Geschlechterforschung in der universitären Lehre in Österreich – Versuch einer Bestandsaufnahme.

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Autor: Dr. Julia Neissl, Salzburg

Gesetzliche Voraussetzungen

Mit der Novellierung der Studienpläne in Österreich, gesetzlich verankert im Universitätsstudiengesetz 1997, wurde für Wissenschafterinnen und Studierende an den Universitäten die Voraussetzung geschaffen, hinsichtlich der Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung in den Studienplänen sowohl eine juridische Argumentationsstütze als auch eine damit befasste Abteilung im Bundesministerium hinter sich zu wissen, die diese Pläne soweit als möglich unterstützen. Sowohl im Universitätsstudiengesetz als auch in den Frauenförderplänen der Universitäten und den damit verbundenen Festschreibungen in den Satzungen sind nicht nur die Gleichbehandlung von Frauen und Männern sondern auch die die Gleichwertigkeit der Frauen- und Geschlechterforschung mit anderen Forschungsbereichen festgelegt. (UniSTG 1997 §3 Abs 7) Es heißt:

„Der Grundsatz der Gleichbehandlung von Frauen und Männern sowie der Gleichwertigkeit der Frauen- und Geschlechterforschung mit anderen Forschungsbereichen soll auch eine Argumentationshilfe für die Verankerung frauen- bzw. geschlechterbezogener Inhalte in den Studienplänen bilden. Dies erscheint in Anbetracht der vielerorts noch deutlich vorhandenen Abwehrhaltung und strukturellen Diskriminierung gegenüber diesen Fachbereichen dringend erforderlich.“ (UniStG 1997, §3, Ergänzung 14)

So ist beispielsweise in der Satzung der Paris-Lodron-Universität Salzburg gemäß UOG 1993 (Anlage 3a der Satzung) in ihren leitenden Grundsätzen die „Förderung und verstärkte Integration der Frauenforschung und der Gender Studies“ explizit festgehalten. Daraus folgt die Herausforderung zur konsequenten Verankerung dieser Inhalte im Rahmen einer innovativen Studiengestaltung. Wichtig für die Gremien, die sich die Realisierung dieser Vorgaben zum Ziel gesetzt haben, ist dabei jedoch auch die jeweilige Verankerung im Budget der Universitäten.

Österreichische Modelle

Durch das Prinzip der zunehmenden Autonomie an den österreichischen Universitäten wurden durch die jeweilige (Nicht-)Verankerung in den Satzungen und Frauenförderplänen der Universitäten unterschiedliche Voraussetzungen für die Implementierung der Frauen- und Geschlechterforschung geschaffen. Im Wesentlichen können drei Modelle unterschieden werden:

  1. Es gibt keine explizite Verankerung in den Fächern, allenfalls Zielformulierungen im Qualifikationsprofil oder in den Bildungsprinzipien und gegebenenfalls eine Empfehlung in den freien Wahlfächern;
  2. Die Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung als Pflicht- oder Wahlpflichtfach (im „Hauptstudium“), z.T. zusätzliche Empfehlungen für die Wahlfächer;
  3. Ein organisiertes Angebot im Rahmen der freien Wahlfächer: „Wahlfachstudiengang“ oder Schwerpunkt „Module“.

In der genannten Reihenfolge kann von einer Steigerung sowohl der Möglichkeiten für Studierende als auch für Lehrende in Hinsicht auf eine fixe Verankerung der Frauen- und Geschlechterforschung an österreichischen Universitäten gesprochen werden. In der Bewertung der drei Modelle sind die Faktoren finanzielle Absicherung, Umfang und Frequenz des Angebots, Anforderungen bzw. Chancen für die Lehrenden, Anforderung an die Infrastruktur sowie gesellschaftspolitische Relevanz im Sinne von Frauenförderung und Herstellung von Geschlechterdemokratie und Arbeitsmarktrelevanz zu berücksichtigen.

Für das erste Modell – also keine explizite Verankerung in den Fächern – gibt es leider sehr viele Beispiele, insbesondere aus den Naturwissenschaften, den technischen und juridischen Fakultäten, da sie im Zuge der Überlegungen eher als „Blockierer“ angesehen werden müssen, werde ich darauf nicht näher eingehen.

