Faszientraining - was ist das und wie funktioniert's?

Wissenswertes über Faszien

Faszien durchziehen als Bindegewebe unseren gesamten Körper, umhüllen Organe und geben dem Körper seine innere Struktur und seine äußere Form. Lange Zeit wurden Faszien nur als relativ unbedeutendes Füllmaterial betrachtet – mittlerweile kennt die Wissenschaft jedoch zahlreiche wichtige Funktionen des Gewebes. Als lebendiges Gewebe reichen Faszien mit einer Vielzahl von Nervenenden und Bewegungssensoren bis in die kleinsten Bereiche unseres Körpers.
Folgende wichtige Aufgaben werden von den Faszien übernommen:

• Mechanische und statische Funktionen im Körper:
Strukturgebung, Körperform, Bewegungsabläufe, Spannung in den Muskeln, Schutz der Organe durch Umhüllung oder Polsterung

• Kommunikation und Versorgung im Körper:
Weiterleitung von Reizen und Informationen, Zellstoffwechsel, Versorgung der Organe, Körperwahrnehmung



Faszienlinien

Die neuen Ergebnisse in der Erforschung der Faszien bestärken zunehmend die Erkenntnis, dass der Körper als Ganzes zu sehen ist: Sowohl bei der Diagnose von Beschwerden als auch bei der Behandlung oder im Training. Das Fasziennetz erstreckt sich in verschiedenen Linien über den gesamten Körper.So geht beispielsweise eine wichtige Faszienlinie vom Ansatz am Schädelknochen über die Oberfläche des Rückens bis hinunter zu den Fußunterseiten. Neben einer entsprechenden Faszienlinie an der Vorderseite des Körpers sorgen weitere sich kreuzende und symmetrische Faszienlinien für das Funktionieren komplexer Bewegungsabläufe. Auch Stabilität und Gleichgewicht sind unter anderem dem harmonischen Zusammenspiel verschiedener Faszienlinien zu verdanken.

Vor diesem Hintergrund kann gut nachvollzogen werden, warum ein ganzheitliches Training des Körpers und das gezielte Training des gesamten Fasziennetzes von so wichtiger Bedeutung ist, um Schmerzen und Beschwerden frühzeitig vorzubeugen.



Die Prinzipien des Faszientrainings

Zur Pflege unseres Fasziensystems ist regelmäßige Bewegung von sehr großer Bedeutung. Bewegungsmangel lässt Faszien verkleben und degenerieren und führt so zu Schmerzen und Beschwerden. Gründe dafür sind beispielsweise, dass die muskuläre Kraftübertragung blockiert ist, die Faszien nicht mehr geschmeidig sind und damit auch der Stoffwechsel träger wird. Denn Faszien sind ein lebendiges Gewebe, sie reagieren sensibel auf Reize und Belastungen und passen sich daran an. Gezieltes und regelmäßiges Faszientraining verändert das Gewebe langsam, aber nachhaltig.

Große Teile des Faszientrainings beruhen auf Erfahrungswerten alter und bewährter Bewegungsabläufe wie z.B. aus dem Yoga, Pilates oder Qigong. Die positive Wirkweise dieser teilweise Jahrhunderte alter Konzepte überzeugt bis heute. Im Faszienkonzept werden so alte Erfahrungswerte mit neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen gewinnbringend verbunden.



Ziele des Faszientrainings

  • höhere Leistungsfähigkeit und bessere Bewegungsabläufe durch das Lösen von Verklebungen
  • bessere Körperwahrnehmung und Körperhaltung
  • Optimierung der Feinabstimmung zwischen Muskeln und Faszien
  • verbesserte Elastizität und Koordination
  • bessere Spannkraft

  • Stärkung des Stoffwechsels
  • Optimierung der Speicher- und Transportkapazität
  • Förderung der Durchblutung und des Immunsystems

Regelmäßigkeit und Achtsamkeit sind die wichtigsten Voraussetzungen für ein wirksames Faszientraining: Trainieren Sie in Maßen aber dafür regelmäßig, um konstant Trainings-Reize zu setzen.



Kraftpause zum Thema Faszientraining

Mit der Kraftpause zum Thema Faszientraining möchten wir Ihnen zeigen, wie Sie einfach und effektiv gesundheitsfördernde Übungen in Ihren Arbeitsalltag integrieren können, und dadurch Ihr Fasziensystem trainieren und pflegen. Ohne Sportkleidung oder besondere Ausrüstung können Sie sofort loslegen – alleine oder gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen. Optimal ist ein Training 2-3 mal die Woche, doch schon mit jeder kleinen Übung zwischendurch tun Sie sich etwas Gutes. Die vorliegenden Übungen aus dem Faszien-Programm können komplett ausgeführt werden oder einzeln nach Bedarf, eine feste Reihenfolge ist nicht vorgegeben. Unser Faszientraining für den Arbeitsplatz basiert auf drei Trainingsdimensionen, die auf den Grundfunktionen der Faszien beruhen. Zu den Trainingsprinzipien Schwingen, Aktivieren und Dehnen finden Sie in der folgenden Zusammenstellung jeweils passende Übungen. Bevor es losgeht möchten wir Ihnen zu den einzelnen Dimensionen noch die wichtigsten Punkte mitgeben, die es zu beachten gilt:

Schwingen
Wichtig bei diesen Übungen ist ein guter Stand. Ansonsten gilt, möglichst locker und dynamisch vor- und zurück oder seitlich zu schwingen; gehen Sie dabei federnd tief in die Knie!

Aktivieren
Die Aktivierung geschieht durch eine Art der Selbstmassage mit einem Lacrosse-Ball. Führen Sie die Roll- oder punktuellen Druckbewegungen langsam und kontrolliert durch, suchen Sie behutsam nach schmerzhaften Punkten. Nach längerem Verweilen auf solch einem Punkt mit leichtem Druck lässt der Schmerz nach.

Dehnen
Sanftes dynamisches Nachwippen einer Dehnposition oder das langsame Haltungsdehnen – beides ist möglich. Bei beiden Varianten gilt: Achten Sie darauf, das Atmen nicht zu vergessen.