Wanderausstellung Frauen und Technik

Ausstellung "Frauen und Technik! Patente Frauen"

 

 

Foto WanderausstellungWanderausstellung

Vom 14.-28. November 2012 wurde die Wanderausstellung "Frauen und Technik! Patente Frauen" im Foyer des Rektoramtes (1. OG) am Campus Stadtmitte der Universität Stuttgart gezeigt.

Die Ausstellung wurde an der Hochschule Furtwangen in Kooperation mit dem Netzwerk "Frauen.Innovation.Technik" (F.I.T.) Baden-Württemberg konzipiert.

 

Wanderausstellung_Foto_DetailDiese Ausstellung umfasst insgesamt 11 Rollups und ermöglicht einen historischen Rückblick auf das Thema „Frauen und Technik“, indem sie die Errungenschaften, Erfindungen und Patentanmeldungen von Frauen im Bereich der Technik von 1818 bis 1977 an Beispielen vorstellt.

 

 

 

Um dies beispielhaft zu erläutern, werden vier Rollups aus der Ausstellung kurz vorgestellt:

Beispiel 1: Tortendiagramm 1850

Tortendiagramm_1850 Florence Nightingale_1820-1910

Die Italienerin Florence Nightingale (1820-1910) erfand das heute in der Wissenschaft weit verbreitete „Tortendiagramm“ zur Visualisierung von Zahlenmaterial. Mit dieser Erfindung gilt sie als Begründerin der modernen Krankenpflege. Um die Krankenpflege in Lazaretten aufbauen zu können, war es nötig, die Verantwortlichen davon zu überzeugen, dass die von ihr vorgeschlagenen Maßnahmen – insbesondere im Bereich der Hygiene - auch Wirkung zeigten. Um ihr Zahlenmaterial zu visualisieren erdachte Nightingale das Tortendiagramm, mit dem sie einzelne Einflussfaktoren hervorheben konnte. Für diese Erfindung wurde sie 1858 als erste Frau in England in die Royal Statistical Society berufen. In Forschung und Lehre wird das Tortendiagramm bei Vorträgen und Präsentationen verwendet, weil es Sachverhalte und Ergebnisse in sehr anschaulicher Weise proportional zueinander visualisieren kann. Die Ausstellung möchte an die weitgehend unbekannt gebliebene Erfinderin des Tortendiagramms erinnern.

 

Beispiel 2: Schwimmweste 1909

Reproduktion:
Originalskizze der
Schwimmweste von
Kate Jenkins

 
Reproduktion_Originalskizze der Schwimmweste von Kate Jenkins Schwimmweste_1909

Ein anderes Beispiel für den Erfindungsgeist von Frauen ist die Entwicklung der Schwimmweste durch Kate Jenkins 1909. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelten mehrere Frauen lebensrettende Evakuierungsmittel. Zwei Jahre vor dem Untergang der Titanic erfand Jenkins, die in Sydney lebte, eine Schwimmweste, die zugleich als Treibboje verwendet werden konnte und ließ sie patentieren. Die Weste bestand aus Korkplatten, die mit Messingnieten zusammengefügt und mit einem Material gefüttert waren, das den Körper warm halten sollte. Taschen vorn und hinten enthielten Luftkammern, um den Auftrieb zu gewährleisten. Auf der Brust war eine phosphorisierende Lampe befestigt. Wurde sie zur Treibboje umfunktioniert, enthielt sie zusätzlich ein Tau als Rettungsleine. Wie bei vielen anderen Entwicklungen von Frauen ist nicht belegt, ob Kate Jenkins ihr Patent erfolgreich verkaufen konnte.

 

 Beispiel 3: Paketfallschirm 1921

Paketfallschirm_1921 Käthe Paulus_1868-1935

1893 wagte Käthe Paulus (1868-1935) als erste deutsche Frau einen Fallschirmsprung. In der Folge unternahm sie über 500 Aufstiege mit ihrem Ballon vor Publikum, so dass sie als erste professionelle Berufsluftschifferin und Luftakrobatin unter dem Namen Miss Polly europaweit bekannt wurde. Da sie die Luftsprünge sicherer gestalten wollte, als dies bis dahin möglich war, entwarf sie eine spezielle Hülle für die Fallschirme. 1921 erhielt sie ein Patent für den Paketfallschirm und posthum wurden ihr hierfür zahlreiche Ehrungen zuteil.

 

Beispiel 4: Frequenzsprungverfahren 1942

Frequenzsprungverfahren_1942 Hedy Lamarr_1914-2000

Hedy Lamarr (1914-2000) die als Schauspielerin in Hollywood Berühmtheit erlangte, erfand 1942 das Frequenzsprungverfahren. Zu der Erfindung war es gekommen, als sie gemeinsam mit dem Komponisten George Antheil eines seiner Werke für 16 mechanische Klaviere synchronisieren wollten. Das Problem war mittels identischer Lochkarten in Sender und Empfänger lösbar. Die dadurch entstehenden gleichzeitigen Frequenzwechsel werden noch heute zum Beispiel bei Bluetooth-Verbindungen (der Datenübertragung zwischen Geräten über kurze Distanz per Funktechnik) angewendet. Funknetzwerke, mobiles Internet und die Kommunikation zwischen mobilen Telefonen lassen sich durch das Frequenzsprungverfahren störungsfrei- und abhörsicher machen. Praktisch jedes Smartphone, jeder Laptop und jedes Navigationssystem operieren heute auf Basis dieser Erfindung. Erst 1997 wurde Hedy Lamarr für ihre Erfindung ausgezeichnet.

Diese Beispiele aus der Wanderausstellung verdeutlichen, dass Frauen durchaus technik-affin sind und Spaß an technischen Erfindungen haben. Zugleich war die Ausstellung ein Best-Practice-Beispiel für das Thema „Gender in der Lehre“.