Exkursion der Abteilung Alte Geschichte nach Athen und Attika

Die Sommerexkursion 2013 der Abteilung Alte Geschichte der Universität Stuttgart führte einundzwanzig Studierende und zwei Dozenten, Professor Peter Scholz und Dr. Frank Daubner, vom 16. bis zum 27. Mai in die griechische Hauptstadt Athen und deren Umland, die Landschaft Attika. Um den Studierenden vor Ort ein möglichst umfassendes Bild Athens vermitteln zu können, betrachtete man die Geschichte der Stadt von ihren frühesten Anfängen bis in die Zeit der Spätantike.

In einem Vorbereitungsseminar wurden anhand übergreifender Themen   theoretische Grundlagen geschaffen, die den Studierenden zum besseren Verständnis vor Ort dienten. Hier wurden Themen wie das mykenische und geometrische Athen, die Geschichte des archaischen und klassischen Athens sowie die Institutionen der Demokratie anhand von Referaten der Exkursionsteilnehmerinnen und -teilnehmer erarbeitet. Auf diese Weise konnte jeder Teilnehmer schon im Vorfeld interessante Aspekte kennenlernen, sich Gedanken über die zu besuchenden Orte machen und eigene Schwerpunkte bei der Erkundung vor Ort setzen. So gab das Vorbereitungsseminar den Studierenden die Gelegenheit, sich vorab mit der Geschichte Athens zu beschäftigen und dieses Wissen vor Ort mit den eigenen Eindrücken anzureichern.

Die erste Station der Exkursion war die athenische Agora. An dieser bedeutenden Stelle referierte Lena Stein über archaische Gebäude, Alessa Hartmann über klassische Funde, und Manuel Ilg widmete sich der Agora zur Zeit des Hellenismus. Durch die ausführlichen Referate wurden verschiedene Bauwerke, darunter auch das  Hephaisteion, betrachtet und bewundert. Zusätzliche lieferten die Referenten Janina Gatti und Thomas Lesniak vielerorts interessante Informationen über das römische und spätantike Athen, indem sie römische Bauwerke ansprachen oder auf verschiedene Stellen hinwiesen, die den Einfall der Heruler bezeugen. Im Agoramuseum stellte Tanja Breitenbücher zahlreiche mykenische, protogeometrische und geometrische Vasen vor und nannte deren Merkmale, so daß die gesamte Gruppe für den Rest der Exkursion diese Vasen problemlos bestimmen und unterscheiden konnte. Das Gebäude, in dem sich das Agoramuseum befindet, ist die rekonstruierte Attalos-Stoa, über die Gabriel Rietze referierte. Nachmittags wurden das römische Forum und die Hadriansbibliothek besichtigt, wo Thomas Lesniak die Gruppe durch die Stätten führte.

Am zweiten Tag wurde das archäologische Nationalmuseum besichtigt. Wieder stellte Tanja Breitenbücher mykenische, protogeometrische und geometrische Vasen vor. Teresa Schwarz widmete sich in ihrem Referat den zahlreichen Skulpturen im Museum. Nach dem Aufenthalt in Museum besichtigte die Gruppe das Hadrianstor, das Olympieion sowie das Stadion unter der Führung von Thomas Lesniak. Abends genossen alle Teilnehmer den Blick auf Athen, nachdem sie den höchsten Stadtberg, den Lykabettos, erklommen hatten.


Nachdem das Benakimuseum an Tag 3 besichtigt wurde, referierte Alina Lutz am Areopag über das Gerichtswesen der Athener und stellte die Pnyx, den Ort der Volksversammlung, als Stätte der attischen Demokratie vor. Das weithin sichtbare Grabmal des Gaius Iulius Philopappos wurde von Thomas Lesniak kurz dargestellt, und anschließend wurde der Demos Koilon besichtigt.

Am 19.05, dem vierten Tag der Exkursion, erkundeten die Teilnehmer erstmals einen Ort im attischen Umland Athens. Nachdem Hanna Jehle über die Gräberstraße von Rhamnous berichtete, wanderte man zur archäologischen Stätte, um die Reste der ehemaligen Stadtanlage zu besichtigen.

