Althistorische Exkursion 2005:

Campanien – die „heimliche Hauptstadt“ des römischen Reiches

 

Exkursion vom 27. Setember bis 05. Oktober 2005


Wie grundsätzlich jedes Jahr, so hat die Althistorische Abteilung des Historischen Instituts der Universität Stuttgart auch 2005 (vom 25.9. bis zum 5.10.) eine in einem Blockseminar vorbereitete wissenschaftliche Exkursion durchgeführt – diesmal nach Campanien. Die Exkursion stand unter dem Generalthema "Campanien – die heimliche Hauptstadt des römischen Reiches". Man könnte sich über dieses Thema wundern, das eine Landschaft als Stadt bezeichnet. Wer aber die antiken Quellenberichte von Historikern, Dichtern und Briefautoren studiert, erkennt schnell, was damit gemeint ist: gegen Ende der republikanischen Zeit besaß fast ausnahmslos jeder angesehene römische Politiker seine Villa in Campanien.
Nicht ohne Grund verband die erste auf eine weite Strecke hin ausgebaute römische Straße, die via Appia, Rom mit Capua. In dem reizvollen Ambiente, das die campanische Landschaft bot und auch heute noch bietet, gediehen informative und auch konspirative Gespräche »über den Zaun« ganz zwanglos, und abseits vom Trubel der Großstadt konnte man hier in Muße seine Gedanken fassen und Pläne ausarbeiten.
Besonders reizvoll ist für den Historiker neben Pompeii und Herculaneum sicher auch die Stadt Neapel, wo - im wahrsten Sinne des Wortes - die moderne Stadt auf antiken Fundamenten errichtet ist.
Die Exkursion begann am Dienstag, den 27. September 2005 um 10:30 Uhr am Flughafen Stuttgart. Von dort ging es mit dem Flugzeug über Mailand nach Neapel. Ein Bus brachte die Teilnehmer dann nach Castellammare di Stabia, wo für die nächsten Tage das "Basislager" der Exkursion sein sollte.
Nach dem Beziehen der Hotelzimmer folgten das Abendessen um etwa 20.00 Uhr und schließlich ein freier Abend. 
Der nächste Tag begann mit dem Frühstück um 7.15 Uhr, woran sich eine kurze Besprechung des Tagesprogramms anschloss. Um 8.30 Uhr ging es dann mit dem Bus zum Vesuv, wo Vera Sauer einen Vortrag über die Geographie Campaniens am Beispiel des Vesuv hielt. Nach dem Abstieg vom Vulkan brachte der Bus die Exkursionsteilnehmer nach Cimitile. Dort folgte zunächst die Mittagspause. Anschließend referierte Dr. Peter Guyot über das frühe Christentum in Campanien, was durch die Besichtigung der frühchristlichen Kirche von Cimitile eindrucksvoll abgerundet wurde. Gegen 16.30 Uhr brachte der Bus die Teilnehmer nach Boscoreale, wo das dortige archäologische Museum besichtigt wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft des Museums befindet sich auch die Ausgrabungsstelle, von wo die meisten der Ausstellungsstücke stammen. Es handelt sich bei der Ausgrabung um eine römische "Villa Rustica", welche von Mignon Geisinger durch ihr Referat über die Landwirtschaft Campaniens bzw. insbesondere Flora und Fauna und den Betrieb eines solchen Gutshofes erläutert wurde. Der offizielle Teil des Tagesprogramms endete schließlich mit der Busfahrt zurück ins Hotel und dem Abendessen.
Auch der Donnerstag begann für die Teilnehmer um 7.15 Uhr recht früh. Dem schloss sich wieder eine kurze Vorstellung des geplanten Tagesablaufs seitens der Organisatoren Daniel Römer und Dietmar Esch an. Morgens folgte eine Führung durch die "Catacombe di San Gennaro" in Neapel, von wo es weiterging zum Archäologischen Museum der Stadt. Dieses wurde nach einer kurzen Mittagspause dann besichtigt. Im Museum referierten Max Trauzettel (Villa dei Papiri, Herculaneum), Jonas Scherr (religiöses Leben in Pompeii), Mignon Geisinger (Landwirtschaft Campaniens) und Elizabet Premuzak (Wohnkultur in Pompeii) an Hand der Ausstellungsstücke zu ihren jeweiligen Themen, was durch Ausführungen zu verschiedensten Themen von Prof. Dr. Eckart Olshausen und Vera Sauer, M.A., vervollständigt wurde.  Der weitere Teil des Programms beinhaltete einen halbstündigen Spaziergang zum Dom von Neapel, dessen Besichtigung durch kundige Führung inklusive Vortrag von Dr. Peter Guyot - wieder mit besonderem Augenmerk auf das frühchristliche Campanien - komplettiert wurde. Nach der Heimfahrt in das Hotel und dem Abendessen rundete Dr. Guyot seine Ausführungen vom Nachmittag mit einem kurzen Referat zum Heiligenkult der frühen Christen der Region ab.
