Exkursion der Abteilung Alte Geschichte nach Rom

Monumente von Ruhm und Ehre

Die althistorische Exkursion der Abteilung Alte Geschichte führte dieses Jahr nach Rom. Vom 9. bis zum 16. Juni 2014 hieß es für 17 Studentinnen und Studenten unter der Leitung von Peter Scholz, Christian Winkle und Daniel Kah, die Monumente von Ruhm und Ehre zu bestaunen und sich vor Ort mit diesen auseinander zu setzen.

In einem eintägigen Vorbereitungsseminar wurden Referate zu grundlegenden Themen der römischen Geschichte vorgetragen, gefolgt von einer gemeinsamen Diskussion, in welcher die historischen Zusammenhänge und aufkommenden Probleme erörtert wurden. Hierzu zählten sowohl schriftliche Quellen, als auch archäologische, numismatische, epigraphische und papyrologische Zeugnisse. Dadurch konnte bereits eine gute Grundlage geschaffen werden – der Exkursion stand demnach nichts mehr in Wege!

 

Gleich am Tag nach unserer Ankunft in Rom machten wir uns auf zum Forum Romanum, dem Mittelpunkt des römischen Lebens. Durch das Forum wurden wir von Astrid Hilbert geführt, die uns in ihrem Referat vor Augen führte, wie ein Tag auf dem Forum in der Antike ausgesehen haben könnte. Die verschiedenen Triumphbögen erläuterte uns Valerie Wimmer, zum Beispiel anhand des Septimius-Severus-Bogen. Anschließend besuchten wir die Trajanssäule, zu der Tobias Rieger uns einige Darstellungen erklärte und die trajanischen Märkte, deren Bedeutung uns Yvonne Dijkstra nahe brachte, gefolgt vom bereits langersehntem Besuch des Kolosseums. Dort erzählte uns Til Ullmann von der Baugeschichte des Kolosseums und von antiken Quellen über die Gladiatorenkämpfe, die wir uns direkt vor Ort dadurch sehr gut vorstellen konnten.

Der nächste Tag begann mit dem Konstantinsbogen, über den Valerie Wimmer einiges zu berichten hatte. Einen Beitrag zum Augustusforum leistete Alisa Mattesz, welche die historische Entwicklung und architektonische Besonderheiten erläuterte. Am Nachmittag folgten das Forum Boarium und das Forum Iulium, über die uns Astrid Hilbert und Rebekka Fauth Auskunft gaben. Ebenfalls am zweiten Tag besuchten wir noch das Marcellus- und das Pompeius-Theater, zu dem ebenfalls Rebekka Fauth ein Referat hielt. Am Ende dieses Tages gönnten wir uns ein Eis bei der legendären römischen Eisdiele Giolittis, das wir uns angesichts des anstrengenden Programms auch redlich verdient hatten.

Der nächste Tag führte uns in die Hafenstadt Ostia, die heute allerdings nicht mehr am Meer liegt. Geführt wurden wir hier von Ann-Kathrin Twarz und Ines Kumb, die uns über die Stadt der Händler und privates Wohnen informierten. Besonders beschäftigt haben wir uns hier mit einigen Inschriften, die auch während der Mittagspause unter den drei Dozenten für Diskussionsbedarf sorgten. Nach dem Besuch des Museums in Ostia machten wir uns wieder auf den Heimweg nach Rom, wo wir beim gemeinsamen Abendessen den Beginn der Fußballweltmeisterschaft aus italienischer Perspektive miterlebten.

Am nächsten Tag besuchten wir zunächst die Diokletiansthermen und besichtigten das Nationalmuseum. Neben dem berühmten Lapis Niger wurden wir von Eva Bosch und Benedikt Glaser über die antiken Begräbnisriten, die Selbstdarstellung auf Gräbern und die Entwicklung der Grabarchitektur zwischen dem 2. Jh. v. Chr. und den 2. Jh. n. Chr. unterrichtet. Nach einer Mittagspause, die einige dazu nutzten, dem Vatikan einen Besuch abzustatten, schauten wir uns das Hadriansmausoleum an, zu welchem uns die Dozenten einiges zu berichten hatten. Den Abschluss dieses Tages bildete der Palatin, auf dem seit der Kaiserzeit die römischen Kaiser residierten. Hier referierte Christiane Braun über die Entwicklung und Funktion der Kaiserpaläste, deren Größe anhand des Domitianspalastes veranschaulicht wurde.

Am nächsten Tag wurde uns eine ganz besondere Ehre zu Teil: Wir durften die Cestius-Pyramide nicht nur von außen, sondern auch von innen besichtigen, was auch für die Dozenten neu war. Geführt wurde die Besichtigung von Eva Bosch, die uns über die verschiedenen Wandmalereien berichtete. Gefolgt wurde dieses Ereignis von einem Referat von Tessa Nepper, die uns anhand der Aurelianischen Mauer, welche direkt mit der Cestius-Pyramide verbunden ist, die städtebauliche Entwicklung Roms bis zum Ende des 3. Jh. n. Chr. erklärte. Anschließend machten wir uns auf zum Scipionengrab, zu dem sich der Zugang als etwas schwierig herausstellte. Abgesperrte Straßen und ein nicht kooperativer Aufseher, der uns einfach vor verschlossenen Türen stehen ließ und auf seinem Motorrad davon fuhr, hielten uns letztendlich allerdings nicht davon ab, das Scipionengrab auch von innen zu besuchen, da alle Hebel in Bewegung gesetzt wurden, um dennoch Zutritt zu bekommen. Ausgerüstet mit gelben Baustellenhelmen gingen wir ins Innere des Grabes.

