Das „Himmlische Gastmahl“

Schlangen und Kröten
(Colijn de Coter: Hölle; Wallraf-Richartz-Museum Köln)

Das „Himmlische Gastmahl“

Bei der geistlichen Rede vom „Himmlischen Gastmahl“ handelt es sich um einen wohl in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenen, versifizierten und paarweise gereimten Text, der auch unter dem insgesamt weniger geläufigen Titel "Der Tisch im Himmelreich" geführt wird. Der Text ermahnt (ausgehend von Lk. 22, 28-30) die Zuhörer in predigtartigem Duktus zu einem gottgefälligen Erdenleben, um sich den bereits in den ersten Versen des Textes geschilderten reich gedeckten Tisch Gottes im Himmel zu erwerben. Die bisher nachgewiesenen fünf Überlieferungsträger deuten nicht allein auf eine für die Gattung relativ große Beliebtheit des Textes, sondern auch auf eine gut zweihundert Jahre lange, räumlich in Rhein- und Mittelfranken sowie im mittel- und niederdeutschen Raum nachzuweisende Wirkung des ursprünglich (ausweislich der Reime) in oberdeutschem Sprachstand verfassten Werks.

Herausgegeben von Matthias Kirchhoff
in Zusammenarbeit mit Nils Brucker, Saskia Conradt, Anne Kirchhoff, Johanna Lenzner, Kathrin Löbke, Nadine Meiser