Am Freitag, den 30. September 2005, erhielten die Exkursionsteilnehmer - nach dem nun schon gewohnt frühen Frühstück und der anschließenden obligatorischen Instruktion durch die Organisatoren - die Gelegenheit, die Ausgrabungen von Cumae zu erkunden. Dort referierte Dr. Peter Guyot an Hand der Ruinen auch zum Thema "Die griechische Besiedelung Campaniens", da es sich bei Cumae bzw. Kyme um eine griechische Siedlung handelte. Anschließend ging es mit dem Bus zu den Ausgrabungen in Baiae - dem Ort, der in der Antike eines der beliebtesten Urlaubsziele wohlhabender Römer gewesen war. Die Bedeutung diesen Umstandes wurde durch Führung und Referat von Professor Dr. Eckart Olshausen zur Bäderkultur und -politik Campaniens deutlich, worin insbesondere auf informelle Kontakte römischer Spitzenpolitiker am Urlaubsort eingegangen wurde. Der Bus brachte die Teilnehmer dann nach Pozzuoli bzw. Puteoli, wo das dort ausgegrabene Macellum besichtigt wurde. Vera Sauer berichtete dort im Rahmen ihres allgemeinen Referatsthemas "Geographie Campaniens" über Erdbewegungen und "Badyseismos" - natürlich unter besonderer Berücksichtigung der Antike. In Puteoli selbst führte Dietmar Esch anschließend durch das Amphitheater von Puteoli und referierte dort auch etwas allgemeiner zum Thema "Öffentliche Spiele und Theater in Campanien". Den Rest des Nachmittages verbrachte die Gruppe dann mit einer Erkundung des Kraters des Solfatara-Vulkans unter Leitung eines ortsansässigen Führers. Wieder zurück im Hotel ließen die Mitglieder der Reisegruppe den Abend nach dem Essen im Hotelrestaurant ruhig ausklingen, zumal an diesem Abend keine weiteren Referate in der Lobby des Gebäudes vorgesehen waren.
Am Morgen des 1.10. ging es nach Frühstück und Besprechung mit der Bahn nach Torre Annunziata Oplonti. Dort wurde die Villa Poppea besichtigt und durch kundige Ausführungen von Vera Sauer, M.A. erläutert. Danach folgte die Rückkehr nach Castellammare di Stabia, von wo ein kurzer Fußweg die Reisegruppe zur Villa San Marco führte. Sowohl hier als auch bei der nachfolgend besuchten Villa Adriana gelang es Max Trauzettel, trotz durchweg italienischer Fachliteratur und mangelnder eigener Italienischkenntnisse, einen aufschlussreichen Überblick zu vermitteln. Nach dem Heimweg ins Hotel und dem obligatorischen Abendessen endete der Abend mit Ausführungen von Judith Straub über den Totenkult in der Antike und die Gräberstraßen in Pompeii.
Am Sonntag erhielten die Exkursionsteilnehmer Gelegenheit, die Ausgrabungen von Herculaneum zu bewundern, die von vielen als erster Höhepunkt des Programmes wahrgenommen wurden. Hier führten Nicole Frenzel und Natalia Gouskova die Gruppe und präsentierten Herculaneum als "eine augusteische Kleinstadt". Anschließend wurden einige Gebäude und Besonderheiten der Stadt durch Vera Sauer, M.A. erläutert.
Der Montag (3.10.) war den Ausgrabungen von Pompeii vorbehalten. Dort referierten gleich mehrere Teilnehmer zu verschiedensten Themen: Wolfgang Dietz, M.A., sprach über die öffentlichen Bauten Pompeiis, Judith Straub setzte vor Ort ihren Vortrag über die Gräberstraße in Pompeii fort. Anschließend referierten Vera Sauer, M.A., in der und über die Villa dei Misteri und Jonas Scherr im Isistempel über das religiöse Leben der Stadt. Wieder im Hotel angekommen, beschloss die Gruppe den Abend mit einem Vortrag von Mignon Geisinger zur zweiten Villa in Oplontis.
Der letzte Tag, den die Gruppe vollständig in Campanien verbrachte, begann wieder mit einer Bahnfahrt. Zunächst wurden noch einmal die Ausgrabungen von Herculaneum aufgesucht, wo die Villa dei Papiri besichtigt wurde. Anschließend ging es wieder nach Pompeii. Dort legten mehrere Referenten die jeweiligen, ihrem Thema entsprechenden Details des Lebens der Stadt genauer dar. Elizabet Premuzak sprach über die pompeianische Wohnkultur, Daniel Römer referierte über Handel und Gewerbe der Stadt, Vera Sauer wies mit einem kurzen Vortrag auf verschiedene bemerkenswerte Gebäude hin und Wolfgang Dietz führte die Teilnehmer durch die Stabianer Thermen. 

Den letzten gemeinsamen Abend in der schönen Landschaft Campanien wusste die Gruppe schließlich durch ein Abschlussbankett gebührend zu feiern. Mittwoch, der 5. Oktober 2005, stand ganz im Zeichen der Heimreise. Über Neapel und Mailand brachte das Flugzeug die - zwischenzeitlich auch recht erschöpften - Campanienreisenden nach Stuttgart, wo die Verabschiedung aller Teilnehmer die Exkursion gegen 17.30 Uhr offiziell beendete.

Eckart Olshausen, Daniel Römer und Jonas Scherr