Rom und Etrurien - Politische und kulturelle Wechselbeziehungen

Exkursion der Abteilung Alte Geschichte
vom 3. bis 12. Oktober 2002 nach Südetrurien


"audias fabulas veteres sermonesque maiorum" ("Hört uralte Geschichten und Erzählungen aus Urväterzeiten"; Plin. epist. 5,6).
Was Plinius der Jüngere in seinem Lob über den Landstrich Tuskien, die heutige Toskana, berichtet, bewegte auch die Abteilung Alte Geschichte bei ihrer diesjährigen Exkursion nach Südetrurien - wenn es auch nicht so sehr die Geschichten und Erzählungen, sondern vielmehr historische Fragestellungen waren, die die Exkursionsgruppe zwischen dem 3. und 12. Oktober 2002 in diesen an archäologischen Stätten so reichen Landstrich führten. Bezüglich der etruskischen Geschichte und ihrer Stellung innerhalb der italischen konnten in den vergangenen Jahren aufgrund reger archäologischer Grabungstätigkeit in Etrurien durchgreifend neue Erkenntnisse erzielt werden. Gerade für den Althistoriker sind diese neuen Ergebnisse sehr wertvoll, da sie im Vergleich mit den literarischen Quellen auf viele Forschungsfragen ein neues Licht werfen. Die Exkursion beschäftigte sich mit der zentralen Frage, in welchem Maße sich die etruskische, griechische und römisch-italische Kultur gegenseitig beeinflußten. Es ging dabei nicht nur um die Analyse einzelner Bereiche, in denen Kulturtransfer sichtbar wurde, sondern auch um die Erfassung von strukturellen Ähnlichkeiten, zum Beispiel in Gesellschaft, Politik und Religion.

Die etruskische Kultur, deren Ursprünge weit in die italische Frühgeschichte zurückreichen (unter anderem Villanova-Kultur), wurde spätestens im 1. Jahrhundert v. Chr. von der römischen vereinnahmt und überlagert. Mit der Expansion Roms in sein mittelbares und unmittelbares Umland nahm die römisch-italische Kultur jedoch bereits früh in nicht geringem Maße etruskische Elemente auf, die hernach in Politik, Gesellschaft und Kultur eingegliedert wurden und mit der Zeit ihren eigentlichen Ursprung vergessen ließen. Gemäß der hier kurz umrissenen Fragestellung wurde im Vorbereitungsseminar, das am 13. und 14. September in Stuttgart stattfand, in einem chronologischen Teil die Geschichte des etruskischen -Staates' sowie die Etablierung des Zwölf-Städte-Bundes im südlichen Etrurien und im nördlichen Latium - dem Kernraum etruskischer Besiedlung - behandelt. Hierbei gingen die 14 Teilnehmerinnen und Teilnehmer (Exkursionsleitung: Eckart Olshausen und Dorit Sedelmeier) auch der Frage nach, inwieweit die Handelsbeziehungen mit Griechenland, die durch das archäologische Material klar belegt sind, neben dem Güteraustausch auch Rückschlüsse auf einen intensiven Kulturtransfer zulassen. Nach der territorialen Expansion der Etrusker nach Norditalien und Campanien und ihrer zeitweise beherrschenden Seemachtstellung im 5. Jahrhundert v. Chr. wurden dann der politische Einfluß der erstarkenden römischen Macht auf das Kräfteverhältnis in Mittelitalien und dessen soziokulturelle Auswirkungen näher beleuchtet.

Die Eingliederung Etruriens in den römischen Machtbereich im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. markierte den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die in der Forschung immer wieder unter dem Begriff -Romanisierung' diskutiert wird. An diesen Terminus knüpft sich die Frage, ob es sich bei der römischen Herrschaft und dem damit einhergehenden Kulturtransfer um gezielte Identitätsstiftung handelte oder ob der Prozeß der Romanisierung eher ein Nebenprodukt der Herrschaftsausübung war. Dabei wurden in den während des Vorbereitungsseminares gehaltenen Referaten die verschiedensten Teilgebiete soziokultureller Wechselbeziehungen berücksichtigt, so etwa Wirtschaft, Religion, Technik, Architektur und Sprache.
Nachdem die Referate des Vorbereitungsseminares die Neugier aller Teilnehmer auf Südetrurien weiter gesteigert hatten, wurde der Tag des Aufbruchs am 2. Oktober herbeigesehnt.

Die Bahnfahrt in der Nacht vom 2. auf den 3. Oktober nach Florenz verlief ebenso reibungslos wie die Busfahrt nach Montalto di Castro, dem Aufenthaltsort für die Dauer der Exkursion. Als mittelalterliches Städtchen wurde Montalto di Castro immer wieder in den Reiseführern gepriesen. Die Unterkunft jedoch vermittelte weniger den mittelalterlichen Charme und erinnerte die Studierenden recht schnell daran, daß -Exkursion' immer auch bedeutet, Wege und Straßen zurückzulegen, um die angestrebten Besichtigungsziele zu erreichen. Ermöglichte die direkt am Hotel vorbeiführende Via Aurelia zwar die schnelle Erreichbarkeit aller gewünschten Exkursionsziele, so schnitt die Abgrenzung der beiden Fahrbahnen die Exkursionsgruppe für immer vom ersehnten mittelalterlichen Städtchen ab.