Die Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung im Pflichtfachbereich wird v.a. an den Universitäten Graz und Wien massiv vorangetrieben. Es zeigt sich hier deutlich, dass an diesen beiden Universitätsstandorten bereits seit mehreren Jahren Koordinationsstellen für Frauen- und Geschlechterforschung und Frauenförderung existieren, die in der Phase der Umorientierung gezielte Beratungs- und Kooperationspartnerinnen zwischen Studierenden, Lehrenden und Zuständigen im Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kunst sind.

Während sich in Graz der wissenschaftliche Beirat nur auf die Forderung von mindestens zwei Wochenstunden in allen Studienplänen (egal ob Pflicht- oder Wahlfach) einigen konnte, sind die Vorgaben in Wien wesentlich differenzierter. Als wichtige Platzierungen für die Frauen- und Geschlechterforschung in den Studienplänen werden

  • die Aufnahme in das Qualifikationsprofil bzw. die Zielvorgaben
  • die Verankerung als Prüfungsfach im 1. Studienabschnitt
  • die Verankerung als Prüfungsfach in mehreren Modulen im 2. Studienabschnitt
  • ein empfohlener Schwerpunkt im freien Wahlfächerbereich
  • sowie die Aufnahme als Pflichtfach in den Studienplänen für das Lehramt angeführt. (Ernst 2001, 15)

An beiden Universitätsstandorten werden die neu ausgearbeiteten Studienpläne in der Koordinationsstelle überprüft und in Rücksprache mit dem Ministerium hinsichtlich der Einbindung von Frauen- und Geschlechterforschung beurteilt. Der Prozess der Umstrukturierungen ist noch nicht abgeschlossen, insofern ist noch nicht endgültig abzusehen, ob die Pläne in der gewünschten Form realisiert werden können. Deutlich wird jedoch jetzt schon, dass die Wiener Universität in den Pflicht- und Wahlbereich einzelner Studienrichtungen die Frauen- und Geschlechterforschung wesentlich stärker aufgenommen hat, was jedoch auch mit dem bereits bestehenden Umfang des Angebots sowie vorhandenen Wissenschafterinnen auf allen Hierarchieebenen zusammenhängt, die das Projekt fördern.

Kleinere Universitäten wie Klagenfurt oder Salzburg haben sowohl hinsichtlich personeller als auch finanzieller und ideeller Ressourcen eine wesentlich kleinere Basis, auf der sie aufbauen können. Ich werde nun auf die spezielle Situation in Salzburg eingehen.

Salzburg: gendup – Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung

Die Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung hat an der Universität Salzburg eine lange und – bezogen auf die Geistes- und Sozialwissenschaften – auch erfolgreiche Geschichte: Bereits seit 1976 werden an der Universität Salzburg frauenspezifische Lehrveranstaltungen angeboten, in größerer Regelmäßigkeit und Vielzahl seit der Installierung des ministeriellen „Frauentopfes“ (Sonderkontingent für frauenspezifische Lehre). Diese hatten oftmals interdisziplinären Charakter und wurden auch als mehrsemestrige Projektstudien durchgeführt.

An der Universität Salzburg fanden bisher sechs interdisziplinär ausgerichtete Frauen-Ringvorlesungen statt: Zeitgleich mit der Universität Graz gab es in Salzburg im WS 1986/87 die erste Frauenringvorlesung zum Thema „Frauenbilder – Frauenrollen –Frauenforschung“. Die aktuelle 7. Frauen-Ringvorlesung „Gender Studies: Denkachsen und Perspektiven der Geschlechterforschung“ läuft im kommenden WS (2001/2002). Darüber hinaus wurden in Salzburg internationale Tagungen zur Frauen- und Geschlechterthematik abgehalten, sowie eine der ersten österreichweiten Wissenschafterinnentagungen organisiert.

