Stadt, Kirche und Kultur. Die Koexistenz der Konfessionen im großpolnischen Lissa (1628-1793/96).

Elżbieta Hajizadeh-Armaki M.A.

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Thema: Stadt, Kirche und Kultur. Die Koexistenz der Konfessionen im großpolnischen Lissa (1628 -1793/96)

Projektleiter: Prof. Dr. Joachim Bahlcke 

Beschreibung und Zielsetzung des Projekts: Das Dissertationsprojekt fokussiert auf die polnische Stadt Lissa (Leszno) und fragt, welche konfessionellen Gemeinschaften sich dort im 17. und 18. Jahrhundert formierten und wie kirchlich-konfessionelle Strukturen und Kontakte gestaltet waren. Bei Lissa handelt es sich um eine sogenannte adlige oder private Stadt in Großpolen, die 1547 durch die Grafen Leszczyński gegründet wurde. Bei den Besitzern frühneuzeitlicher Städte in Polen-Litauen lag die Entscheidung über die Besetzung der Ämter im Stadtmagistrat, über die Aufnahme und die Förderung ausgewählter Religionsgemeinschaften sowie über die Exklusion unerwünschter Bevölkerungsgruppen. Der bekannteste Vertreter des Geschlechts Leszczyński, der polnische König Stanislaus I., verkaufte 1738 Lissa an Aleksander Jòzef Sułkowski. Die an der Grenze zu Schlesien gelegene Stadt musste während des Untersuchungszeitraums Brände, Zerstörungen und Pestseuchen über sich ergehen lassen, ihre Einwohnerzahl variierte zwischen 6000 und 12000 Personen. Die konfessionsbedingte Migration zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs aus Schlesien und anderen Teilen der böhmischen Krone bedeutete eine wichtige Zäsur in den kirchlich-konfessionellen Verhältnissen des Fraustädter Landes, zahlreiche Böhmische Brüder und Lutheraner suchten dort eine Zuflucht. Lissa wurde zur Aufnahmestadt für viele Glaubensflüchtlinge und zum Hauptsitz der Brüder-Unität im Exil. Die Zäsur 1793/96 ergibt sich aus dem Übergang der Stadt in die preußische Herrschaft infolge der zweiten Teilung Polens und dem Sterbedatum des Stadtbesitzers Antoni Sułkowski. In der Frühen Neuzeit lebten in Lissa Protestanten, Katholiken und Juden mit- und nebeneinander, sie konnten ihren Glauben praktizieren und in den Kirchen und Synagogen die Gottesdienste und Gebete besuchen. Im Rahmen des Promotionsvorhabens sollen die kirchlich-religiösen Kontakte und Beziehungen herausgearbeitet und die von verschiedenen konfessionellen Gruppen erbrachten geistig-kulturellen Leistungen dokumentiert werden. Der Einfluss des katholischen Klerus auf die evangelischen Gemeinden, vor allem aber die Auswirkungen und Folgen der Rekatholisierung auf das Leben der Lissaer Kirchengemeinden sollen geklärt werden. Es ist nicht auszuschließen, dass das frühneuzeitliche Konkurrenzverhalten der Religionen und Konfessionen zu Spannungen, Streitigkeiten und Konflikten führte. Es ist zu fragen, wie sich die Präsenz kooperativer und vermutlich auch konkurrierender religiöser und konfessioneller Glaubensgemeinschaften auf das kulturelle Lebenin der Stadtauswirkte. Die Untersuchung des Zusammenlebens konfessioneller Gruppen auf der kulturellen Ebene, d. h. im Bereich der Kirchen, Schulen, Architektur und Literatur wird im Zentrum des Dissertationsprojekts stehen, von den kulturellen Institutionen werden besonders Schulen und Buchdruckereien hervorgehoben.
 
Literatur: Ausführlicher Bericht von der jämmerlichen Zerstörung der königlichen Erb-Stadt Lissa in Groß-Pohlen/Den 29. Julii Anno 1707. [O. O.] 1708; Die Synoden der Kirche Augsburgischer Konfession in Großpolen im 16., 17. und 18. Jahrhundert. Hg. v. Gottfried Smend. In: Jahrbuch des Theologischen Seminars der Unierten Evangelischen Kirche in Polen 2 (1930) 138-170; Bickerich, Wilhelm (Hg.): Aus Lissas Vergangenheit. Quellen und Forschungen zur Geschichte Lissas 1-3. Lissa 1913-1931; Karwowski, Stanisław: Kronika miasta Leszna. Poznań 1877 [ND Leszno 1997]; Topolski, Jerzy (Hg.): Historia Leszna. Leszno 1997; Akta Synodów różnowierczych w Polsce. Hg. v. Maria Sipayłło. Bd. 4: Wielkopolska 1569-1632. Warszawa 1997; Dworzaczkowa, Jolanta: Szkoła w Lesznie do 1656 roku. Nauczyciele i programy. Leszno 2003; Szymańska, Kamila: Drukarnie Presserów w Lesznie w XVIII wieku. Leszno 2008.