Cosa und der Portus Cosanus

Das Ziel des ersten Exkursionstages, dem 4. Oktober, waren die archäologischen Überreste der römischen Stadt Cosa. Diese liegt an der Küste des Tyrrhenischen Meeres auf einem felsigen Vorsprung 114 Meter über dem Meeresspiegel im Bereich der heutigen Stadt Ansedonia. Östlich der römischen Stadt befindet sich der portus Cosanus. Westlich erhebt sich der heutige Monte Argentario (mons Argentarius). Cosa wurde 273 v. Chr. als Kolonie latinischen Rechts im nordwestlichen Teil des Küstenstreifens gegründet, den die etruskische Stadt Vulci nach 280 v. Chr. an Rom abgetreten hatte. Thematisiert wurden an dieser archäologisch reichen Stätte von Holger Dietrich und Christian Winkle vor allem die Romanisierung und Herrschaftsausübung Roms über das ehemals etruskische Gebiet. Das antike Stadtgebiet ist nicht überbaut. Bisher wurde von der dort hauptsächlich tätigen American Academy in Rome etwa ein Fünftel der Stadt ergraben. Das kleine Museum auf dem Ausgrabungsgelände wurde 1997 eröffnet und bietet einen guten Überblick über die Fundsituation. Bereits der Anblick der Stadtbefestigung mit ihren 18 Türmen, welche noch zu großen Teilen aus der Gründungsphase der Kolonie (3./2. Jahrhundert v. Chr.) stammt, machte die militärische Funktion der Stadt deutlich. Neben der Akropolis mit dem Capitolium und dem Tempel der Mater Matuta waren vor allem das Forum mit Basilika, Atria Publica, Curia und Concordiatempel beeindruckende Zeugnisse für die Organisation und Funktion dieser frühen römischen Kolonie. Die verschiedenen Häuser aus der republikanischen und kaiserzeitlichen Epoche (Haus des Skeletts, Haus der Diana) gaben hingegen einen guten Einblick in die Lebensverhältnisse der Kolonisten und die verschiedenen Phasen der Stadtgeschichte. Festgehalten wurde von den Referenten vor allem, daß Cosa seine Blütezeit bereits im 1. Jahrhundert v. Chr. überschritten hatte. Fast alle archäologischen und schriftlichen Quellen deuten darauf hin, daß die Stadt, trotz einiger Versuche der Wiederbelebung, in der Kaiserzeit von einem stetigen Verfall gekennzeichnet war. Die Ausrichtung der Stadt auf die Sicherung, Beherrschung und ökonomische Erschließung des Umlandes entfiel in der Kaiserzeit. Andere Städte übernahmen nun die vor allem wirtschaftliche Funktion der Stadt.
Welch wichtige wirtschaftliche Funktion Cosa für die römische Expansion spielte, verdeutlichte Christian Winkle am portus Cosanus. Der Hafen von Cosa liegt unterhalb der Stadt, etwa 138 Kilometer nordwestlich von Rom. Die Landschaft um die Stadt ist besonders reich an Rohstoffen (Mineralien aus Vulkangesteinen, reiche Holzvorkommen, ertragreiches Anbauland, reiche Fischbestände in der Lagune von Cosa). Der Hafen liegt in einer natürlichen Bucht und ist durch das Vorgebirge, welches zugleich eine natürliche Grenze zwischen den etruskischen Städten Vulci im Süden sowie Telamon und Populonia im Norden bildete, geschützt. Der Leuchtturm von Cosa war gleichzeitig ein wichtiger Orientierungspunkt für die Schiffahrt in Richtung Gallien und Spanien sowie auf die Inseln Sardinien und Korsika. Die hier angeführten topographischen Vorzüge waren wohl zusammen mit den politischen Faktoren entscheidend für die Gründung der Kolonie.

