"Unsichtbare Hände" -

XII. physikhistorische Tagung zur Rolle von Technikern, Laborassistenten, Universitätsmechanikern u.a. in der physikalischen Forschungs- & Entwicklungsarbeit

 

 

Der Fachverband Physikgeschichte wird am 26./27. März 2007 auf der Frühjahrstagung der DPG in Regensburg seine eigene, im Zweijahresrhythmus stattfindende XII. physikhistorische Tagung unter das Thema "unsichtbare Hän­de" stellen. Dabei soll es um die Beteiligung von Mechanikern, Technikern, Assistenten, Familien­mitglie­dern, Gewerbetreibenden u.a. Handlangern an Forschungsleistungen gehen, die in der großen Öffentlichkeit nur als Leistungen einiger weniger, berühmter "großer" Physiker wahrgenommen werden. Im Umfeld vieler bekannter Naturforscher finden sich solche Helferinnen und Helfer, ohne die die Durchbrüche nicht erfolgt wären. Erwähnt seien hier nur der manuell eher ungeschickte J.J. Thomson, der in allen experimentellen Belangen auf die Hilfe seines Labor­fakto­tums Ebenezer Everett zurückgreifen konnte, Fritz Habers Mechaniker und "Diener" Friedrich Kirchenbauer, oder Henri Becquerel, der sich auf 'seinen' Matout verlassen konnte. Im Falle des frühneuzeit­lichen Naturforschers Robert Boyle etwa kennen wir nur von einigen wenigen seiner zahlreichen Laborgehilfen überhaupt die Namen, darunter immerhin Denis Papin und Robert Hooke. In etlichen Fällen waren auch Ehefrauen oder Lebenspartner in solche Kollaborationen eingebun­den. Viele dieser Arbeitsbeziehun­gen hielten Jahr­zehnte und erwiesen sich als glückliche Kombina­tion verschiedener Talente, in anderen Fällen jedoch scheiterten sie an Spannungen, Ver­bitterung oder Rivalität. Zu fragen wäre u.a. nach den Bedin­gungen für die Stabilität und Fruchtbarkeit solcher asymmetrischen Kooperationsverhältnisse und nach den jeweiligen Ausprägungen, die solche Kooperationen in verschiedenen nationalen und persönlichen Kontexten sowie in verschiedenen Perioden gehabt haben. Inwiefern spiegeln sich darin grundlegende Wandlungen in der Rolle und Sichtbarkeit der "unsichtbaren Hände"  – von sozialen Prozessen wie der räumlichen Trennung von Wohnen und Arbeiten bis zur Einführung von betreuungsintensiven komplexen Forschungstechnologien? 

 

Mit unserem Thema wollen wir insbesondere den Blick auf Organisationsformen von Teamforschung richten,  auf Probleme der Asymmetrie zwischen Berühmten und weniger Berühmten (manchmal, aber keineswegs immer Namenlosen) sowie auf Strategien der Beteiligten, damit umzugehen. Auch die Frage, wer am Ende in die Autorenliste einer Publikation Aufnahme findet und wer nicht, wer am Ende von anderen als Produzent von Ergebnissen wahrgenommen und mit Preisen bedacht wird und wer nicht, soll eine Rolle spielen. Erwünscht sind Beiträge aus allen Perioden und Teilgebieten der Physikgeschichte; Fallstudien zu Kooperationen in Universitäten, industriellen Forschungs­laboratorien und modernen Großforschungs­einrichtungen ebenso wie übergreifende vergleichende oder strukturelle Analysen.

 

Themenvorschläge sind bis 15.10. 2006 zusammen mit einem etwa halbseitigen Abstract zu senden an

 

Günter Dörfel, Dresden, email: guenter_doerfel@web.de

Klaus Hentschel, Bern, email: Khentsc@aol.com

 

oder an jedes andere Vorstandsmitglied des Fachverbands Physikgeschichte. Bei der Vortragsanmeldung sowie der Erstellung/Übersendung des abstracts sollten die entsprechenden Hinweise im Heft 10/2006 des Physik Journals bzw. die Homepage des Fachverbandes Geschichte der Physik
(ww.dpg-fachgremien.de/gp/) beachtet werden