Annette Kolbs Übersetzung der Briefe der heiligen Catarina von Siena

Zurück zum Tagungsprogramm

Abstract

Contributor: Dr. Annette Bühler-Dietrich, Universität Stuttgart

Mit Annette Kolbs Übersetzung einiger Briefe der heiligen Catharina, die sie durch einen einleitenden Essay begleitet, liegt eine Begegnung zweier frommer Frauen vor, die es zu analysieren gilt. Kolbs Publikation von 1906 werde ich dazu hinsichtlich des von Catharina von Siena geschaffenen Bildes sowie im Kontext des Reformkatholizismus und des Modernismusstreites untersuchen.

In ihrem Essay wie in der Auswahl der Briefe Catharinas bemüht sich Kolb um ein Bild der Heiligen, das diese zugleich heranrückt und historisch distanziert. Wenngleich sie darin nicht den historisch-kritischen Studien R. Fawtiers vorausgreift, lässt sich für ihre Betrachtungsweise der Einfluss des Kirchenhistorikers Monseigneur Duchesne vermuten.

In ihren Essays zu Catharina wie zu Duchesne äußert Kolb eine religiöse Haltung, die auch in ihren Romanen thematisch wird. In der Fokussierung auf weibliche Protagonisten wie Daphne Herbst (Daphne Herbst, 1928) oder Mariclée (Das Exemplar, 1913) wird hier Frömmigkeit zum genderspezifischen Problem. Angesichts der differenzierten Kritik an Frömmigkeit, die Kolb in ihren Romanen übt, lässt sich die Vorbildfunktion ausmachen, die Kolb den Lehren Catharinas für wahre Frömmigkeit zuschreibt. Dass diese Übersetzung 1919 neu aufgelegt wurde, deutet zusammen mit dem kritischen Werk Fawtiers auf eine anhaltende Bedeutsamkeit dieser Heiligen hin.