Villa von Settefinestre

Am späten Nachmittag des 4. Oktober führte das Referat von Dorit Sedelmeier die Exkursionsteilnehmer zur etwa vier Kilometer von Cosa entfernten Villa von Settefinestre, der nach den archäologischen Berichten wohl bemerkenswertesten Villenanlage auf dem zu Cosa gehörenden Gebiet. Die Villa, deren erste Bauphase auf das 1. Jahrhundert v. Chr. zurückgeht, ist, wie etwa zwölf weitere große Villenkomplexe im ager Cosanus, ein gutes Beispiel für die intensive agrarische Nutzung des Landes in römischer Zeit. Leider liegt die Villa heute auf einem Privatgrundstück und ist nur schwer zugänglich. Neben dem Hauptgebäude haben sich zahlreiche Überreste der pars rustica, des eigentlichen landwirtschaftlichen Betriebes mit Öl- und Weinpresse, Stallungen und Kornspeichern, erhalten. Die auf einem niedrigen Hügel mit Blick über die fruchtbare Ebene angelegte Villa muß mit ihrer fast fünf Meter hohen Fassade bereits von weitem ein eindrucksvolles Bild abgegeben haben. Sie ist auch ein Zeugnis für den sich im ersten vorchristlichen Jahrhundert vollziehenden Wandel von den kleineren landwirtschaftlichen Einheiten hin zu den von Sklaven bewirtschafteten Großgütern, den Latifundien.
Die Anlage des Haupthauses entspricht dem eines typisch römischen Atriumhauses, in welchem die Wohn- und Schlafräume um einen mit einem Wasserbecken (impluvium) versehenen Innenhof (atrium) gruppiert sind. Die kunstvoll im zweiten pompejanischen Stil gearbeiteten Mosaiken des Wohnhauses waren vor Ort leider nicht mehr zusehen. Die Besichtigung der Überreste und das Referat von Dorit Sedelmeier waren gleichwohl beeindruckend. Auch die klimatischen Bedingungen des zur Maremma gehörenden Gebietes waren fühlbar. Diese von Feuchtigkeit und Sümpfen geprägte Landschaft mit ihren zahlreichen Stechmücken ließ die Studierenden spüren, was die Urbarmachung dieser Landschaft bedeutet haben mag. Und dennoch fragte sich mancher Teilnehmer, ob die possierlichen Begleiter die Exkursionsgruppe nicht mit dem Abendessen verwechselt hatten.

Vulci

Vulci gehört mit zu den bedeutendsten etruskischen Städten und war das erste Ziel der Exkursionsgruppe am 5. Oktober. Mirjam Witzky führte durch die Reste der etruskischen und römisch-hellenistischen Stadt. Diese liegt auf einem Hügel im Gebiet der südlichen Maremma, etwa 75 Meter über dem Meeresspiegel und zwölf Kilometer von der Küste des Tyrrhenischen Meeres entfernt. Das bereits in der Villanovazeit des 9. und 8. Jahrhunderts v. Chr. blühende Siedlungsareal erreichte seine Hochzeit im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. Das weitgespannte Handelsnetz reichte bis nach Sardinien und machte Vulci zu einer der reichsten Städte Etruriens. 280 v. Chr. wurde die Stadt von Rom erobert; ein Teil des zur Stadt gehörenden Territoriums wurde für die Gründung von Cosa genutzt. Auch wenn die vorhandenen Überreste im Stadtareal für die römische Zeit, etwa ein gut erhaltener Villenkomplex und Teile einer städtischen domus (Wohnhaus) von sehr guter Qualität sind, so stellte sich die Rekonstruktion des Lebens in der etruskischen Stadt eher problematisch dar. Die angeregte Diskussion verwies immer wieder auf die schwierige Quellenlage, und so mußte manche Frage zur Organisation der etruskischen Stadt offen bleiben.
Das Museum von Vulci im Castello della Badia war die nächste Station der Gruppe. Zum ersten Mal waren hier Funde aus etruskischer Zeit und die berühmte schwarze Buccheroware zu sehen. Die kleine, aber gut aufbereitete Sammlung bot manchen Anlaß zu -Spontanreferaten' und zur Diskussion. Ebenfalls beeindruckend war die neben dem Museum gelegene, 30 Meter hohe und 20 Meter lange, in großen Teilen noch römische Brücke über den Fluß Fiora.

Saturnia und Sovana


Die zweite Tageshälfte wurde von den Referaten Frank Stinis zum etruskischen und römischen Straßennetz in Südetrurien bestimmt. Diese keineswegs nur technikgeschichtlich interessante Fragestellung beleuchtete auf beeindruckende Art den Verlauf der Romanisierung in Südetrurien.
Das kleine Städtchen Saturnia liegt auf einem Travertinplateau etwa 294 Meter über dem Meeresspiegel. Die römische Siedlung war nach der Eroberung Vulcis 280 v. Chr. unter römische Herrschaft geraten. Von Interesse war vor allem das gut erhaltene Straßenstück aus römischer Zeit. Hier wurde beispielhaft der römische Straßenbau und die damit verbundene Erschließung Südetruriens vorgestellt. Dankbar war auch die angeregte Diskussion über die Bedingungen und Folgen der römischen Straßenführung. Keineswegs sind die vielfachen Rekonstruktionen des römischen Straßensystems, darauf machte der Referent zu recht aufmerksam, so einfach zu akzeptieren. Eine kritische Hinterfragung der vorhandenen archäologischen Reste und der schriftlichen Quellen scheint hier weitaus fruchtbarer, um sich dem Thema Straßenbau anzunähern.
In Sovana, das im 7. und 6. Jahrhundert v. Chr. seine erste Blütezeit hatte, konnte Frank Stini einen der wenigen erhaltenen etruskischen Straßenreste vorstellen. Der berühmte und oft photographierte, in den Tuff gehauene Straßenabschnitt (Cavone) ist etwa einen Kilometer lang. Senkrecht abfallende Wände säumen die Strecke und verleihen ihr den bizarren Charakter einer künstlichen Schlucht. Der östlich der berühmten Tomba Ildebranda gelegene Cavone ist auf beiden Seiten mit Inschriften und anderen Spuren aus etruskischer Zeit versehen und bezeugt das etruskische Bemühen, den Höhenunterschied zwischen Tal und Hochebene zu überwinden.

