Professorinnen

Unikurier Nr. 105, 1/2010

Gleichstellungskonzept macht ernst -
Uni Stuttgart bei Professorinnenprogramm erfolgreich.

„Wir nehmen die Themen Gender und Diversity sehr ernst und begreifen sie als Erfolgsfaktor. Daher wollen wir den weiblichen Anteil bei Professorenstellen, Mitarbeitern und Studierenden deutlich erhöhen“, erklärte Rektor Prof. Wolfram Ressel anlässlich der Vorstellung des neuen Gleichstellungskonzepts der Universität zu Jahresbeginn. Erste Früchte trug diese Zielsetzung bei der Ausschreibung des Professorinnenprogramms des Bundes und der Länder, bei dem die Universität die Höchstförderung über fünf Jahre für drei Professorinnenstellen einwerben konnte. „Eine der Positionen haben wir ganz bewusst mit einer Professorin für Diversity Studies im Maschinenbau besetzt“, betonte Ressel.

Die Inhaberin dieses Lehrstuhls ist Prof. Meike Tilebein, die sich schwerpunktmäßig mit der Frage auseinandersetzt, wie man mit der Vielfalt in sozialen und technischen Systemen umgeht. Dahinter steht der Gedanke, Menschen mit Blick auf ihre unterschiedlichen Fähigkeiten und Potentiale zu fördern. Tilebein hat an der Uni Stuttgart Technische Kybernetik studiert und war anschließend Mitarbeiterin am Betriebswirtschaftlichen Institut. Von 2007 bis 2009 arbeitete sie als Juniorprofessorin für Innovationsmanagement an der privaten European Business School (EBS) in Oestrich-Winkel und forschte dort unter anderem über „Diversität und Innovationsfähigkeit von Teams“. „Ich freue mich, wieder nach Stuttgart zurückzukehren. Während meines Studiums habe ich den zweiprozentigen Frauenanteil in meinem Studiengang ausgemacht. Jetzt möchte ich mich dafür einsetzen, dass die Voraussetzungen für Frauen an den Hochschulen besser werden“, so Meike Tilebein.

Drei neue Professorinnen
Neben der Professur für Diversity Studies wurden zwei weitere Professuren mit Frauen besetzt: Prof. Nadja Schott hat die Professur für Sport und Gesundheitswissenschaft am Institut für Sport- und Bewegungswissenschaft der Uni Stuttgart übernommen. Ihr Schwerpunkt ist die Erforschung der motorischen und kognitiven Leistungsfähigkeit in verschiedenen Lebensaltern. Bevor sie nach Stuttgart kam, arbeitete sie als Associate Professor für Sportpsychologie und Bewegungswissenschaften an der Liverpool Hope University.

Auf die Professur für Prozessleittechnik im Maschinenbau wurde Prof. Cristina Tarin berufen. Die 37-Jährige entwickelt hier Modelle, Funktionen und Systeme, die die Integration der Informationsflüsse der Prozessleittechnik mit den Methoden der Systemdynamik verknüpfen. Zuvor leitete sie am Institut für Telekommunikation und Multimedia Anwendungen der Technischen Hochschule Valencia (UPV) die Arbeitsgruppe „Signalverarbeitung, Systemdynamik und Systemtechnik“.

Verbindlicher Rahmen
„Früher war die Gleichstellungsbeauftragte oft der einzige Motor für die Umsetzung von Gendermaßnahmen. Heute arbeitet das Rektorat mit uns zusammen – das ist ein großer Fortschritt“, erklärt Dr. Gabriele Hardtmann, die Gleichstellungsbeauftragte der Uni. Zudem habe der Senat im November 2009 ein Genderkonzept mit dem Titel „Qualität durch Chancengleichheit – Gleichstellungsmanagement als Erfolgsfaktor“ beschlossen, das der Frauenförderung einen verbindlichen Rahmen gebe. „Mit dem Genderkonzept soll zum einen eine Erhöhung des Professorinnenanteils vorangetrieben und zum anderen eine nachhaltige Nachwuchsförderung gewährleistet werden“, erläutert Gabriele Hardtmann. So hätten sich alle zehn Fakultäten konkrete Ziele gesetzt, wie der Frauenanteil erhöht werden könne. Fakultätsübergreifende Maßnahmen seien die Bereitstellung von Kindergarten- und Tagesstättenplätzen sowie Hilfe bei der Vermittlung einer In-House-Betreuung der Kinder in der eigenen Wohnung.

Teilzeitstudiengänge geplant
„Um die Arbeitsbedingungen für Frauen mit Kindern an der Universität Stuttgart zu erleichtern, planen wir derzeit Teilzeitstudiengänge sowie eine vermehrte Einführung flexibler Arbeitszeiten“, erklärt Rektor Wolfram Ressel. Meike Tilebein, die bereits während des Studiums Mutter wurde, konnte nicht auf solche Angebote zurückgreifen: „Mein Studium hat sich durch die Kinder auf jeden Fall verzögert. Das war nicht einfach unter einen Hut zu bringen. Glücklicherweise hatte ich während meiner Promotion einen sehr guten Doktorvater, der es mir möglich gemacht hat, jeden Abend um 18 Uhr zu Hause zu sein.“