Tempeltänzerinnen – Religion und Moderner Tanz in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts

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Abstract

Contributor: Dr. Cornelia Lund, Universität Stuttgart

Mit der Abkehr vom romantischen Ballett des 19. Jahrhunderts und der Entstehung des Modernen Tanzes zu Beginn des 20. Jahrhunderts beginnt eine Suche nach neuen Inspirationsquellen jenseits von „La Sylphide“ und „Schwanensee“. Viele Vertreterinnen des Ausdruckstanzes oder anderer moderner Tanzformen, besonders auch in Deutschland, wenden ihr Interesse archaischen oder außereuropäischen Religionen, deren Ritualen und Darstellungsformen zu. Isadora Duncan versucht, der griechischen Götterwelt und den mit ihr verbundenen Ritualen nachzuspüren und sie in tänzerische Ausdrucksformen zu fassen; Ruth St. Denis nimmt in ihren Choreographien Bezug auf den indischen Tempeltanz; Mary Wigmans Choreographien stellen Verbindungen zu magischen Ritualen her. Eine erste Frage könnte hierbei nun sein, ob eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den jeweiligen Religionen stattfindet, oder ob religiöse Ausdrucksformen lediglich als Darstellungsvehikel benutzt werden – etwa um exotistische Vorstellungen von der Präsentation weiblicher Tänzerinnen zu bedienen.

Ein Text von Hugo von Hofmannsthal über Auftritte von Ruth St. Denis‘ in Deutschland scheint eine solche Sichtweise zumindest in ihrem Fall nahezulegen, ihre Darbietung wird als eine erotisch-exotistische beschrieben. Doch lässt sie sich tatsächlich darauf reduzieren? Dieser Frage soll unter anderem anhand von filmischen Umsetzungen ihrer Choreographien nachgegangen werden, auch im Vergleich mit tänzerisch-filmischen Verarbeitungen religiöser Thematiken etwa bei Maya Deren.