Veji

Nach Veji, der südlichsten Stadt Etruriens, führten am 6. Oktober Mirjam Witzky und Christian Winkle. Die Stadt lag auf einem langgezogenen, leicht gekrümmten Tuffrücken, der von den beiden Flußläufen des Fosso della Valchetta und Fosso del Piordo begrenzt ist. Die Stadt hatte eine Ausdehnung von circa 350 Hektar. Im 6. und 5. Jahrhundert v. Chr. war sie nach dem Zeugnis der schriftlichen Quellen die mächtigste und reichste Stadt Etruriens. Ihr Territorium reichte im Norden bis zu den Gebieten der Falisker und der Stadt Tarquinia, im Südosten bis zum Tiber. In etruskischer Zeit kreuzten sich hier wichtige Straßenverbindungen. Veji war während seiner Blütezeit ein wichtiges Kunstzentrum und vor allem für die Werkstätten für Großplastiken aus Terrakotta berühmt, welche zahlreiche Tempel schmückten. Aus wirtschaftlichen und politischen Gründen kam es bald zu Auseinandersetzungen zwischen Rom und Veji. Nach längerer Belagerung gelang es den Römern im Jahre 396 v. Chr., die Stadt einzunehmen, was zur fast völligen Vernichtung der Veientaner und zur Einverleibung des Stadtgebietes ins römische Territorium führte. Da systematische Grabungen bis heute fehlen, läßt sich nicht viel über den inneren Aufbau der Stadt sagen. Die sichtbaren Überreste sind äußerst spärlich. Ein Großteil der in der älteren Literatur noch beschriebenen Bauten ist überhaupt nicht mehr zusehen. Das Zentrum lag vermutlich auf der höchsten Erhebung. Hier befand sich später auch das römische municipium. War die Besichtigung des eigentlichen Stadtareals eher enttäuschend, so bot die archäologische Zone im Nordwestteil der antiken Stadt mit den Überresten und einer Stahlrohrrekonstruktion des etruskischen Portonacciotempels ein beeindruckendes Bild.

Lucus Feroniae

Nach der doch etwas ernüchternden Besichtigung der archäologischen Stätte von Roms einst mächtigem Rivalen war der Sonntag nachmittag nicht primär den Etruskern gewidmet. Der Besichtigungsplan führte die Stuttgarter Exkursionsgruppe nach Lucus Feroniae, einer nordöstlich von Rom befindlichen ehemaligen römischen Kolonie. Lange Zeit war die Lage dieses Ortes unklar; erst 1952 wurde er mit Hilfe von Luftbildaufnahmen und Keramikfunden lokalisiert. Wer auf der "Autostrada del Sole" (A 1) von Norden nach Süden reist, sollte sich die Zeit nehmen, das unmittelbar bei der Raststation von Fiano Romano befindliche beeindruckende Grabungsgebiet zu besuchen.
Alina Nölle referierte hier über den "Kulturaustausch zwischen Etruskern und anderen italischen Völkern des Großraums Latium". Das ehemalige Heiligtum der wohl ursprünglich sabinischen Göttin Feronia, die als Schutzgottheit der Freigelassenen, aber auch als Quell- und Heilgöttin galt, bot hierfür reiches Anschauungsmaterial. Livius (36,2,8) zufolge soll der heilige Hain der Feronia bereits in der römisch-etruskischen Königszeit ein wichtiges religiöses Zentrum gewesen sein. So verwundert es nicht, daß Hannibal - wohl angezogen vom Reichtum des Heiligtums - im Jahre 211 v. Chr. den Ort gemeinsam mit seinen Soldaten plünderte. Man pflegte den Kult der Feronia jedoch weiterhin, und um den Tempel herum entwickelte sich im ersten vor- und ersten nachchristlichen Jahrhundert eine Siedlung mit einem weitläufigen Forum, Tabernen, einer dreischiffigen Basilika, später gar noch einem kleinen Amphitheater. Nach der Gründung der Colonia Iulia Felix Lucus Feronia in der frühen Kaiserzeit wurde ein kleines Gebäude mit einer Apsis für den Kaiserkult errichtet, das Forum erfuhr eine prächtige Ausschmückung. Wenngleich das aufgehende Mauerwerk bei weitem nicht so hoch erhalten ist wie in Pompeji oder Herculaneum, so erhält der Besucher doch einen anschaulichen Eindruck von diesem Ort.
Wie die Referentin am Beispiel des Feroniakultes deutlich machen konnte, funktionierte hier über lange Zeit hinweg ein Kultur- und Warenaustausch der italischen Völker Nordlatiums. Die Romanisierung, die sich beispielsweise im Kultgebäude für den Kaiser manifestierte, wurde in dieses multiethnische Miteinander eingebunden und vermutlich nicht als Fremdkörper empfunden. Ein beredtes Zeugnis hierfür ist die prächtige, erst vor wenigen Jahren restaurierte Villa der Volusii Saturnini gleich bei der Ausgrabungsstätte. Doch bedauerlicherweise bekam die Exkursionsgruppe zum zweiten Mal an einem Tag nichts zu sehen: Nun waren aber nicht die Zeitläufte schuld, die - wie in Veji - die archäologischen Monumente mit einer Schicht Erde bedeckt hatten. Jetzt war die von den Organisatoren angeforderte und von der Soprintendenza in Rom auch zugesagte italienische Kontaktperson, die das Tor zur Villa öffnen sollte, nicht erschienen. Nachdem auch telephonische Nachfragen scheiterten, blieb allein der Blick durch einen Spalt im Tor und die Heimreise ins Hotel. Nach all den Unwägbarkeiten der vergangenen Tage vermochte diese relativ kleine Enttäuschung die Stimmung der -leidgeprüften' Exkursionsteilnehmer indes nicht mehr wirklich zu trüben.

