Historischer Interesse und Geschichtsschreibung in Münchner Frauenklöstern der Frühneuzeit

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Abstract

Contributor: Dr. Stefan Benz, Universität Bayreuth

Gehört schon das religiöse Motiv zu den beschwiegensten Aspekten der Geschichtskultur und erst recht der Historiographiegeschichtsschreibung, gilt dies erst recht, wenn es um Geschichtsschreibung für fromme und von frommen Frauen geht. Daher ist wenig bekannt, dass ab um 1680 in München geradezu eine Blüte der Historiographie über Frauenklöster zu beobachten ist. Dabei handelt es sich, was schon an sich selten ist, überdies um gedruckte Arbeiten, für die zumindest teilweise explizit weibliche Autorenschaft angenommen werden darf. Sind in der Frühneuzeit schon im protestantischen Bereich Historikerinnen eher selten anzutreffen, so gilt dies erst recht für den Bereich der katholischen Kultur in Deutschland, obwohl dort Frauen als Thema der Historiographie wiederum weit überrepräsentiert sind – sicher eine säkulare Folge des Marienkults. Jene Beobachtung und diese Diskrepanz sind nicht nur Folgen der mangelhaften Rezeption, sondern haben auch Ursachen, die in der Geschichtstheorie der Zeit selbst liegen. Umso spannender muss es sein, die Fremd- und Selbstkonstrukte Münchner Nonnen um 1700 im Spiegel ihrer Historiographie zu analysieren: Frömmigkeitspraxis, Stadtbewusstsein, dynastisches Prinzip, höfische Repräsentation mögen hierbei einen Rahmen abstecken, in dem sich das Geschichtsbewusstsein frommer Münchnerinnen bewegt. Dies soll dann in den Kontext der Wissenschaftspraxis eingeordnet werden, um ggf. Genderspezifika erkennen zu können.

Der Vortrag würde sich auf die genannten Druckwerke und auf Korrespondenzen und Akten in Wien (Haus-, Hof- und Staatsarchiv) und München stützen. Ausgewiesen bin ich für dieses Thema durch meine Arbeit „Zwischen Tradition und Kritik“, die sich mit der Geschichtsschreibung im katholischen Teil des frühneuzeitlichen Heiligen Römischen Reichs befasst und die den hier vorgeschlagenen Aspekt aber weitgehend unberührt lässt.