Anschließend begaben wir uns auf eine kleine Wanderung entlang der Via Appia, was uns schließlich zur Villa des Maxentius führte. Dort referierte Jannika Pott, die uns zudem das dortige Stadion und dessen Aufbau erläuterte. Direkt daneben befindet sich das Grabmal der Caecilia Metella, über dessen Besonderheiten uns Benedikt Glaser aufklärte.

Der letzte Exkursionstag stand ganz im Motto des blitzeschleudernden Zeus, der uns durch heftige Regengüsse und Donnerschläge durch den Tag führte. Nichts desto trotz begaben wir uns zum Grabmal des Eurysaces, über welches uns Eva Bosch genaueres erzählte. Glücklicherweise war für diesen Tag ein Museumsbesuch geplant, weshalb uns das Wetter nicht allzu sehr zusetzte. Im Museo Palazzo Massimo alla Terme zeigten uns Sarah Hilsenbeck und Gernot Reucher ausgewählte Beispiele von Portraitplastiken und Ehrenstatuen, indem sie diese in ihren historischen und baulichen Kontext einordneten und die unterschiedlichen Portraittypen erklärten. Danach referierte Alisa Mattesz über die Ara Pacis und das Augustusmausoleum. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Pantheon und Tobias Rieger erläuterte auf dem Weg die Marc-Aurel-Säule, an der wir einen Zwischenstopp einlegten.

Am Abend fand schließlich das gemeinsame Abschlussessen statt, an dem wir die Exkursionserlebnisse Revue passieren ließen und den Abend mit leckerem italienischen Essen und einem guten Glas Wein ausklingen ließen.

 

Wie jedes Jahr ging auch bei dieser Exkursion die Zeit wieder viel zu schnell vorbei, sodass wir gerne noch eine Weile in der Stadt der Caesaren geblieben wären. In dieser Woche konnten wir allerdings die wichtigsten Monumente von Ruhm und Ehre besichtigen und dadurch unsere Vorstellungen vom antiken Rom um viele neue Erkenntnisse erweitern. Für diese Gelegenheit möchten wir uns bei jedem bedanken, der dazu beigetragen hat, dies zu ermöglichen.

Ein herzlicher Dank gilt Christian Winkle für die so gute inhaltliche und organisatorische Planung der Exkursion, und selbstverständlich auch Peter Scholz und Daniel Kah. Alle drei haben mit ihrem großen und breitgefächerten Fachwissen sehr viel zu dieser lehrreichen Exkursion beigetragen.

Darüber hinaus bedanken wir uns für die großzügige Unterstützung beim Verein der Freunde des Historischen Instituts und der Vereinigung von Freunden der Universität Stuttgart e.V., die wesentlich zum guten Gelingen der Exkursion beitrugen. An dieser Stelle sei ihnen für den großen finanziellen Rückhalt gedankt, der es uns Studierenden ermöglicht, das in der Universität gewonnene Wissen auch vor Ort anzuwenden und zu erweitern. Die Besichtigung der Monumente vor Ort ermöglicht es uns, direkt mit der Geschichte in Kontakt zu kommen, woraus sich immer wieder neue Perspektiven eröffnen. In diesem Sinne: Vielen Herzlichen Dank!

Christiane Braun

 

Abschlussrede von Tobias Rieger

"Keine Geschichte beginnt mir ihrem Anfang, die Wurzeln des Baumes sind dem Auge verborgen, aber sie reichen hin bis zu den Wassern."

Unser fiktiver Historikerkollege Ethan Ben Hoshaja erkannte schon vor mehr als 2000 Jahren die gewaltige und monumentale Größe der Geschichtsschreibung. Der Autor Stefan Heym erweckte Hoshaja in seinem Roman der "König David Bericht" zum Leben, um ihn durch die Wirren und auch Gefahren der Geschichtsschreibung zu führen und so musste Hoshaja dabei alsbald um sein Leben fürchten. Denn die Suche nach der absoluten Wahrheit und Objektivität hat ihren Preis.

Auch wir bangten in den Tiefen des römischen Straßennetzes des Öfteren um unser Leben. Als sei das nicht genug, setzte uns das unermüdliche Leertriumvirat den mörderischen Klauen des Hades aus. Brütende Hitze in Ostia, brüchige Gräber der Scipionen und die nicht enden wollenden Herden an Tourismus labenden Marktschreiern komplettierten unsere Odysee. Nur die Hymnen des Dr. Indiana Jones erquickten unsere Seelen und ließen uns ohne Verluste und Müdigkeit weitermarschieren. Doch trug unsere Expedition auch Früchte:

Omnia tempus revelat - die Zeit bringt alles an den Tag.

De omnibus dubitandum - an allem ist zu zweifeln.

Dieser unerschöpfliche Wissensdurst und Vermittlungsdrang des Leertriumvirats brachte uns selbst Sokrates näher, denn "Es ist keine Schande nichts zu wissen, wohl aber, nichts lernen zu wollen."