Populonia

Im Mittelpunkt des nächsten Tagesausfluges stand die auf einem Vorgebirge, 118 Meter über dem Meeresspiegel gelegene Etruskerstadt Populonia. Hier entwickelte sich ein für alle ertragreiches Gespräch mit einem jungen italienischen Archäologenteam, welches an mehreren Ausgrabungen im Stadtgebiet von Populonia arbeitete. Die Grabungsleiterin gab gerne Auskünfte über die aktuellen Grabungsbefunde, konstatierte jedoch auch, daß die vermutlich interessantesten Überreste auf bisher nur eingeschränkt zugänglichem Privatgrund zu finden sind. Danach erhielt die Gruppe die Möglichkeit, dem Grabungsteam beim Reinigen und Verzeichnen der Fundstücke über die Schulter zu blicken. Über die Stadtgeschichte Populonias referierte Joachim Wagner. Schwerpunkt seines Themas war die Entstehung und Entwicklung der seit dem 8. Jahrhundert v. Chr. bestehenden Eisen- und Verhüttungsindustrie und der damit verbundene Aufstieg Populonias zum führenden Wirtschaftszentrum Etruriens. Nach der anschließenden Diskussion machten sich die Studierenden auf den Weg in die Stadt. Zufällig entdeckten sie dort ein kleines, liebevoll eingerichtetes Privatmuseum, welches etruskische Fundstücke aus der Umgebung zeigte.
Der zweite Teil des Referates führte die Gruppe hinunter zum Strand. Bevor dort die Überreste der etruskischen und römischen Eisenverhüttung im Blickpunkt standen, sollte der Parco Archeologico di Baratti e Populonia besichtigt werden. Entgegen allen vorher eingeholten Auskünften stellte sich heraus, daß die Archäologische Zone geschlossen war. Weder die berühmten Nekropolen noch die Überreste der etruskischen Industrieanlagen waren zugänglich. Als Entschädigung gönnte sich die Gruppe eine kurze Strandwanderung, die indes einen wertvollen Einblick in die Eisenverhüttung bieten konnte. Hier waren an der zum Meer hin gelegenen Bruchkante deutlich die verschiedenen Schlackeschichten und einige Reste von Öfen zu sehen. Die intensive Diskussion über die Technik der antiken Eisenverhüttung regte alle zur kritischen Reflexion über die wirtschaftlichen und technischen Fähigkeiten der etruskischen Kultur an. Zu einer weiteren Erkenntnis gelangte man jedoch auch an diesem Tag: Man erfuhr, was der von der Exkursionsgruppe allseits geschätzte Busfahrer Franceso machte, wenn sich Studenten und Dozenten durch die archäologischen Stätten kämpften. Er tauschte seine Busfahreruniform gegen einen bequemen und leuchtend orangefarbenen Jogginganzug ein und versuchte seine Kondition zu verbessern.