Im SS 2001 wurde mit Univ. Prof. Dr. Christina Thürmer-Rohr (Berlin) erstmals eine Gastprofessur für Frauen- und Geschlechterforschung an der geisteswissenschaftlichen Fakultät (angesiedelt am Institut für Politikwissenschaft) durchgeführt. Eine beachtliche Reihe von Forschungsprojekten, Dissertationen, Diplomarbeiten und Publikationen zeugt vom lebendigen Engagement seitens Forschender, Lehrender und Studierender der Universität Salzburg im Bereich der Frauen- und Geschlechterthematik.

Vor dem Hintergrund dieser Voraussetzungen wurde die Einrichtung eines Zentrums in Salzburg, das diese und weitere Aktivitäten an zentraler Stelle organisiert, koordiniert und bewirbt, dringend notwendig. Salzburg ist in Österreich der vorletzte Universitätsstandort, der eine solche Koordinationsstelle erhält. Aktueller Anlass für die breite ministerielle und auch inneruniversitäre Unterstützung ist jedoch sicherlich der Umbruchprozess, der mit der Vollautonomie der Universitäten und den Studienplanreformierungen in Gang gesetzt wurde. Die im Rahmen des Universitätsstudiengesetzes eröffneten Möglichkeiten zur Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung in den neuen Studienplänen, und die an der Universität Salzburg in diesem Zusammenhang bereits erarbeitete Konzeption eines interdisziplinären Studienschwerpunktes im Rahmen der freien Wahlfächer „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“ machten die Forderung nach einem koordinierenden Zentrum umso dringlicher; seine Einrichtung war organisatorische Voraussetzung für die Realisierung dieses innovativen Studienprojekts.

Der neue Studienschwerpunkt erhält über diese Einrichtung eine organisatorische Anbindung, eine fixe Planungsstrukur und eine verbindende Informationsstelle. Die Konzeption eines interuniversitären und interfakultären Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung sowie Frauenförderung entspricht – durch seine Institutsungebundenheit und Vernetzung mit ähnlichen Einrichtungen im In- und Ausland – sowohl dem transdisziplinären und interfakultären Charakter des Studiengangs, wie auch der Kooperationsabsicht mit vergleichbaren Studienrealitäten in Europa und darüber hinaus. Die durch das Universitätsstudiengesetz (§3 Abs.7) forcierte Verankerung von Frauen- und Geschlechterforschung in den neuen Studienplänen lässt auf weitere Initiativen hoffen, welche durch das Zentrum eine entscheidende Unterstützung und auf Synergie setzende Vernetzung erfahren können.

Im Juni 2001 konnten die Mitarbeiterinnen des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung der Universität Salzburg zu arbeiten beginnen (zwei wissenschaftliche Mitarbeiterinnen, eine Sekretärin; je 20 Wochenstunden). Das Projekt wird aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und dem Bundesministerium finanziert; offizieller Projektnehmer ist der Rektor der Universität Salzburg. Projektdauer ist drei Jahre.

Die Hauptaufgabe des Zentrums für Frauen- und Geschlechterforschung sowie Frauenförderung wird die Umsetzung und Koordination des Studienschwerpunkts im Rahmen der freien Wahlfächer „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“ unter Berücksichtigung bereits bestehender Strukturen an einzelnen Instituten sein, wobei eine kontinuierliche Planung gewährleistet werden soll und Synergieeffekte sinnvoll erzielt werden können. (Beratung, Netzwerkaufbau)

Curriculum

Der Schwerpunkt „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“ ist als interdisziplinäres Programm konzipiert, das an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg verankert und für Studierende aller Fakultäten offen ist. Sein wissenschaftlicher Ausgangspunkt ist jene die Forschung seit mehr als zwei Jahrzehnten prägende Erkenntnis, dass die Ordnung der Geschlechter eine der grundlegenden gesellschaftlichen Organsationsformen darstellt. Seine inhaltliche Zielrichtung liegt demnach in der Vermittlung der Gender-Perspektive als erkenntnisleitender Blickweise auf gesellschaftliche Praxen in Vergangenheit und Gegenwart bzw. bei deren theoretischer und empirischer wissenschaftlicher Analyse. Durch das Aufsuchen von Schnittstellen zwischen Theorie und Praxis wird ein Austausch zwischen universitärer Ausbildung und öffentlichen Arbeitsfeldern angestrebt und damit ein möglichst breiter Transfer der Schlüsselqualifikation Gender-Sensibilität sichergestellt.

