Medienkonzept des Lehrstuhls
Nach dem außerordentlichen, auch international anerkannten Erfolg des studentischen
Multimedia-Projekts "In den Wirren des Bauernkriegs. Jerg Ratgeb und der Herrenberger Altar" fand
die Abteilung Landesgeschichte mit ihrer Beteiligung an dem universitären 100-online-Projekt nun
auch einen ersten Einstieg in multi- und telemediale Lehr-Lern-Umgebungen.
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- Vorlesung "'Sie haben den Pfaffen nichts gelassen als die Tränen zum Weinen'. Die Kultur der Reichskirche des 18. Jahrhunderts, die Säkularisation und Staat und Kirche im 19. Jahrhundert"
- Hauptseminar "Aufklärung und Säkularisation in Südwestdeutschland".
In beiden Lehrveranstaltungen wurde multimediales Lehrmaterial via Beamer präsentiert und
anschließend im Netz verfügbar gemacht, wobei durch Einsatz diskreter und audiovisueller Medien
beide Veranstaltungstypen optimal integriert werden konnten. Studierende und eine interessierte
Öffentlichkeit erhielten Zugriff auf das Lehrmaterial zu Vorlesung und Hauptseminar, auf
weiterführende Informationen und vertiefende Materialien sowie auf Links rund um das Thema
Säkularisation.
Mediendidaktische Basis des landeshistorischen 100-online-Projekts war einerseits der Aufbau und
weitere Ausbau einer internetbasierten Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden. Zu diesem
Zweck wurde auch ein Email-Forum sowie eine Rubrik FAQ eingeführt, eingehende Fragen wurden in der
Vorlesung aufgegriffen und in einem Glossar festgehalten. Andererseits wurde eine
Medienqualifikation auf breiter Basis angestrebt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Abteilung standen der Hörerschaft während der gesamten Projektphase im Sinne eines
First-Level-Support für Hard- und Software-Fragen zur Verfügung. Zukunftsweisend war jedoch
insbesondere die selbständige Konzipierung und Durchführung einer eigenen EDV-Schulung in gängiger
Präsentationssoftware. Im Rahmen des Hauptseminars sowie mittlerweile jährlich stattfindender
Schulungen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Lehrenden in der Anwendung der
Software (PowerPoint) sowie in der für multimedial unterstützte Vorträge geeigneten Vortragstechnik
geschult und an verschiedene Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien herangeführt.
Die Studierenden und Gasthörer/innen, aber auch die Lehrenden konnten im Verlauf des Projekts
ihre Medienkompetenz erheblich steigern und erhielten aufgrund der räumlichen und zeitlichen
Unabhängigkeit deutlich verbesserte Möglichkeiten der Vor- und Nachbearbeitung. Durch die
Kooperation mit dem wissenschaftlichen Team der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg
"Säkularisation" wurden außerdem Lehre, Forschung und praktische wissenschaftliche Arbeit
unmittelbar miteinander verzahnt, das landeshistorische 100-online-Projekt begleitet die
Ausstellung als Wissenschaftsforum des Lehrstuhls.
Das landesgeschichtliche Projekt im Rahmen von 100-online konnte bereits weitestgehend
abgeschlossen werden. Da jedoch das Thema "Säkularisation" wegen des im Jahr 2003 anstehenden
Jubiläums und der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg weiterhin höchst aktuell bleibt, wird
dieses Pilotprojekt weitergeführt und um zusätzliche Materialien sowie weitere Lehrveranstaltungen
zum Thema ergänzt. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen, die im Rahmen des Pilotprojekts mit multi-
und telemedialen Lernumgebungen gesammelt werden konnten, und aufgrund des ebenso positiven
Feedbacks aus der Hörerschaft ist der Lehrstuhl inzwischen sogar dazu übergegangen,
Lehrveranstaltungen - sofern irgend möglich - grundsätzlich multi- und telemedial aufzubereiten. So
sind alle Lehrveranstaltungen des Lehrstuhlinhabers bereits seit diesem Sommersemester 2002 multi-
und telemedial unterstützt. Darüber hinaus wurde das ehemalige 100-online-Projekt um einen weiteren
Lehrveranstaltungstyp (Übung zur Paläographie: "Quellen zur Säkularisation württembergischer
Klöster") ergänzt und wird vermutlich im Wintersemester 2002/03 noch um eine didaktische Übung
sowie um eine Übung zur Ausstellungspraxis erweitert. Außerdem wird angestrebt, speziell auf
(angehende) Historiker/innen ausgerichtete EDV-Schulungen fest im Lehrprogramm des Lehrstuhls zu
verankern, und den multi-telemedialen Bereich insbesondere in mediendidaktischer Hinsicht umfassend
auszubauen.
Die Site des 100-online-Projekts wie auch die Internetseiten der Abteilung insgesamt wurden
und werden ständig aktualisiert und ergänzt. Aus urheberschutzrechtlichen Gründen mußten die
Lehrmaterialien zum Sommersemester 2002 mit einem Passwortschutz versehen werden. Das Passwort wird
allen Hörerinnen und Hörern in den Lehrveranstaltungen mitgeteilt, so daß für diese Gruppe der
Zugang natürlich weiterhin offen bleibt. Derzeit wird die gesamte Internetpräsenz des Lehrstuhls
überarbeitet, aktualisiert und um reichhaltiges Material erweitert, wobei Anregungen aus einer
externen Evaluation durch einen Mediendidaktiker eingearbeitet werden.
Trotz sehr guter Erfahrungen erwies das 100-online-Projekt jedoch auch, wie personal- und
zeitintensiv das Angebot einer multi-telemedialen Lehr-Lern-Umgebung ist. Leider verfügt die
Abteilung weder über das nötige Personal noch über die angemessene technische Ausstattung, um eine
Verankerung des Bereichs Multi- und Telemedia in Lehre und Forschung dauerhaft zu gewährleisten:
Das 100-online-Projekt ebenso wie die anderen multi-telemedialen Projekte des Lehrstuhls können
lediglich durch das große "ehrenamtliche" Engagement zweier Mitarbeiter realisiert werden.
