Service Gender Consulting

Unikurier Nr. 107, 1/2011

Gleiche Chancen für gleiche Forschung

Service Gender Consulting neu eingerichtet

Frauen sind an der Universität Stuttgart mit ihrem eher technisch-naturwissenschaftlich geprägten Profil vielfach unterrepräsentiert, insbesondere am oberen Ende der Karriereleiter. Um hier Chancengleichheit herzustellen und die Frauen- und Männeranteile anzugleichen, hat die Universität im Rahmen des Genderkonzepts eine Beraterin für den Service Gender Consulting eingestellt. Sie soll Wissenschaftler zukünftig zum Thema Chancengleichheit bei Forschungsanträgen unterstützen und Weiterbildungsangebote zur Entwicklung einer gendergerechten Führungskultur anbieten.

Elisabeth Appel-Kummer war jahrelang als promovierte Landschaftsplanerin in verschiedenen Forschungsprojekten an der TU Berlin und der Universität Duisburg-Essen sowie freiberuflich tätig. Die 48-Jährige weiß also aus eigener Erfahrung, wie man Forschungsanträge schreibt und Drittmittel einwirbt. Sie saß auch in verschiedenen Kommissionen, in denen es darum ging, Studiengänge weiterzuentwickeln oder Fakultäten neu zu strukturieren. „Gender hieß zwar nicht immer Gender, aber es war schon immer ein Thema“, beschreibt Appel-Kummer ihre Erfahrung mit dem vermeintlich fachfremden Gebiet. Die neue Stelle ist Teil des Genderkonzepts, das der Unisenat Ende 2009 beschlossen hat. Es enthält ein ganzes Bündel von Maßnahmen, mit denen die Uni den Anteil der Frauen auf allen Qualifikationsebenen und insbesondere in Führungspositionen erhöhen möchte.

Schon bei den ersten Überlegungen für einen Forschungsantrag können sich Wissenschaftler an Appel-Kummer wenden. „Die Initiative muss von Seiten der Forschenden ausgehen, weil ich von der Existenz eines Forschungsantrags vorher gar nichts weiß“, sagt die neue Beraterin. Die Wissenschaftler erfahren dann, wie sie in ihren Forschungsprojekten beispielsweise gezielt weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs ansprechen, rekrutieren und fördern können oder was getan werden kann, um die wissenschaftliche Tätigkeit besser mit dem Familienleben vereinbaren zu können. Gerade die DFG fordere in Anträgen an sie schlüssige Konzepte, wie diese Fragen umgesetzt werden, so Appel-Kummer. Auch in Forschungsanträgen an andere Institutionen in Deutschland oder der Europäischen Union sind diese Punkte wichtig. Die DFG beispielsweise fördert entsprechende Maßnahmen zur Chancengleichheit und Familienfreundlichkeit mit bis zu 120.000 Euro verteilt über vier Jahre. Appel-Kummer begleitet die Forschungsprojekte während ihrer gesamten Laufzeit, klärt mit den Wissenschaftler, ob die Maßnahmen wie geplant umgesetzt werden können oder was es noch zu verbessern gibt. Manchmal müssen die im Konzept oder Antrag geplanten Maßnahmen den tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden, etwa wenn eingeplante Mittel für eine Kindernotfallbetreuung nicht benötigt werden.

Ihr zweites Aufgabengebiet beschreibt Appel-Kummer so: „Den Grundgedanken der Chancengleichheit in den Köpfen der Führungspersönlichkeiten verankern“. Führungskräfte müssen mit gutem Beispiel vorangehen, um einen Wandel in den Köpfen aller Mitarbeiter herbeizuführen. Das hohe Ziel sei erreicht, wenn in alle Entscheidungen und Überlegungen stets auch Fragen zur Chancengleichheit mit einbezogen werden. Den Führungskräften an der Uni will Appel-Kummer zukünftig Weiterbildungsangebote anbieten, in denen sie ihr Wissen über Genderfragen erweitern und Strategien entwickeln können, Fragen der Chancengleichheit in ihr Führungsverständnis zu integrieren. Denn, so Appel-Kummer: „Wenn wir weiterhin Spitzenleistung erbringen wollen, müssen wir an alle guten Köpfe herankommen – Männer und Frauen“. Schon jetzt sucht die Industrie händeringend nach hochqualifizierten Fachkräften in den sogenannten MINT-Fächern – Fächer, die schwerpunktmäßig an der Uni Stuttgart angeboten werden. Mit der demografischen Entwicklung in Deutschland könnte sich die Situation noch verschärfen. Hier will auch die Universität Stuttgart alles tun, um insbesondere junge Frauen gut auf zukünftige Führungspositionen vorzubereiten.