der Altranstädter Konvention sowie der Situation der Reformierten in Schlesien um 1700 analysiert werden. In einem weiteren Schritt wird der Versuch unternommen die „Andere Auflage“ in Bezug zu den ersten Bänden einzuordnen. Darüber hinaus muss die Frage der Autorenschaft der zweiten Auflage gestellt und die Rolle des Herzogs von Württemberg-Oels hierbei diskutiert werden.


Literatur: Schlesische Kirchen-Historie worinnen Der Schlesier unterschiedliche Religionen und GOttes-Dienste Welche sie sowohl im Heyden- als Pabstthum Und nach erfolgter REFORMATION biß dato gehabt kuͤrzlich vorgestellet wird, Wobey zugleich die von dasigen Evangelischen Staͤnden Wider die Paͤbstl. Eingriffe Gefuͤhrten Beschwerden Nebst denen darauff erfolgten allergnaͤdigsten Kaͤyserl. Begnadigungen und hieruͤber ertheilten PRIVILEGIIS mit beygefuͤget worden/ Alles mit unpartheyischer Feder entworffen. FRANCFURT/ In Verlegung des AUTHORIS. 1708; Der Schlesischen Kirchen-Historie Anderer Theil [...] Von IRENICO EHRENKRON. FREYBURG/ In Verlegung des AUTHORIS 1709; Schlesische Kirchen-Historie [...] Die Andere Aufflage. Freystadt In Verlegung des AUTHORIS. 1715; Bahlcke, Joachim: Turbulatores tranquillitatis publicae? Zur Frage der Religionsfreiheit für die Reformierten in Schlesien im Umfeld der Altranstädter Konvention von 1707, in: Ders.; Dingel, Irene (Hrsg.): Die Reformierten in Schlesien. Vom 16. Jahrhundert bis zur Altpreußischen Union von 1817, Göttingen 2016, 205-246 (= Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Beiheft 106); Berghausen, Hans-Wolfgang (Hrsg.): Die Altranstädter Konvention von 1707. Beiträge zu ihrer Entstehungsgeschichte und zu ihrer Bedeutung für die konfessionelle Entwicklung in Schlesien, Würzburg 2009 (= Beiheft zum Jahrbuch für Schlesische Kirchengeschichte Band 11); Jaumann, Herbert: Sinold genannt von Schütz, Philipp Balthasar, in: Neue Deutsche Biographie 24(2010), 465-467; Kappner, Hermann.: Karl von GOttes Gnaden Herzog zu Würtemberg und Teck, auch zu Oels, Bernstadt u. Juliusburg in Schlesien, Graf zu Mompelgardt, Herr zu Heidenheim, Sternberg, Festenberg, Medzibor und Goschütz 1682, 1704-1745, Oels 1910; Kersken, Norbert: Historiographiegeschichte, in: Bahlcke, Joachim (Hrsg.): Historische Schlesienforschung. Methoden, Themen und Perspektiven zwischen traditioneller Landesgeschichtsschreibung und moderner Kulturwissenschaft, Köln/Weimar/Wien 2005, 93-124 (= Neue Forschungen zur Schlesischen Geschichte, Band 11); Petry, Ludwig: Politische Geschichte unter den Habsburgern, in: Ders.; Menzel, Josef Joachim (Hrsg.): Geschichte Schlesiens. Band 2: Die Habsburger Zeit 1526-1740, Stuttgart 32000, 1-99.