Zwischen zwei Welten stehend sehe ich – Weibliche Begegungen mit anderen Kulturen

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Abstract

Contributor: Dr. Chung-Hi Park, Hanshin Universität Seoul

Die „Migrantenliteratur“ gehört zu einem beachtenswerten Phänomen der gegenwärtigen deutschsprachigen Literaturlandschaft. Mittlerweile erfährt sie als ein Teil der deutschen Literatur immer größere Beachtung. Die nicht unumstrittene Bezeichnung „Migrantenliteratur“ hat sich in den späten 70er Jahren herausgebildet – hauptsächlich im Zusammenhang mit dem Terminus der „Gastarbeiterliteratur“ – und befaßt sich hauptsächlich mit Gegenständen der Migrationsproblematik und -thematik.

Das Hauptanliegen dieser Arbeit besteht darin, die inter- und transkulturellen Texte weiblicher Autorinnen nichtdeutscher Herkunft in Hinsicht der kulturellen und ethnischen Gegebenheiten sowohl bezüglich der eigenen Herkunft als auch der neuen, „anderen“ Gesellschaft zu behandeln. Mit besonderem Blick auf einen Frauenalltag zwischen Diskriminierung einerseits und der Festgelegtsein in tradierten Rollen sowie Moralvostellungen andererseits soll hier die türkische Autorin Emine Sevgi Özdamar – inzwischen eine der bekanntesten AutorInnen der Migrantenliteratur mit einem vielfältigen Werk wie u. a. Karawanserei und Die Brücke vom goldenen Horn – einer Betrachtung unterzogen werden. Dabei möchte ich mich im folgenden auf 4 Punkte konzentrieren:

  • Zuerst sollen die Lebensbedingungen der weiblichen Figuren näher analysiert und dabei besonderes Augenmerk auf die gesellschaftlichen Strukturen der Ausgrenzung gesetzt werden. Dabei erlangen die religiös geprägten Symbole und Metaphern besondere Bedeutung.
  • In welchem Verhältnis steht die türkisch-deutsche Autorin zu ihrer Herkunft und speziell zum Islam? Bevor sich die Ich-Figur als Frau über ihre Geschlechterzugehörigkeit befragt, nimmt sie sich selbst zuerst einmal als Muslima wahr. Ihre Identität ist eine gelebte Vermengung der Kulturen, ein stets dynamischer Prozess von Gleichzeitigkeiten und Vielstimmigkeiten. Özdamars Figuren zeigen die Hybridität ihrer kulturellen u. ethnographischen Identität. Dies wird durch ihre sprachliche Prägung, in der türkische und deutsche Kulturkomponenten miteinander vermengt sind, noch verstärkt.
  • Welche Implikationen haben die religiösen Gebote, bzw. Verbote (der Herkunft) in der multikulturellen Industriegesellschaft Deutschlands? Welche Rolle spielt der religiöse Hintergrund bei der Identitätskonstruktion und Positionierung der Hauptgestalten? Und wie gehen sie mit ihren ursprünglichen Traditionen und Ritualen um? Das Kopftuch stellt sicherlich ein kulturelles Emblem für das Fremdsein dar, und Özdamar hinterfragt dessen Signifikanz (und der des Korans) als Instrument und Indiz weiblicher Unterdrückung.
  • Özdamar zeigt, wie sich die Ich-Figur in einer von kultureller Entfremdung und religiöser Entwurzelung geprägten Umgebung einerseits sowie gegenüber einer strikt von Männern dominierten Gesellschaft ihres Herkunftslandes andererseits zu behaupten versucht, nachdem sie in ihrem zeitweise ‚gelobten Gastland‘ ihre Identität als Muslima und Sultanin verloren hat.