Althistorische Exkursion 2009:

Rom und Latium: Land und Städte in der römischen Republik

 

Die alljährliche Exkursion der Abteilung Alte Geschichte führte die Studierenden dieses Jahr nach Rom und Latium. Vom 19. bis 29. September bereisten die 17 Studierenden und die drei Dozenten P. Scholz, F. Daubner und C. Winkle neben Rom zahlreiche weitere latinische Städte. Das diesjährige Rahmenthema stellte die aristokratische und kaiserliche Repräsentation im öffentlichen Raum, wie sie sich in Architektur, Inschriften, Statuen und Monumenten manifestiert, ins Zentrum der Betrachtungen. Wie gewohnt machten sich die Teilnehmer bereits geraume Zeit vor Reiseantritt in einem zweitägigen Vorbereitungsseminar mit den Voraussetzungen der Repräsentation im öffentlichen Raum während der republikanischen und der Kaiserzeit vertraut. Die Vorstellungen der verschiedenen Referatsthemen führten während dieses Blockseminars und der gesamten Exkursion zu lebhaften und fruchtbaren Diskussionen, die oftmals bis in die Nacht hinein fortgeführt wurden.

Am ersten Tag zog es die Gruppe ins einstmalige ‚Zentrum der Macht‘. Anna-Marie Hofmann bearbeitete das Forum Romanum als Ort aristokratischer Selbstdarstellung und führte gemeinsam mit Axel Grau, der sich dessen Funktion in der Kaiserzeit widmete, über das Gelände. An ausgewählten Quellenbeispielen wurden die jeweilige Bedeutung und Entwicklung des Forums illustriert. Das 2006 errichtete neue Museum, das die Ara Pacis, den 13 v. Chr. Augustus gewidmeten Friedensaltar, beherbergt, bot den Teilnehmenden Schutz vor dem andauernden Regen. Das beeindruckende Monument, das eindringlich das neue Zeitalter des Friedens symbolisiert, diente Franziska Zach neben dem Augustusforum zur Darstellung der öffentlichen Repräsentation des ersten Princeps. 

Das Forum veranschaulicht wie kein anderes Denkmal die Geschichts- und Herrschaftsauffassung des Augustus. Bereits sein Adoptivvater Caesar begann mit dem Bau eines an das republikanische Forum angrenzenden eigenen Forums. Felix Rothacker, der sich schon längere Zeit intensiv mit Caesars Baupolitik beschäftigt hatte, präsentierte das Caesarforum (rechts im Bild). Bei einem Besuch der Musei dei Fori Imperiali konnten die Teilnehmer Fundstücke aus den Arealen der Kaiserforen betrachten. Das Museum befindet sich in den ehemaligen Trajansmärkten. Diese und das Trajansforum standen im Mittelpunkt der Ausführungen von Tino Kuttelwascher. Über den Palatin und dessen komplexe Bebauung referierte Lea Schneider. Die sogenannte Domus Flavia und das Gartenstadion der Domus Augustana gaben Anlass zu Diskussionen über die Nutzung der unterschiedlichen Räumlichkeiten. 

Die latinischen Städte Lucus Feroniae und Cosa waren Ziel des ersten Tagesausflugs. Lucrezia Tempera bot trotz starker Überwucherung des archäologischen Areals einen Überblick über die Ausdehnung der strategisch günstig gelegenen Stadt Lucus Feroniae, die unter anderem im 1. Jahrhundert v. Chr. zur Ansiedlung von Veteranen genutzt wurde. Darüber hinaus war in dieser Stadt der Kult der Feronia ansässig, der bis ins 6. Jahrhundert zurückreicht und sich im Namen der Stadt widerspiegelt. Zur Villa der Volusier verschaffte sich die Gruppe mit Hilfe eines in einer Autobahnraststätte abgeholten Schlüssels Eintritt. Hedwig Liese zeigte dort eine typische senatorische Villa im Suburbium Roms. Nach einem kurzen, jedoch beschwerlichen Aufstieg passierten die Teilnehmer die noch eindrucksvoll erhaltenen Stadtmauern der am Tyrrhenischen Meer situierten Kolonie Cosa, deren Geschichte und Bauwerke Christian Winkle erläuterte.
Bevor die Exkursionsgruppe Rom am fünften Tag verließ, führte Urs Försterling im Museo Nazionale Romano di Palazzo Massimo in die Entwicklung der antiken Porträtkunst ein. Die weitere Reiseroute entlang der Küste in südlicher Richtung führte zunächst nach Terracina, wo sich vom auf der Akropolis gelegenen und von Berenike Kast vorgestellten Tempel ein atemberaubender Ausblick über die Küstenlandschaft bot. Ähnlich eindrucksvoll war die bei Sperlonga gelegene Grotte des Tiberius, über welche Nino Wittig referierte. Im dazugehörigen archäologischen Museum war die bekannte Polyphem-Gruppe zu sehen. Eine weitere Station des Tages bildete das Grabmal des Munatius Plancus in Gaeta, das in seiner Ausführung stark dem Mausoleum des Augustus ähnelt, das Anna Hinz bereits in Rom ausführlich vorgestellt hatte. 

