Das Spiegelbild der weiblichen Spiritualität. Präsenz und Verdrängung von Frauen in den Bildern des Reformationszeitalters

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Abstract

Contributor: Jutta Jahn, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

Die bildende Kunst des Reformationszeitalters ist schon vielfach betrachtet worden. In der Regel erfolgte die Akzentsetzung auf die veränderten Bildinhalte und auf neue formale Lösungen, die in der theologischen Auseinandersetzung der konfessionellen Lager entwickelt wurden.

Weniger wichtig war die Frage nach Präsenz und Verdrängung von Frauendarstellungen in den Bildern dieser Zeit bei gleichzeitiger Akzentverschiebung vom Spirituellen und Religiösen ins Profane.

Dies Problem soll hier in einer Skizze vorgestellt werden und an Bildbeispielen – Werken der Cranachschule sowie an grafischen Blättern bzw. Flugschriften behandelt werden.

Sehen wir auf die religiöse Malerei zu Beginn des 16. Jahrhunderts, so zeigen die Darstellungen eine Fülle weiblicher Figuren und Heiliger Frauen, die in das szenische Geschehen der Heiligen Handlungen einbezogen sind oder gar deren Zentrum bilden, was typisch für die Kunst vor der Reformation ist; und ihre Zeitgenossinnen haben dadurch die Möglichkeit, sich in den dargestellten Frauen gespiegelt zu finden.

Das Bildmaterial zeigt:

Frauen, dargestellt als Heilige oder Teilnehmende in biblischen Zusammenhängen haben ihr selbstverständliches Dasein, Dabeisein, das aus der gegenwartsadäquaten Spiegelung ihrer Lebenszusammenhänge erwächst. Ob außer Haus oder im häuslichen Bereich, die Lebenswelt und der spirituelle Zugang dieser Frauen sind im biblischen Kontext und den Heiligenlegenden bildwirksam und bildwürdig.

Druckgrafische Blätter und Flugblätter und auch neue Bildtypen der Reformation nehmen Bezug auf spirituelles und religiöses Engagement der Frauen im Zusammenhang mit den Glaubensauseinandersetzungen der Zeit.

Spätestens nach der Mitte des Jahrhunderts wandelt sich der Einbezug von Frauen bildhafte Zeuginnen und eigenbestimmte Vertreterinnen ihres Glaubensverständnisses und Darstellungen von Frauen werden als Bilder tätiger Glaubensverantwortung nicht mehr formuliert.

In den Bildern tritt anstelle einer idealisierten Lebenswirklichkeit als „Vorbild“ für weibliches Christsein eine pädagogisierende Rollenzuweisung mit klarem Subordinationsauftrag an die Frauen.

Die Entwicklung der Bildmotive wird hier nur für den protestantischen, speziell den lutherischen Bereich, untersucht.