Struktur und Organisation des Schwerpunkts

Der Schwerpunkt „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“ besteht aus zwei 8-stündigen Modulen, die aufeinander aufbauen (Anlage 1):

Modul I: Schwerpunkt „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“ Einführung
Modul II: Schwerpunkt „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“
Ergänzung
Die verpflichtende Absolvierung einer einführenden Lehrveranstaltung soll ein gemeinsames Ausgangsniveau der Studierenden garantieren. Ihre Inhalte sind die Sensibilisierung für die Erkenntnisperspektive „Geschlecht“ sowie eine erste Auseinandersetzung mit den vielfältigen Ansätzen der Frauen- und Geschlechterforschung, ihrer Geschichte, ihrer Internationalität und Interdisziplinarität, ihren Fragestellungen, Theorien, Methoden und Ergebnissen. Ein diesbezüglicher Empfehlungskatalog für Lehrende, die diese Pflichteinführung anbieten, liegt vor (Anlage 2).

Im Modul I: Einführung ist – neben der verpflichtenden Lehrveranstaltung „Einführung in Fragestellungen, Theorien und Methoden der Frauen- und Geschlechterforschung“ – die Absolvierung eines Proseminars sowie von zusätzlichen 4 Stunden vorgesehen, die aus den Themenbereichen 2 bis 6 des Rahmencurriculums frei gewählt werden können (Anlage 3). Dabei kann die Auswahl der Themenbereiche als sinnvolle Ergänzung zum gewählten Studium (Pflichtfach) erfolgen.

Im Modul II: Vertiefung ist auf jeden Fall ein 2-stündiges Seminar zu absolvieren, dazu 6 Stunden an weiteren Lehrveranstaltungen aus dem Rahmencurriculum bzw. fakultativ ein 4-stündiges Praktikum und eine 2-stündige Lehrveranstaltung. Davon sind mindestens 2 Stunden aus den Themenbereichen „Feministische Wissenschaftsgeschichte“ oder „Theorien der Geschlechterdifferenz“ zu wählen. Gleichzeitig dürfen nicht mehr als 4 der gewählten Stunden aus nur einem Themenbereich des Rahmencurriculums beliefert werden (Beilage 3).

Das Lehrangebot ist inhaltlich interdisziplinär und interfakultär ausgerichtet. So entsteht die Möglichkeit, die Erkenntnisperspektive „Geschlecht“ quer zu den einzelnen Disziplinen zu studieren. Zusätzliche Veranstaltungen wie Ringvorlesungen, Gastvorträge oder Tagungen sollen v.a. die unterrepräsentierten Bereiche etwa der juridischen, naturwissenschaftlichen und theologischen Fakultäten ausgleichen. Eine gute Möglichkeit bietet sich hier auch durch die Gastprofessuren, da hier mehrere Lehrveranstaltungen aus einem Fachgebiet angeboten werden können, was die Argumentation für die Anrechenbarkeit in den „Problemstudienplänen“ erleichtert.

Resümee

Insgesamt zielt das Projekt „Zentrum für Frauen- und Geschlechterforschung“ auf die Bündelung und Koordinierung frauen- und genderspezifischer Unternehmungen an der Universität Salzburg, sowie auf die Stärkung der Frauen- und Geschlechterforschung in den einzelnen Disziplinen und besonders auf die Vernetzung und verstärkte Integration frauen- und genderspezifischer Perspektiven in die bestehenden Forschungs- und Lehrpraxen.

Während die Frauen- und Geschlechterforschung an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Salzburg einen gewissen, wenn auch nicht ausreichenden – von Instituts- zu Institutsrealität stark variierenden – Raum eingenommen hat, ist sie an der naturwissenschaftlichen, theologischen und juridischen Fakultät kaum repräsentiert. Studentischen Initiativen und dem Engagement einzelner Lehrender gelingt es (noch) nicht, sich durchzusetzen. Hier kommt dem Zentrum die wichtige Aufgabe zu, erste Sensibilisierungsarbeit zu leisten, entstehende Initiativen im Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung organisatorisch zu stützen und inhaltliche Impulse in Form von Öffentlichkeitsarbeit und Veranstaltungsangeboten zu setzen

