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Medienkonzept des Lehrstuhls

Nach dem außerordentlichen, auch international anerkannten Erfolg des studentischen Multimedia-Projekts "In den Wirren des Bauernkriegs. Jerg Ratgeb und der Herrenberger Altar" fand die Abteilung Landesgeschichte mit ihrer Beteiligung an dem universitären 100-online-Projekt nun auch einen ersten Einstieg in multi- und telemediale Lehr-Lern-Umgebungen.

Als erstes der über hundert Projekte wurde " Pfaffengold in Fürstenhand. Säkularisation in Südwestdeutschland" bereits im September 2001 auf der institutseigenen Homepage für die Öffentlichkeit freigeschaltet. Schon dieses erste multi-telemediale Projekt des Lehrstuhls Landesgeschichte umfaßte im Wintersemester 2001/2002 zwei Lehrveranstaltungen:

  • Vorlesung "'Sie haben den Pfaffen nichts gelassen als die Tränen zum Weinen'. Die Kultur der Reichskirche des 18. Jahrhunderts, die Säkularisation und Staat und Kirche im 19. Jahrhundert"
  • Hauptseminar "Aufklärung und Säkularisation in Südwestdeutschland".


In beiden Lehrveranstaltungen wurde multimediales Lehrmaterial via Beamer präsentiert und anschließend im Netz verfügbar gemacht, wobei durch Einsatz diskreter und audiovisueller Medien beide Veranstaltungstypen optimal integriert werden konnten. Studierende und eine interessierte Öffentlichkeit erhielten Zugriff auf das Lehrmaterial zu Vorlesung und Hauptseminar, auf weiterführende Informationen und vertiefende Materialien sowie auf Links rund um das Thema Säkularisation.

Mediendidaktische Basis des landeshistorischen 100-online-Projekts war einerseits der Aufbau und weitere Ausbau einer internetbasierten Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden. Zu diesem Zweck wurde auch ein Email-Forum sowie eine Rubrik FAQ eingeführt, eingehende Fragen wurden in der Vorlesung aufgegriffen und in einem Glossar festgehalten. Andererseits wurde eine Medienqualifikation auf breiter Basis angestrebt: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung standen der Hörerschaft während der gesamten Projektphase im Sinne eines First-Level-Support für Hard- und Software-Fragen zur Verfügung. Zukunftsweisend war jedoch insbesondere die selbständige Konzipierung und Durchführung einer eigenen EDV-Schulung in gängiger Präsentationssoftware. Im Rahmen des Hauptseminars sowie mittlerweile jährlich stattfindender Schulungen wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie die Lehrenden in der Anwendung der Software (PowerPoint) sowie in der für multimedial unterstützte Vorträge geeigneten Vortragstechnik geschult und an verschiedene Einsatzmöglichkeiten Neuer Medien herangeführt.

Die Studierenden und Gasthörer/innen, aber auch die Lehrenden konnten im Verlauf des Projekts ihre Medienkompetenz erheblich steigern und erhielten aufgrund der räumlichen und zeitlichen Unabhängigkeit deutlich verbesserte Möglichkeiten der Vor- und Nachbearbeitung. Durch die Kooperation mit dem wissenschaftlichen Team der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg "Säkularisation" wurden außerdem Lehre, Forschung und praktische wissenschaftliche Arbeit unmittelbar miteinander verzahnt, das landeshistorische 100-online-Projekt begleitet die Ausstellung als Wissenschaftsforum des Lehrstuhls.

Das landesgeschichtliche Projekt im Rahmen von 100-online konnte bereits weitestgehend abgeschlossen werden. Da jedoch das Thema "Säkularisation" wegen des im Jahr 2003 anstehenden Jubiläums und der Großen Landesausstellung Baden-Württemberg weiterhin höchst aktuell bleibt, wird dieses Pilotprojekt weitergeführt und um zusätzliche Materialien sowie weitere Lehrveranstaltungen zum Thema ergänzt. Aufgrund der sehr guten Erfahrungen, die im Rahmen des Pilotprojekts mit multi- und telemedialen Lernumgebungen gesammelt werden konnten, und aufgrund des ebenso positiven Feedbacks aus der Hörerschaft ist der Lehrstuhl inzwischen sogar dazu übergegangen, Lehrveranstaltungen - sofern irgend möglich - grundsätzlich multi- und telemedial aufzubereiten. So sind alle Lehrveranstaltungen des Lehrstuhlinhabers bereits seit diesem Sommersemester 2002 multi- und telemedial unterstützt. Darüber hinaus wurde das ehemalige 100-online-Projekt um einen weiteren Lehrveranstaltungstyp (Übung zur Paläographie: "Quellen zur Säkularisation württembergischer Klöster") ergänzt und wird vermutlich im Wintersemester 2002/03 noch um eine didaktische Übung sowie um eine Übung zur Ausstellungspraxis erweitert. Außerdem wird angestrebt, speziell auf (angehende) Historiker/innen ausgerichtete EDV-Schulungen fest im Lehrprogramm des Lehrstuhls zu verankern, und den multi-telemedialen Bereich insbesondere in mediendidaktischer Hinsicht umfassend auszubauen.

Die Site des 100-online-Projekts wie auch die Internetseiten der Abteilung insgesamt wurden und werden ständig aktualisiert und ergänzt. Aus urheberschutzrechtlichen Gründen mußten die Lehrmaterialien zum Sommersemester 2002 mit einem Passwortschutz versehen werden. Das Passwort wird allen Hörerinnen und Hörern in den Lehrveranstaltungen mitgeteilt, so daß für diese Gruppe der Zugang natürlich weiterhin offen bleibt. Derzeit wird die gesamte Internetpräsenz des Lehrstuhls überarbeitet, aktualisiert und um reichhaltiges Material erweitert, wobei Anregungen aus einer externen Evaluation durch einen Mediendidaktiker eingearbeitet werden.

Trotz sehr guter Erfahrungen erwies das 100-online-Projekt jedoch auch, wie personal- und zeitintensiv das Angebot einer multi-telemedialen Lehr-Lern-Umgebung ist. Leider verfügt die Abteilung weder über das nötige Personal noch über die angemessene technische Ausstattung, um eine Verankerung des Bereichs Multi- und Telemedia in Lehre und Forschung dauerhaft zu gewährleisten: Das 100-online-Projekt ebenso wie die anderen multi-telemedialen Projekte des Lehrstuhls können lediglich durch das große "ehrenamtliche" Engagement zweier Mitarbeiter realisiert werden.