Geschlecht und Subjektivität im schriftstellerischen Werk der Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1510-1558)

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Abstract

Autor: Nina Johansson, Universität Stockholm

Ich bin seit März 2004 als Doktorandin im germanistischen Institut der Universität Stockholm tätig. Mein Dissertationsvorhaben zum schriftstellerischen Werk der Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg (1510-1558) – Vorläufiger Titel „Geschlecht und Subjektivität im schriftstellerischen Werk der Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg“ – versucht anhand der erzieherischen und lyrischen Texte Elisabeths zu zeigen, wie diese weibliche Regentin und Reformatorin in einer Kultur, wo die Rolle der Frau hauptsächlich von Männern definiert wurde, zum schreibenden Subjekt wird. Mit Hilfe poststrukturalistischer Theorien von Subjektivität und Geschlecht soll herausgearbeitet werden, wie Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg traditionelle Gattungen benutzt, um spezifisch weibliche Ziele zu erreichen, und wie sie normative Auffassungen von Geschlechterrollen manipuliert, um sich Autorität als Politikerin, Vermittlerin christlicher Werte und vor allem als Schriftstellerin zu verschaffen. Es soll von der Überlegung ausgegangen werden, dass Subjektivität immer im Dialog mit der Umgebung entsteht und dass Geschlecht (gender) als soziale Konstruktion zu begreifen ist. Die Untersuchung wird darauf fokussieren, wie Elisabeth in ihren Texten zeitgenössische Diskurse aufgreift, um die traditionelle Frauenrolle „performativ“ in einer Art und Weise zu zeigen, bei der Vorstellungen über Weiblichkeit und über die gesellschaftliche Stellung der Frau kritisch hinterfragt werden.

Meine Arbeit versteht sich als Beitrag zu der Suche nach einer weiblichen Stimme in der frühneuzeitlichen Literatur, ein Thema, das seit einigen Jahren in der Forschung an Bedeutung gewonnen hat. Ich möchte durch diese Untersuchung die Elisabeth-Forschung der allgemeinen Forschungslage in bezug auf Frauen und Schreiben in der Frühen Neuzeit annähern, wo die Subjektwerdung am Rande des Diskurses, die in vielen Texten von Frauen aus dieser Zeitperiode zu finden ist, hervorgehoben wird. Mein Vortrag in Bremen wird sich mit Fragestellung, Theorie und Vorgehensweise der Arbeit beschäftigen. Abschließend werden auch einige von den bisherigen Ergebnissen der Textanalyse präsentiert.

Meine Untersuchung bezieht sich auf das ganze lyrische und didaktische Werk Elisabeths. Ich werde folgendermassen sechs Texte in meiner Dissertation behandeln:

  • Ein Sendbrief an die Untertanen (1542)
  • Regierungshandbuch für den Sohn (1545)
  • Ehestandsbüchlein für die Tochter Anna Maria (1550)
  • Gebetbuch (1551)
  • Geistliche Lieder (1554-55)
  • Witwentrostbuch (1556)

Von diesen Texten sind drei schon zu den Lebzeiten Elisabeths in den Druck gegeben worden: Sendbrief, Gebetbuch und Witwentrostbuch. Das Regierungshandbuch und das Ehestandsbüchlein sind heute nur in einer neueren Ausgabe aus dem Jahr 1899 vorhanden. Die Liedersammlung ist in der Gothaer Bibliothek als Handschrift erhältlich. Sie ist aber auch Anfang des 20. Jahrhunderts in den Druck gebracht worden.