Neben diverser Problembereiche wie finanzieller Absicherung der Lehre durch die Universität (Budgetkürzungen) und fehlenden Professorinnen, die das Vorhaben unterstützen könnten, darf nicht aus den Augen verloren werden, dass es sich um ein zeitlich beschränktes Projekt auf drei Jahre handelt; d.h. eine Aufbauphase wird gewährleistet, ob es gelingt, an allen Fakultäten eine annähernd gleichgestellte Sensibilisierung für das Thema zu erreichen, sei dahingestellt. Ob es eine Zukunft für das Zentrum und damit für die Institutionalisierung der Geschlechterforschung an der Universität Salzburg geben wird (und dies gilt für alle übrigen österreichischen Universitäten in ähnlicher Weise), wird v.a. an quantitativen Werten bemessen werden – sowohl seitens der Universität als auch seitens des Ministeriums. Unser Ziel ist die langfristige Übernahme der Infrastruktur durch die Universität sowie der Ausbau zu einem Bakkalauretabschluss für „Gender Studies“ – für dieses Vorhaben suchen wir auf nationaler und internationaler Ebene Kooperationspartnerinnen.

Literatur

  1. Ernst, Ulla (2001): „Verankerung der Frauen- und Geschlechterforschung in den neuen Studienplänen der Universität Wien.“ In: Die Information 2001: 13-15.
  2. Bast, Gerald/Langeder, Ewald (1997): Universitätsstudiengesetz. Wien: Manzsche Verlagsbuchhandlung.

Anlagen 1-3

Module
Modul I: Schwerpunkt „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“ Einführung (8 h)

2 h VL Einführung in Fragestellungen, Theorien und Methoden der Frauen- und Geschlechterforschung
4 h LV aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies (Rahmencurriculum, Themenbereiche 2-6)
2 h PS aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies (Rahmencurriculum, Themenbereiche 2-6)

Modul II: Schwerpunkt „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“
Ergänzung (8 h)

2 h SE aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies (Rahmencurriculum, Themenbereiche 2-6)
6 h LV aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies (Rahmencurriculum, Themenbereiche 2-6)

oder

2 h SE aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies (Rahmencurriculum, Themenbereiche 2-6)
2 h LV aus dem Bereich der Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies (Rahmencurriculum, Themenbereiche 2-6)
4 h Praktikum ein zweimonatiges einschlägiges Praktikum in Institutionen unter dem Blickwinkel der Gender Studies oder in Berufsfeldern des privaten, halböffentlichen bzw. öffentlichen Bereichs, die sich professionell mit frauenspezifischen Themen, Fragen und Problemen auseinandersetzen

Von den 8 Semesterwochenstunden sind mindestens 2 Stunden aus dem Themenbereich „Feministische Wissenschaftsgeschichte“ oder „Theorien der Geschlechterdifferenz“ zu wählen. Gleichzeitig dürfen nicht mehr als 4 der gewählten Stunden aus nur einem Themenbereich des Rahmencurriculums beliefert werden.

Empfehlungskatalog für die einführende Lehrveranstaltung in „Frauen- und Geschlechterforschung: Gender Studies“

Vortragende, welche die „Einführung in Fragestellungen, Theorien und Methoden der Frauen- und Geschlechterforschung“ anbieten, sollten – im Sinne eines gemeinsamen Ausgangsniveaus für spätere und zum Teil darauf aufbauende Lehr­veranstaltungen – folgende Aspekte berücksichtigen bzw. in ihr Konzept einfließen lassen.

