Forschung

Wissenschaftliche Netzwerke

In einer Reihe von Fallstudien haben sich Mitarbeiter der Abt. GNT mit der Analyse sozialer Strukturen um singuläre Figuren der Wissenschaftsgeschichte wie etwa Albert Einstein, Niels Bohr, Charles Darwin oder Antoine Lavoisier bemüht. Dabei geht es nicht um die Biographie dieser allzu oft hagiographisch überhöhten Naturwissenschaftler, sondern um deren soziales Umfeld. Zuerst am Beispiel Einstein, später dann aber auch an anderen Fällen fiel Klaus Hentschel auf, daß es unter seinen Anhängern eine kleine Gruppe gibt, die als dessen Stellvertreter in zahlreichen Debatten und Kontroversen fungierten und von Einstein selbst auch in dieser Rolle bestätigt wurden. Es entwickelten sich regelrechte Netzwerke um Einstein, dem diese Verteidiger Arbeit und Ärger abnahmen, während letztere umgekehrt durch ihre Verteidigerrolle am Ruhm Einsteins teilhatten. Analoge Studien zu anderen Zentralfiguren der Wissenschafts- und Technikgeschichte sind geplant. Ferner werden derzeit zusammen mit dem Universitätsarchiv der Universität Stuttgart zwei einschlägige Projekte vorbereitet, in denen es um die Erfassung der Netzwerke der Alumni dieser Universität in der umliegenden Industrie sowie um die Verzahnung mit Wissenschaftlern und Technikern der ehemaligen Technischen Hochschule mit der Organisation Todt während der NS-Zeit gehen soll. Auch allgemeinere Aspekte wissenschaftlicher Netzwerke sollen an diesen Beispielen herausgearbeitet werden.

Literaturhinweise: Klaus Hentschel:
Interpretationen und Fehlinterpretationen der speziellen und der allgemeinen Relativitätstheorie durch Zeitgenossen Albert Einsteins , Basel: Birkhäuser, 1990 ( Science Networks Series, Bd. 6; 700 S., 18 figs., 3200 bibl. refs.). sowie Ders.: Einstein und seine Exegeten: Inanspruchnahme und Deformation der Relativitätstheorie durch ihre frühen Verteidiger', in Philipp W. Balsiger & Rudolf Kötter (eds.) Die Kultur moderner Wissenschaft am Beispiel Albert Einstein, Heidelberg: Spektrum 2006, S. 69-95 sowie dort jeweils genannte weiterführende Texte.

Einschlägige Tagungsorganisationen von Prof.Dr. Klaus Hentschel:
Netze des Wissens: Netzwerk als Methode oder Metapher? (Univ. Bern 2004)

Laufende sowie abgeschlossene Abschlussarbeiten zum Thema:

Netzwerke frühneuzeitlicher Astronomen
(Dissertationsprojekt an der Abteilung GNT, Betreuer: Prof. Dr. Klaus Hentschel)
Hartmut Knopp M.A.
Email: hartmut-knopp@gmx.de

Andreas Haka M.A.: „Personelle Strukturen und Netzwerke in der Maschinenbauforschung zwischen 1920 und 1970 in Deutschland“
(Dissertationsprojekt, Betreuer Hentschel)
Email: andreashaka@web.de
Internetpräsenz Dr. phil. Dipl.-Ing.(FH) Andreas Haka M.A.

Netzwerke von Autoren, Sammlerkollegen, Verlegern und Illustratoren am Beispiel der Kupferbibel von Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733)
(Anfang 2014 abgeschlossene BA-Arbeit von Torsten Himmel; Betreuer: Prof. Dr. Klaus Hentschel)
e-mail: thimmel@gmx.net
ein Abstract zu dieser BA-Arbeit finden Sie hier (.docx; alternativ hier als PDF)

"Die Beteiligung Stuttgarter Ingenieure an der Planung und Realisierung der Reichsautobahnen unter besonderer Berücksichtigung der Netzwerke von Fritz Leonhardt und Otto Graf"
(Dissertationsprojekt an der Abteilung GNT, Betreuer: Prof. Dr. Klaus Hentschel)
Henryk Ditchen
Email: hditchen@gmx.de
Ein PDF zu dieser Buchpublikation können Sie hier herunterladen.

 

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