Forschung

Geschichte der Materialforschung

Ein Interesse an Materialien und ihren spezifischen Eigenschaften ist so alt wie die Menschheit. Eigentliche Materialforschung als eine systematische Erkundung und Messung von Materialeigenschaften sowie die gezielte Erzeugung neuer Materialien aufgrund chemischer und physikalischer Kenntnisse ist jedoch jüngeren Datums. Für viele Jahrhunderte wurde praktisches Wissen über die Erzeugung und Modifikation von Materialien als Geheimwissen betrachtet, das nur vom Meister zum Schüler weitergegeben wurde - eine Verschriftlichung setzte in Einzelbereichen im ausgehenden Mittelalter, ansonsten erst in der frühen Neuzeit ein. In der Aufklärungszeit begannen Réaumur, Böttger, Tschirnhaus u.a. mit systematischen Experimenten zu Stahl bzw. zu Porzellan u.a. Keramiken. Materialdefekte wirkten sich fatab aus beim Bau von Eisenbahntrassen und Brücken sowie im Dampfkesselwesen - erste Materialprüfungsanstalten und -ämter entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (zuerst in England, dann auch in Deutschland und der Schweiz. Werkstoffwissenschaften werden seit dem ausgehenden 19. Jh. an etlichen Technischen Hochschulen und Universitäten gelehrt, aber eine voll-entwickelte Disziplin "materials science" entsteht erst nach dem zweiten Weltkrieg. Für einen Überblick über die weiteren Institutionalisierungsschritte "Von der Werkstoffforschung zu materials science" siehe den Aufsatz von Klaus Hentschel zu diesem Thema in NTM 2011.

Weitere Beiträge zu diesem Thema finden sich in dem von Klaus Hentschel und Carsten Reinhardt herausgegebenen Sonderheft "Zur Geschichte der Materialforschung" der Zeitschrift für Geschichte der Naturwissenschaften, Medizin und Technik NTM 19,1 (2011).

Einer der Doktoranden der GNT, Herr Dipl.-Ing. Andreas Haka M.A., erforscht in einem Langzeit-Projekt speziell die Geschichte der Faserverbundwerkstoffe, die mittlerweile sowohl in Luft- und Raumfahrt wie auch im Fensterbau sowie in anderen Anwendungen zunehmend Eingang in unsere Lebenswelt finden. Für nähere Informationen dazu siehe hier, sowie seinen Beitrag über "Flügel aus 'Schwarzem Gold'", in NTM 2011. Eine Habilitationsschrift von Dr. phil. Dipl.-Ing. Andreas Haka mit dem Titel "Konstruierte Stabilität - werkstofftechnische Entwicklung und konstruktive Anwendung von Hybridwerkstoffen im 20. Jahrhundert" ist in Vorbereitung. Weitere Informationen finden Sie hier.

Seit Sommer gibt es eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe an der Universität Stuttgart, die eine SQ-Lehreinheit zum Rahmenthema "Geschichte der Materialforschung" vorbereitet. Schwerpunkte werden dort die Geschichte der Materialprüfungsanstalt Stuttgart, die Geschichte der Supraleitung und Supraleiter, sowie die Geschichte der Flüssigkristalle und ihrer Anwendungen in Bildschirmtechnik sein. Seitens der GNT sind dieses Lehrprojekt neben Klaus Hentschel als Koordinator auch die GNT-Promovenden Dr. phil. Dipl.-Ing. Henryk Ditchen sowie Dipl.-Ing. Josef Webel einbezogen. Für nähere Informationen über die Mitglieder dieser Arbeitsgruppe und das Lehrprogramm siehe hier.
Unter der Herausgeberschaft von Prof. Dr. Klaus Hentschel und Dipl.-Ing. Josef Webel erscheint 2016 im Verlag für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik der Sammelband: Geschichte und Praxis der Materialforschung
an den Beispielen Materialprüfung und Materialprüfungsanstalt (MPA) Stuttgart,
Flüssigkristalle und Bildschirmtechnik sowie Supraleitung.
Eine PDF mit dem Deckblatt, Inhaltsverzeichnis und Vorwort finden sie hier.

 

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