Auto.Mobil.Geschichte. Im Rathaus

Dienstags, 18.00 Uhr, Großer Sitzungssaal, Rathaus Stuttgart

Eine Vortragsreihe der Landeshauptstadt Stuttgart und der Universität Stuttgart: Internationales Zentrum für Kultur- und Technikforschung & Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik, Historisches Institut im Rahmen des Automobilsommers 2011. Alle Vorträge in deutscher Sprache. Eine Anmeldung zu den Vorträgen ist nicht erforderlich.

Vor 125 Jahren wurde das Automobil erfunden. Seitdem hat es unsere Lebenswelt radikal verändert. Zeit für einen Blick zurück: In der Vortragsreihe "Auto.Mobil.Geschichte. Im Rathaus" präsentieren Historikerinnen und Historiker ihre aktuellen Forschungen - sie untersuchen Innovationsprozesse ebenso wie kulturelle Auswirkungen der Automobilität. Damit weist der Blick in die Vergangenheit auch nach vorn: Historische Erfahrungen können Impulse bieten, Mobilität immer wieder neu zu erfinden.


17.05.2011

Eröffnung der Vortragsreihe mit Grußworten von


AVANTGARDE. Elektroautos um 1900
Gijs Mom, Eindhoven

Der Technikhistoriker und Ingenieur Gijs Mom ist Professor an der Eindhoven University of Technology. Für seine Studie "The Electric Vehicle. Technology and Expectation in the Automobile Age" (2004) erhielt er den ASME Engineer-Historian Award. Seine Forschungen zeigen, dass frühe Elektroautos nicht allein auf Grund technischer Defizite scheiterten. Auch kulturelle Faktoren standen ihrer Verbreitung entgegen.
Bringen aktuelle Initiativen nun den Durchbruch? Oder bleibt das Elektroauto als Massenprodukt für immer ein Zukunftsversprechen? Um dies einschätzen zu können, diskutiert der Vortrag, die um 1900 mit dem Elektroantrieb gesammelten Erfahrungen.


24.05.2011
GRENZERFAHRUNGEN. Mobilitätsbegeisterung für Auto, Flugzeug und Boot im frühen 20. Jahrhundert
Kurt Möser, Karlsruhe

PD Dr. Kurt Möser ist Professor für Neue und Neueste Geschichte am Karlsruher Institut für Technologie. Zuvor war der Autor einer "Geschichte des Autos" (2002) u.a. als Konservator am Technoseum Mannheim tätig. Auf der Basis seiner umfassenden Studie "Fahren und Fliegen in Frieden und Krieg" (2010) fragt Möser nach Gemeinsamkeiten einer neuen Kultur abenteuerlicher und erfahrungserzeugender Mobilitätsmaschinen, die im frühen 20. Jahrhundert für eine Kulturrevolution sorgten.


31.05.2011
LA MERCÉDÈS. Ein automobiles Leitbild am Beginn des 20. Jahrhunderts
Bettina Gundler, München

Die Anfänge der Ära der "Selbstfahrer" waren durch eine bunte Vielfalt technischer Lösungen und Ideen gekennzeichnet. Erst um 1900 kristallisierte sich das Leitbild des schnellen, komfortablen, technisch hochkarätigen Benziners heraus, das auch als Ideal einer "Rennreiselimousine" beschrieben wurde.
Dr. Bettina Gundler, Kuratorin für Straßenverkehr am Deutschen Museum München, untersucht am Beispiel der Marke "Mercedes" die Entstehung dieses Leitbildes, das automobile Technik und Design ebenso prägte wie Automobilkultur und Konsumententräume.


14.06.2011
KRISENREAKTIONEN. Die Automobilindustrie vor den Herausforderungen der 1920er und 1930er Jahre
Reinhold Bauer, Hamburg

Für die deutsche Automobilindustrie war die Zwischenkriegszeit eine Phase des massiven Strukturwandels. PD Dr. Reinhold Bauer, Technikhistoriker an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, untersucht den Einfluss des konkurrierenden Kraftrads und der Weltwirtschaftskrise auf die Innovativität im Automobilbau. Seine zentrale These: Schon die Prozess- und Produktinnovationen der Vorkriegszeit bereiteten den Weg für den Aufstieg der Automobilindustrie zur Wachstumsbranche par excellence in der Bundesrepublik.


21.06.2011 [Anmerkung: Termin mit zwei Vorträgen]

STUTTGART I. Gescheiterte automobile Innovationen
Thomas Schuetz, Stuttgart

Das Automobil war Lebensinhalt ungezählter, unbesungener Helden im Schatten berühmter "Gründerväter" wie Daimler, Benz oder Bosch. Die automobilen Wunschträume solcher frühen Tüftler und Erfinder scheiterten allerdings vielfach, als die Fertigungsprozesse zunehmend nach den Prinzipien von Fordismus, Taylorismus und Sloanismus organisiert wurden. Der Stuttgarter Historiker Dr. Thomas Schuetz zeigt dies am Beispiel der Stadt Stuttgart als einem der Brennpunkte der Geschichte des Automobils.


STUTTGART II. Automobilgeschichte als Stadtgeschichte
Markus Speidel, Stuttgart

Ob Mercedes-Benz Museum, Porsche Museum, Kulturmeile, Mobilitäts-Erlebnis-Zentrum oder Rosensteintunnel: Stuttgart ringt mit dem Verkehr und dem Automobil. Beides sind zentrale Themen der Stadtgesellschaft und prägende Kräfte in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Dr. Markus Speidel, Mitarbeiter im Aufbaustab des Stadtmuseums Stuttgart, wird sich mit der Frage auseinandersetzen, wie eine Erfindung innerhalb so kurzer Zeit zu einem Grundthema der Stadt werden kann.


28.06.2011
NON-USERS. Fußgänger im Zeitalter der Massenmotorisierung
Barbara Schmucki, York

Das Auto veränderte nicht nur die Gewohnheiten der Menschen, die das neue Fahrzeug benutzten. Auch die non-users, alle, die nicht als Autofahrer auf der Straße waren, mussten mit der schnellen Maschine zurechtkommen. Die Historikerin Dr. Barbara Schmucki zeigt, dass das - besonders für die Fußgänger - nicht ganz einfach war.
Barbara Schmucki lehrt und forscht an dem von der Universität York und dem National Railway Museum gegründeten "Institute of Railway Studies and Transport History".


05.07.2011
DESIGN. Verlockungen der Formen des Automobils
Gert Schmidt, München
Wolf-Heinrich Hucho, Schondorf

Auf Straßen und Parkplätzen oder auch in "offener Landschaft" provozieren Automobile ästhetische Wahrnehmung. Aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht kann behauptet werden: Kaum ein anderes Konsumgut der Moderne ist in der Geschmacksbeurteilung vergleichbar mit dem Automobil. Dies gilt - ungeachtet aller rationalen Erwägungen - sowohl für die Anschaffungsentscheidung als auch für die Nutzung.
Prof. Dr. Gert Schmidt ist Emeritus für Soziologie an der Universität Erlangen-Nürnberg; Dr.-Ing. Wolf-Heinrich Hucho ist vielfach ausgezeichneter Spezialist auf dem Gebiet der Aerodynamik und Antriebstechnik.

 



Kontakt:

Sekretariat Abteilung für Geschichte der Naturwissenschaften und Technik, Historisches Institut, Universität Stuttgart
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