Das Monster kehrt zurück. Golemfiguren bei jüdischen Autoren der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

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Kurzfassung

Autor: Cathy Gelbin, Manchester

Ausgehend von geschlechtsspezifischen Aspekten der Golemfigur seit ihrem literarischen Auftreten in der deutschsprachigen Literatur des 19. Jahrhunderts, befasst sich mein Beitrag mit Golemfiguren in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur.

Beginnend mit den Werken christlicher Autoren wie Achim von Arnim und E.T.A. Hoffmann, fungierte das Golemmotiv in der Moderne oftmals als Symbol für eine negativ gezeichnete jüdische Partikularität. Nach 1945 allerdings postulierten eine Reihe jüdischer Autoren und Autorinnen den Golem als eine spezifisch jüdische Figur, um der Ermordung der europäischen Juden zu gedenken (Friedrich Torberg, Golems Wiederkehr; Nelly Sachs, In den Wohnungen des Todes). Seit den 90er Jahren wiederum griff eine Reihe von jüdischen Autoren und Autorinnen in Deutschland und Österreich dieses Motiv auf, um das Hervortreten einer neuen europäisch-jüdischer Kultur zu markieren.

Anhand von Esther Dischereits Gedichtband als mir mein golem öffnete sowie den Romanen Benjamin Steins Das Alphabet des Juda Liva und Doron Rabinovicis Auf der Suche nach M.untersucht mein Beitrag die Wechselwirkungen zwischen der Golemtrope der Vorkriegszeit und ihrer Wiederaneignung durch jüdische Autoren der Gegenwart, um die neuen Parameter des Spannungsfeldes zwischen jüdischer Selbst- und Fremdwahrnehmung in ihrer Geschlechterspezifik zu erkunden. Mein Beitrag situiert sich innerhalb einer breiter angelegten Untersuchung des Golemmotivs in der europäischen Gegenwartsliteratur und seiner Relevanz für die gewandelten Entwürfe nationaler und kultureller Identitätsvorstellungen seit 1989.