Rom

Für die Fahrt nach Rom am 8. Oktober war eine etwas zeitigere Abfahrt angesagt. Zuerst stand ein Besuch im Museo Nazionale Etrusco di Villa Giulia auf dem Tagesprogramm. Nachdem sich jeder in Ruhe einen Überblick über die ausgestellten Exponate verschafft hatte, traf sich die Gruppe zu einem gemeinsamen Rundgang. Die gute und altbewährte Tradition der Spontanreferate wurde hier besonders durch Vera Sauer fortgesetzt, die anhand archaischer Hüttenurnen über die früh- und voretruskische Kultur (Villanovazeit) sprach. Eckart Olshausen referierte im Anschluß über die etruskische Schrift und Sprache. Auch wenn die ausgestellten Inschriften nicht als üppig zu bezeichnen waren, so konnten doch wesentliche Merkmale vermittelt werden. Für alle verständlich erklärte Eckart Olshausen, welche Probleme die etruskische Schrift bis heute bereitet. Wesentlich ist, daß zwar die Schrift entziffert wurde, aber keineswegs die Bedeutung der meisten Wörter geklärt ist. Nach einem kurzen Abstecher in den mit Büchern reich versehenen und daher unumgänglichen Museumsshop verließen die Stuttgarter Studenten die Villa Giulia. Der Weg führte nun zur Universität Rom. Dort empfingen Professor Domenico Musti und sein Mitarbeiterstab die deutschen Gäste überaus herzlich. In dem reichlich mit Abgüssen antiker Plastiken ausgestatteten Hörsaal trug Professor Musti seine neuesten Forschungsergebnisse zum Bildprogramm der Tomba Fran-ois von Vulci vor. Danach entwickelte sich im kleineren Kreis und bei großzügiger und wahrlich köstlicher Bewirtung ein gutes Gespräch zwischen den Teilnehmern und den italienischen Wissenschaftlern. Dieser sehr interessante Austausch wurde mit einem Rundgang durch die Institutsräume und die Institutsbibliotheken der altphilologischen und althistorischen Abteilung abgerundet.
Der anschließende Gang quer durch die Stadt führte die Gruppe zum Palatin, wo Mirjam Witzky über die Stadtwerdung Roms und die frühen Zeugnisse etruskischen Einflusses auf die Stadt referierte. Nachdem die Überreste der sogenannten -Romulushütte' leider nicht zugänglich waren, beschloß die Gruppe, sich im Museum einen ersten bildlichen Eindruck von den wohl frühesten Siedlungsresten im Stadtgebiet Roms aus dem 9. bis 8. Jahrhundert v. Chr. zu machen. Die an das Referat anschließende Diskussion wurde jäh durch das Aufsichtspersonal unterbrochen, das darauf hinwies, daß der Palatin in Kürze schließen werde. Die angeregte Diskussion konnte jedoch unterhalb des Palatins weitergeführt werden, bis die Dunkelheit hereinbrach und zum Aufbruch mahnte.

Tarquinia

Die wohl prominentesten Zeugnisse etruskischer Kultur sind die Grabmalereien und die noch auf uns gekommenen großartigen Grabanlagen. Die Stätten der Toten können nicht nur im Hinblick auf Jenseitsvorstellungen und Totenkult interpretiert werden, sondern gelten auch als vornehmste Konkordanz zu den Häusern der Lebenden. In ihrer Anlage lassen sie Rückschlüsse auf die Struktur der etruskischen Gesellschaft zu und dienen in ihrer künstlerischen Ausgestaltung als Beleg für die Unterhaltungskultur dieses Volkes. Einen Teil dieser Fragen zu erörtern, war das Ziel des Ausfluges nach Tarquinia. Die Necropoli di Monterozzi liegen weit außerhalb des eigentlichen Stadtareals von Tarquinia, einer Stadt, die bis ins 3. Jahrhundert v. Chr. unabhängig war. Die Grabhäuser - annähernd 8000 an der Zahl sind bekannt - sind mit steil abfallenden Zugängen (dromoi) unterirdisch aus dem Stein herausgearbeitet. Der Exkursionsgruppe waren an diesem Mittwoch 14, mit eindrucksvollen Wandmalereien ausgeschmückte Tomben zugänglich. So konzentrierten sich in Tarquinia Referate und Diskussionen auf eben diese bedeutenden Fresken, weniger auf die architektonische Anlage der Gräber.
Wolfgang Dietz dienten sie, nach einer ausführlichen Einführung zur Stadtgeschichte Tarquinias, als Quelle für die etruskische Freizeitgestaltung. So konnte hier eine Vielzahl von Abbildungen zu Gastmählern, Musik, Tanz und Spiel betrachtet werden. Fabian Dirscherl nutzte die Fresken, um die soziale Gliederung der etruskischen Gesellschaft und die Geschlechterrollen näher zu erläutern. Claudia Waibel referierte über den Wandel der Jenseitsvorstellungen zum Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. und konnte dies anhand der vorhandenen Malereien gut erklären. Die Problematik, gerade bildliche Darstellungen als historische Quelle zu interpretieren, half, daß trotz eisigen Windes eine angeregte und gute Diskussion entstehen konnte.
Im Anschluß an einen kleinen Ausflug in die moderne Welt des Devotionalienhandels - vor der archäologischen Zone befanden sich zahlreiche Souvenirstände mit Repliken von Buccheroware und griechisch-etruskischen Vasen - sollten in Tarquinia, in einem der angesehensten und größten Museen für etruskische Kultur, nochmals herausragende Funde im Mittelpunkt stehen. Neben zahlreichen Prunksarkophagen, Urnen, griechischer Keramik und der typisch etruskischen schwarzen Buccheroware sind hier auch die Wandmalereien von vier weiteren Tomben ausgestellt, darunter eine der hervorragendesten, wenn nicht sogar die bekannteste: die Tomba del Triclinio (um 470 v. Chr.). Die ausgesuchte Vasensammlung mit schwarz- und rotfigurigen Vasen bot Joachim Wagner die Möglichkeit, anschaulich über Vasendarstellungen und Motivwahl im Zusammenhang mit dem griechisch-etruskischen Kulturtransfer zu sprechen, während Claudia Waibel ihr Referat zum etruskischen Totenkult und Grabbrauch anhand der Darstellungen des Phersuspiels in der Tomba delle Olimpiadi fortführen konnte. Im Museum wurde an Schautafeln auch erläutert, wie in den 1960er Jahren die Grabmalereien von Experten aus den Gräbern entfernt und im Museum unter wesentlich besseren konservatorischen Bedingungen ausgestellt wurden.