  1. Auseinandersetzung mit der Erfahrungs- und Analysekategorie „Geschlecht“
    • Thematisierung grundsätzlicher – individueller und gesellschaftlicher – Ebenen, über die sich „Geschlecht“ realisiert (Identität, Rollenzuweisung, Normen/Werte, Strukturen, symbolische Ordnungen; Arbeit, Sexualität, Körper, Macht, usw.)
    • Wissenschaftstheoretische Ausdifferenzierung von „Geschlecht“ als Kategorie der Analy-se (Naturkategorie vs. kulturelles und historisches Konstrukt, Sex/Gender, Geschlecht als Diskurs, „Gender Performance“, usw.)
    • Sensibilisierung für das Thema in Wissenschaft und Alltag
  2. Geschichte des geschlechterorientierten Erkenntnisblicks und seine Zugänge
    • Frauenforschung
    • Feministische Studien
    • Geschlechterforschung/Gender Studies
    • Männerforschung
    • Lesbian Studies, Gay Studies, Queer Studies
  3. Auseinandersetzung mit „Geschlecht und Macht“
    • Geschichte der Frauenbewegung
    • Asymmetrien der Geschlechterrollen
    • Gesellschaftspolitische Konsequenzen
  4. Inhaltliche und methodisch-didaktische Leitkriterien
    • Interdisziplinärer Blick und Orientierung an den TeilnehmerInnen
    • Aktualität, bei gleichzeitiger Thematisierung der historischen Dimension
    • Bereitschaft, Schnittstellen zwischen Theorie und Praxis aufzusuchen

Rahmencurriculum

  1. Einführung in Fragestellungen, Theorien und Methoden der Frauen- und Geschlechterforschung
  2. Feministische Wissenschaftsgeschichte
    • Feministische Wissenschaftskritik: Konstruktion, Dekonstruktion und Rekonstruktion von Geschlecht
    • Wissenschaftstheorie aus feministischer Denkperspektive
    • Hauptfragen und Probleme der Frauen- und Geschlechterforschung in den verschiedenen Disziplinen der Naturwissenschaften, der Theologie, der Geistes-, Sozial- und Rechts-wissenschaften
    • Methoden der Frauen- und Geschlechterforschung in den einzelnen Disziplinen
  3. Theorien der Geschlechterdifferenz in den Disziplinen der Geistes- und Sozialwis-senschaften, der Theologie, der Naturwissenschaften sowie der Psychoanalyse
  4. Geschichte und Gegenwart der Frauenbewegung/en
    • Konzepte, Positionen, nationale und internationale Diskurse der Frauenbewegung
    • Politik und Praxis der Frauenbewegung/en
    • Gender und Ethik
  5. Konzeptionen von Geschlecht in sozialen und kulturellen Kontexten
    • Geschlechtsspezifische Sozialisation, Geschlechterrollen und Lebensformen – weibliche und männliche Ich-Entwürfe, Identitäten
    • Geschlecht und Körper: Natur-Kultur-Körper, Identität-Subjekt-Körper, Körper und Geschlechterdifferenz, Körper und Repräsentation, historische Inszenierungen des Körpers, usw.
    • Geschlechterverhältnisse in kulturellen Symbolisierungsformen (Literatur, Film, Kunst, Musik, Neue Medien, etc.), kulturelle Imaginationen und Konzeptionen des Weiblichen und Männlichen: u.a. Stoffe/Motive/Themen, Geschlecht und Genre, Kanonbildung und Wertung, institutionelle Literatur- und Kunstvermittlung, weibliche/männliche Ästhetik
    • Politik der Benennungen, Sprache, Repräsentation
  6. Die lebensweltliche und strukturelle Dimension von Geschlecht
    • Geschlechtsspezifische Lebensstile und Alltagskulturen, weibliche/männliche Lebens-zusammenhänge im interkulturellen und historischen Vergleich, Reproduktion und Geschlechterrollen, Arbeit und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
    • Macht und Geschlecht in Produktion und Reproduktion, im öffentlichen Raum, in Politik, Ökonomie und Recht, in den Institutionen des Wissens und der Ausbildung, den Kirchen bzw. Religionsgemeinschaften, den Medien, etc. sowie in gesellschaftlichen Praxisfeldern wie Technologie, Ökologie, Medizin, Psychotherapie, Kommunikation etc.
    • Geschlechterbeziehungen und Gewalt, sexuelle Gewalt in Krieg und Frieden
    • Geschlechterverhältnisse als Herrschaftsverhältnisse: „Rasse“/Ethnizität, Klasse, Geschlecht – Rassismus/Ethnozentrismus, soziale Diskriminierung, Sexismus/ Heterozentrismus