meccanica feminale an der Universität Stuttgart

Unikurier Nr. 107, 1/2011

Frauen, Technik und die gläserne Decke

Frühjahrshochschule "meccanica feminale" erstmals in Stuttgart.

Mehr als 100 Teilnehmerinnen zählte die Frühjahrshochschule „meccanica feminale 2011“, bei der sich Studentinnen, Studieninteressierte und Fachfrauen aus Maschinenbau, Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen fünf Tage lang mit Fach-Themen sowie mit generellen Karrierefragen auseinandersetzten. Nach dem Auftakt im vergangenen Jahr in Furtwangen fand die Veranstaltung im Februar erstmals auf dem Uni-Campus Vaihingen statt.

„Warum braucht es eine solche Veranstaltung?“ Mit dieser Frage eröffnete Moderatorin Dr. Tanja Sieber vom Veranstalter „Netzwerk Frauen.Innovation.Technik Baden-Württemberg“ den Auftakt zur „meccanica feminale“ am 23. Februar. Schon während ihres Elektrotechnik-Studiums habe sie ihre Studiengang-Wahl laufend verteidigen müssen, und die Fragen zur Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Kindererziehung verfolgten sie bis heute. „Noch immer“, so Siebers Fazit, „haben wir ein Rechtfertigungsproblem von Frauen in technischen Studiengängen.“ Um Schwierigkeiten wie diesen nachhaltig zu begegnen und die Chancengleichheit für Frauen und Männer in der Praxis zu realisieren, dienten Veranstaltungen wie diese, konstatierte Ministerialrat Peter Christe vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg, das als Hauptsponsor in finanzieller wie ideeller Hinsicht fungierte. Auch in seiner Institution hätten relativ wenige Frauen gehobene Positionen inne. „Sie schauen nach oben durch die gläserne Decke, über der die Männer in den Chefsesseln sitzen, und kommen nicht durch diese hindurch“, so Christe, der das Fehlen von Rollenvorbilder als Ursache identifizierte.

„Rollenvorbilder sind in der Tat sehr wichtig“, bestätigte die promovierte Chemikerin Dr. Gabriele Hardtmann, Gleichstellungsbeauftragte der Universität Stuttgart. Jüngere Mädchen für Technik zu begeistern, scheint ein nicht allzu schwieriges Unterfangen zu sein, haben im letzten Jahr doch knapp 600 Mädchen der Klasse 5 bis 7 am Girls’ Day der Uni teilgenommen. Wichtiger, weil problematischer sei, das Interesse an Technik über die Pubertät der Mädchen hinwegzuretten, so Hardtmann. Auch heute noch kämen, wie Andrea Böhnke vom Organisationsteam der „meccanica feminale“ berichtete, auf 60 Männer nur zwei Frauen in technischen Studiengängen, und im Berufsleben seien die Männer ebenfalls stark in der Überzahl.

Von Selbstmarketing zu Systembiologie
So leide die Universität Stuttgart, immerhin eine renommierte Uni mit technischem Schwerpunkt, unter einem geringen Frauenanteil in den naturwissenschaftlich-technische Studiengängen und Fachbereichen, wie Uni-Kanzlerin Dr. Bettina Buhlmann ausführte. Vor diesem Hintergrund sei eine Veranstaltung wie die „meccanica feminale“ eine hervorragende Gelegenheit für Frauen, interessante Fachvorträge zu hören, an Praktika und Workshops teilzunehmen und Netzwerke zu bilden. Auf dem Programm der Frühjahrshochschule standen unter anderem Kurse in Systembiologie und „Musik machen mit MATLAB“, eine Vorlesung über Strömungssimulation, Seminare zu Themen wie „Frauen können alles – auch Karriere!“, „Selbstmarketing“ und „Female Leadership“ sowie ein Besuch der Sternwarte Pfaffenwald und des Mercedes-Benz-Museums. Das wichtigste Ziel der Universität, deren Rektor Prof. Wolfram Ressel „Gender“ zur Chefsache erklärt hat, ist die Ankunft des Themas „Gleichstellung“ in den Köpfen, wie Kanzlerin Buhlmann resümierte.