Katholizismus und christliche Kunst in Dorothea Schlegels römischen Briefen

Zurück zum Tagungsprogramm

Abstract

Contributor: Dr. Christina Ujma, Loughborough University

I would to talk about Dorothea Schlegel and her perception of Italian Catholicism. Since I would like to do my paper in German, I do my mini-abstract in German as well:

1818 faehrt Dorothea nach Rom, um sich dort ihren Soehnen Feiffel/Philip und Jonas/Johannes Veit anzuschliessen. Diese sind waren Mitglieder der Nazrener Malergruppe. An Ehemann Friedrich Schlegel, der in Wien geblieben ist, sendet sie zahlreiche Briefe, die das roemische Leben, die relioese Malergruppe der Nazarener und die italienische Praxis des Katholizismus eindringlich beschreiben und manchmal auch kritisieren. Ihre roemische Briefen fallen aus dem Rahmen der deutschen Italientradition, Dorothea Schlegel rezipiert Italien mit einer ungewöhnlichen Agenda, nicht Kunst und Landschaft, wie bei Goethe und anderen Schriftstellern, prägen die Wahrnehmung, sondern eine recht eigenwillige Mischung aus Politik, Kunst und Religion. Unorthodox ist z.B. ihre Beurteilung der Ruinen aus der Antike, die Winckelmann oder Goethe als Hauptsehenswürdigkeit galten. Die römischen Altertümer empfindet sie manchmal als heidnisch-häßlich und die alten Römer als zutiefst unsympathisch. Ihre ganze Liebe gehört den frühchristlichen Altertümern, auch wenn sie als Kunstkennerin den römischen Kunstwerken ihre Anerkennung nicht gänzlich versagen mag. Die Malerei und die Lebensform der Nazarener spielt in Dorothea Schlegels Briefen aus Rom auch eine wichtige Rolle. Paradox ist, dass die Künstler ihre spezielle Lebensform gerade unter dem Schutz der restaurativen katholischen Kirche praktizieren können. Dabei gelingt es ihnen durchaus, den Determinanten des bürgerlichen Lebens, wie Religion und Herkunft, zu entkommen und sich eine neue, gänzlich selbstgewählte Identität und eine nur ihrer Kunst verpflichtete Lebensweise zu erschaffen. Gerade für Dorothea Mendelssohn-Veit Schlegels Söhne ist dieses Konzept erfolgreich, bietet es doch einen Ausweg aus dem Außenseiter-Dasein, zu dem getaufte und nicht getaufte Juden, seien sie noch so gebildet oder erfolgreich, in Deutschland gleichermaßen gezwungen sind. Immer wieder preist Dorothea Schlegel die Freiräume, die ihr und den nazarenischen Künstlern in Rom zur Verfügung stehen. Obwohl Dorothea Schlegel eine prominente Konvertitin ist und wichtige Kontakte innerhalb der katholischen Hierachie hat, ist ihre Rezeption des roemischen Katholizismus durchaus kritisch.

In meinem Vortrag moechte ich vor allem auf Dorothea Schlegels Katholizismus-Begriff und ihre Vorstellungen von einer christ-katholischen Kunst eingehen. Mein Arbeitstitel lautet: „Katholizismus und christliche Kunst in Dorothea Schlegels roemischen Briefen“