Cerveteri

Nachdem in Tarquinia die Wandmalereien in den Gräbern im Vordergrund standen, bot sich in der Nekropole von Cerveteri, dem antiken Caere, die Möglichkeit, eine etruskische Totenstadt zu begehen. Die dort erhaltenen Tomben haben zumeist den Charakter eines Hauses. Ihr Quellenwert als Parallele zu den heute verschwundenen, da oberirdisch angelegten Häusern der Lebenden, kann nicht hoch genug eingeschätzt werden. In den sehr gut erschlossenen Necropoli della Banditaccia konnten sich die Exkursionsteilnehmer ein sehr eindrückliches Bild davon verschaffen, wie etruskische Hausarchitektur möglicherweise ausgesehen haben mag. Annika Siewert verwies in ihren Ausführungen auf Grundrisse, Bauformen und insbesondere auf die etruskischen Totenklinen. Dies waren einfache Liegen für den verstorbenen Mann, die Klinen für die verstorbene Frau waren mit kleinen Giebeln versehen. Die deutlichste Zäsur bei den Bauphasen vollzog sich im Wandel von den prägnanten Grabhügeln, die bis zu acht Grabkammern bergen konnten, hin zu uniformen - Tumuli-Reihenhaus-Siedlungen' für eine große Anzahl von Toten. Trotz oder gerade wegen des Dauerregens entwickelte die Gräberstadt Cerveteri mit ihrer verwinkelten Gesamtanlage, teilweise verborgenen Tumuli-Eingängen und steil abfallenden Grabzugängen einen eigentümlichen Reiz, der zum längeren Verweilen einlud und für die Unbilden der Witterung entschädigte. Ebenfalls von nicht zu unterschätzendem Unterhaltungswert war eine Gruppe von Schülern, die meinte, mit rosa und weißen Turnschuhen, offenen Sandaletten oder gar Stöckelschuhen den schlammigen Morast der Ausgrabungsstätte bezwingen zu können. Im kleinen Museo Nazionale Cerite in Cerveteri, ausgestattet mit schönen, frühen Buccheroarbeiten, ergänzte schließlich Joachim Wagner sein Referat zum etruskischen Handel um den Aspekt der Buccheroherstellung. Eine besondere Materialwahl und Produktionsweise gewährleistete die spezifische schwarze Farbigkeit dieses außergewöhnlichen Geschirrs.
Den Abend dieses vorletzten Exkursionstages sollte das für die althistorische Exkursion traditionelle Abschlußessen im Restaurant Da Maria im malerischen Capalbio krönen. Bei hausgemachter Pasta und Wildschweinsugo ließ man die vergangenen Tage (darunter auch so manchen lapsus linguae) Revue passieren.