Am darauffolgenden Tag widmete man sich dem Wahrzeichen Athens, der Akropolis. Früh machte sich die Gruppe auf, um dem täglichen Ansturm von Touristen zu entfliehen und genug Zeit zu haben, die Bauwerke der Akropolis zu besichtigen. Vor Ort stellte Tanja Breitenbücher wieder die mykenische und geometrische Zeit vor, Lena Stein nannte die Veränderungen auf der Akropolis in der Archaik, und die Referentin Deniz Bulgan stellte die Bauwerke der Klassik vor. Nach dem Aufenthalt auf der Akropolis wurde das neue gewaltige Akropolismuseum besichtigt, in dem Christine Dobos-Wolfer besonders auf die Farbigkeit der Giebel aus dem Perserschutt einging. Abschließend begutachteten die Teilnehmer die Akropolishänge. Dort gab Alessa Hartmann anhand des Dionysostheaters eine anschauliche Vorstellung des antiken Theaterwesens, Gabriel Rietze stellte die Stoa des Eumenes vor, und Ioanna Lappa führte die Gruppe auf dem Peripatos, dem Umgang um den Stadtberg, zu den Höhlen der Gottheiten und vermittelte das Gefühl, als sei man einer der berühmten Peripatetiker.


Am 22. Mai fuhren die Teilnehmer zu Athens Hafen, dem Piräus. Sarah Lessig ging auf die wichtige Rolle des Piräus in
 der Geschichte Athens ein, führte die Gruppe zum berühmten Schiffshaus und zum Eetioneia-Tor. Anschließend gab sie im Museum Auskunft über eine Vielzahl an Funden.
Der nächste Tag war für die Besichtigung des Aphaia-Tempels, des Kolonna-Hügels und des Museums auf der Insel Ägina ausgewählt. Mohamet Traore widmete sich Athens langjährigem Feind und beschrieb die vorteilhafte Stellung der Ägineten.
                                                                         

Eleusis stellte das Ziel des nächsten Tages dar. Regina Hermann referierte über die mystischen Handlungen, die sich an diesem Ort abspielten, und führte die Gruppe durch das dortige Museum. Anschließend wurde nach einen kurzen Fußmarsch die Grenzfestung Eleutherai besichtigt. Alisa Mattesz stellte die Besonderheit dieses Ortes dar.

Am 25 Mai reiste die Gruppe nach Thorikos und ins Laureion-Gebiet. Dort beschrieb die Referentin Ann-Kathrin Willenborg den Prozeß der Silbergewinnung. Laureion war für Athen besonders wichtig, da die Polis ihr Silber aus den dortigen Minen bezog, bevor der attisch-delische Seebund seine Kasse nach Athen verlegte. Sunion bildete das nächste Ziel der Gruppe, wo Alisa Mattesz insbesondere auf den schönen Poseidon-Tempel einging und eine anregende Wanderung entlang der Umfassungsmauer anführte.

Der letzte Tag der Exkursion war für die Besichtigung der deutschen Ausgrabungsstätte am Kerameikos vorgesehen. Nachdem Tanja Breitenbücher auf die Keramik im ehemaligen Töpferviertel Athens einging, führten Carola Moser und Astrid Hantschel die Gruppe durch den Kerameikos und gaben ein anschauliches Bild über den Wandlungsprozeß des Kerameikos im Laufe der Jahrhunderte. Als besonderes Ereignis hatte Frank Daubner für die Studenten eine Führung auf dem Kerameikos organisiert, bei der Torben Keßler vom Deutschen Archäologischen Institut Athen die derzeitigen Arbeiten auf dem Kerameikos schilderte.

Stets waren die Dozenten Peter Scholz und Frank Daubner bereit, Auskunft zu geben, die Referenten vor Ort zu unterstützen und ein anschaulicheres Bild über die archäologischen Stätten zu vermitteln, was eine unschätzbare Bereicherung für die gesamte Exkursion darstellte. Unser besonderer Dank gilt aber auch in diesem Jahr der Stiftung „Humanismus heute“ und dem Verein der Freunde des Historischen Instituts der Universität Stuttgart, ohne deren finanzielle Unterstützung diese wichtigen und lehrreichen Exkursionen nicht stattfinden könnten.