Der anschließende Besuch des kleinen archäologischen Museums in Ceprano, das die Funde der Ausgrabungen von Fregellae umfasst, leitete in das Referat von Frank Daubner über, an dessen Ende die Gruppe das vernachlässigte Grabungsgelände begutachtete, zu welchem sich der Zutritt schwierig gestaltete.
Von da an diente Frascati als Ausgangspunkt für weitere Fahrten in die Umgebung von Rom. Das nächste Ziel war Lavinium mit dem Heroon des Aeneas und den dreizehn, beziehungsweise nach neuesten Forschungen vierzehn Altären, deren Anordnung Anlass zu zahlreichen Fragen gab. Durch das moderne, multimedial übergestaltete Museum erhielten die Teilnehmer eine deutsche Führung, die Rosemarie Kühn durch ihren Vortrag ergänzte. Maren Mössinger und Elisabeth Blickle präsentierten das Heiligtum der Diana am Lago di Nemi und die auf dem Grund des Sees gefundenen Prunkschiffe des Nero, die leider bis auf wenige Reste während des Zweiten Weltkriegs durch einen Brand zerstört wurden.

Den folgenden Tag verbrachte die Exkursionsgruppe in der imposanten Villa des Kaisers Hadrian in Tivoli. Durch deren weitläufiges Gelände gestaltete Ute Veit eine Führung und gab dabei einen Einblick in die komplexen Bauphasen sowie in die Strukturen der Gebäude. In der oberhalb der Anlage gelegenen modernen Stadt Tivoli durchquerten die Teilnehmer das von Wasserfällen geprägte Tal des Flusses Aniene und gelangten so zu den Überresten der Villa des Manilius Vobiscus.

Am nächsten Tag wurde das der Fortuna Primigenia geweihte Terrassenheiligtum in Palestrina, dem antiken Praeneste, besichtigt. Das Heiligtum und die dort ausgeführten Kulthandlungen stellte Caezar Mändle anhand zahlreicher Quellentexte dar. Über die Jahrhunderte hinweg diente es unter anderem als Herrschaftssitz einflussreicher Adeliger der Region. Heutzutage ist im obersten Teil ein Museum eingerichtet, das die Gruppe ebenfalls besuchte. Am Abend besichtigten die Exkursionsteilnehmer außerdem das oberhalb von Frascati gelegene Tusculum, wo die Reste von über hundert senatorischen Villen liegen, die überwiegend nach Rom hin ausgerichtet waren. In Cora war die Gruppe auf die Hilfe der Einwohner angewiesen, um die in der modernen Bebauung oftmals schwer zu findenden antiken Monumente ausfindig machen zu können. Letztendlich war die Suche erfolgreich, sodass die Teilnehmer die Reste des Dioskuren- und des Herculestempels bestaunen konnten. Vor allem der Herculestempel diente als Anschauungsobjekt für die römische Sakralarchitektur. Daraufhin schlängelte sich der Bus die enge Bergstraße nach Norba empor, deren Lage sich bereits die Römer zu Nutzen machten, indem sie dort Kriegsgefangene und Geiseln festhielten. Oben angekommen, eröffnete sich ein Blick auf die weitläufige antike Stadtanlage. Aufgrund des guten Zustands des ergrabenen antiken Straßensystems und der daran angrenzenden Wohnhäuser, bereitete es den Studenten viel Freude, unter der Führung von Christian Winkle das Areal zu erschließen.

Trotz des straffen Exkursionsprogramms der letzten Tage war die Gruppe nicht zu erschöpft, um selbst am Tag des Abflugs noch die antike Hafenstadt Ostia zu besuchen. Die Besichtigung bildete den gebührenden Abschluss der Exkursion und eröffnete einen Blick auf die wirtschaftlichen Strukturen Roms und auf dessen Handelspartner, die durch Bodenmosaike in den hinter dem Theater liegenden Handelsvertretungen symbolisiert wurden. Auch in diesem Jahr zeigte sich, dass derartige Exkursionen für das Studium eine unermessliche Bereicherung darstellen und notwendig sind. Vor allem die lebhaften und ausführlichen Diskussionen zeigten, dass die Exkursion auf große Resonanz bei den Studenten wie den Dozenten gestoßen ist. Die gesammelten Eindrücke von Land und Leuten, der spannende Umgang mit unterschiedlichen Quellenzeugnissen und die beeindruckenden Monumente werden allen noch lange in Erinnerung bleiben. Diese positiven Erfahrungen sind vor allem der exzellenten Betreuung durch Herrn Scholz, Herrn Daubner und Herrn Winkle zu verdanken, ohne deren Engagement die Exkursion nicht realisierbar gewesen wäre. Ute Veit und Franziska Zach unterstützten die Dozenten bei der Planung der Exkursion und profitierten dabei vor allem von der guten Ortskenntnis von Christian Winkle.

Der besondere Dank aller Teilnehmer gilt dem Verein der Freunde des Historischen Instituts, der wie in den vergangenen Jahren die Exkursion der Abteilung für Antike Geschichte und Kultur großzügig finanziell unterstützt hat.

Ute Veit, Franziska Zach