Roselle

War das am Beginn der Exkursion besuchte Cosa eine 273 v. Chr. neugegründete römische Kolonie, so besaß Roselle (lateinisch Rusellae) - die letzte Etappe der Studienreise - eine Siedlungstradition, die bis ins frühe 7. Jahrhundert v. Chr. zurückreichte. Der neun Kilometer nördlich von Grosseto gelegene Ort galt als Rivale des benachbarten Vetulonia. Beide Siedlungen befanden sich an der heutzutage verlandeten flachen Lagune des lacus Prilius. Die in der Forschung lange tradierte Sichtweise dieser Rivalität ist durch neue archäologische Grabungsergebnisse weitgehend überholt. Beide Siedlungen pflegten durchaus (enge) Kontakte, und der Wechsel der Machtverhältnisse ist eher als ein langsamer Prozeß denn als abrupter Übergang zu sehen.
Für den Besucher besonders beeindruckend ist der 3270 Meter lange etruskische Mauerring aus dem 6. Jahrhundert v. Chr., der sich außergewöhnlich gut erhalten hat und erwandert werden kann. Jochen Mayer hatte sich als Referatsort den Bezirk des Forums ausgesucht, an dem sich noch aus nahezu allen Besiedlungsepochen Roselles Überreste finden. Nur selten kann man die spätere römische Überbauung eines Ortes und ihre -Ignoranz' gegenüber älteren Bauphasen klarer visuell nachvollziehen als hier. Direkt unter dem römischen Forum liegt ein archaisches etruskisches Haus, das als archäologischer Glücksfall gelten darf, haben sich doch sonst solche Zeugen kaum erhalten. Für die Veranschaulichung der Fragestellung der Romanisierung und der Haltung der lokalen Oberschicht demgegenüber hatte der Referent das Kollegiengebäude der Augustalen sowie das sogenannte "Haus des Bassus" südwestlich respektive nordöstlich des Forums ausgewählt. Mit mehreren Ladengeschäften (cauponae/thermopolia) und einem luxuriösen Stadthaus (domus) an diesem prominenten Ort der Siedlung wurde die Adaption des römischen Einflusses durch die Bewohner von Roselle fühlbar. Leider war das Wetter der Exkursionsgruppe nicht wohlgesonnen, und ein rasch aufziehendes Gewitter, dessen Ausbreitung man von dem auf einem Hochplateau gelegenen Roselle aus gut beobachten konnte, zwang die Studierenden zu einer Pause im Kassenhaus, das gerade noch rechtzeitig erreicht wurde. Nach einem heftigen Platzregen stellte Annika Siewert abschließend die "Casa dell'impluvium" vor, ein Haus aus hellenistischer Zeit, das nach dem Schema römischer Landsitze gestaltet war.
Bevor es nach Grosseto gehen sollte, wollte die Exkursionsgruppe die Zeit nutzen und ins nahegelegene Vetulonia fahren, ein kleines mittelalterliches Bergstädtchen. Da auch der Busfahrer noch nie dort gewesen war, boten allein die Straßenkarten und die Beschilderung einen Anhaltspunkt. Viele Serpentinen und Schweißtropfen später waren die Stuttgarter oben angelangt, doch stellte sich bald heraus, daß man lediglich "Vetulonia falsa" (= Buriano) erreicht hatte. Vetulonia lag in der Herbstsonne auf dem benachbarten Hügel. Man nutzte die Zeit unverdrossen zu einem Spaziergang in dem malerischen Örtchen oder trank einen Espresso im Centro Sociale, wo der Besuch der deutschen Studenten bei den älteren Dorfbewohnern vermutlich noch für lange Zeit das Gesprächsthema schlechthin gewesen sein dürfte . . .
Nach dem Besuch von Buriano und der nicht minder abenteuerlichen Abfahrt schloß sich noch eine Fahrt nach Grosseto an. Dort erläuterte Jochen Mayer im Archäologischen Museum, dessen didaktische Einrichtung und Objekte den Vergleich mit den großen Vertretern seiner Zunft k eineswegs zu scheuen braucht, zwei Statuenzyklen. Diese waren im Haus der Augustalen sowie im "Haus des Bassus" in Roselle gefunden worden und ergänzten die zuvor erläuterten Sachverhalte von Romanisierung, Repräsentation und Herrschaftssicherung in einstmals etruskischem Gebiet.

Florenz

Der Freitag stand - als nicht mehr offizieller Exkursionstag - zur freien Verfügung. Nach der Abfahrt von der Hotel-Tankstelle, die mancher Exkursionsteilnehmer trotz ihrer -Insellage', den Festpreisen für ein Abendessen (konstante 10 Euro gleich für welches Gericht) und dem ungewöhnlichen Schnellstraßenpanorama fast lieb gewonnen hatte, blieben in Florenz vor Abfahrt des Nachtzuges nach München rund zehn Stunden. Ein Zeitsprung von bis zu 2000 Jahren mußte vollzogen werden, wollte man die Zeugnisse aus der Zeit der italienischen Renaissance betrachten: den Dom mit dem Baptisterium San Giovanni oder den Palazzo Vecchio mit der obligatorischen Davidkopie sowie die Loggia dei Lanzi.
Den Abend nutzten die Heimfahrer zu einer Neuauflage des Abschlußessens, diesmal in einem kleinen florentinischen Restaurant - eine Stärkung, die, wie sich noch zeigen sollte, bald von großem Nutzen sein sollte. Denn nun schien eine nahezu unglaublich perfekte Kooperation von deutscher und italienischer Eisenbahn den rückreisebereiten Teilnehmern um ein Haar eine unfreiwillige Verlängerung des Italienaufenthalts zu bescheren. Die Tickets lotsten die Stuttgarter Gruppe nicht nur auf den falschen Bahnhof, sondern bescherten ihr darüber hinaus, als diese Misere gerade noch abgewendet werden konnte, auch die Verweigerung, die vorgesehenen Schlafabteile zu beziehen. Es lag offensichtlich eine Fehlbuchung vor, was allerdings dank Holger Dietrichs permanentem übersetzerischem Einsatz geklärt werden konnte, so daß die Etrurienfahrer am Sonntag vormittag fahrplangemäß nach Stuttgart zurückkehrten.

Jochen Mayer, Claudia Waibel, Christian Winkle, Mirjam Witzky