Pfingstradtour 1998 zum Kloster Neresheim

Pfingstsamstag: von Stuttgart nach Aalen
Start:    09.00 Uhr am ESG-Stammsitz
Ende:     19.00 Uhr an der Jugendherberge Aalen
Strecke:  90 km
Schnitt:  16,5 km/h

Trotz der angedrohten Gesamtfahrstrecke von über 200 km hatten sich 13 Unerbittliche angemeldet. Mitgefahren sind jedoch nur 11 Personen, aber hier lagen persönliche Gründe vor.

Der geplante Start um 9.00 Uhr am Stammsitz der Stuttgarter ESG verzögerte sich leicht, so daß wir uns etwa eine halbe Stunde später in Bewegung setzten. Gerhard, der in Bad Cannstatt zu uns stoßen wollte, wartete mit Engelsgeduld und wunderte sich kaum. Der Aufstieg zum Fuß des Fellbacher Hausberges - Kappelberg - verlief völlig unspektakulär, die erste kurze Rast für ein zweites Frühstück wurde von einem Froschkonzert umrahmt. Da nach einer Fahrt zum Streckeerkunden bereits bekannt war, wie wir bis Grunbach im Remstal fahren können, ging es auch ohne Probleme weiter. Von Problemen in Form von Stürzen oder Pannen sind wir übrigens während der gesamten Tour verschont geblieben.

Im Remstal ging es gemütlich weiter. Jetzt konnten wir auch abschätzen, wo wir unsere leicht verspätete Mittagspause einlegen können - im Kloster Lorch. Im Ort fand sich um 13 Uhr noch ein geöffneter Supermarkt, der uns zum Auffrischen der Vorräte diente. Nun konnten wir uns einer ausgiebigen Pause im Klostergelände hingeben. Uns noch über die auffallend vielen gutgekleideten Menschen wundernd erschien auch schon das Brautpaar. Diesen Punkt hatten wir nicht geplant, fanden ihn aber gerade deshalb sehr gelungen.

Weiter ging es über Schwäbisch Gmünd, dessen Kathedrale aus Zeitgründen nur kurz gewürdigt werden konnte. Nun wechselte der Radweg auf eine sehr schwach befahrene Kreisstraße. Leider war das Tal nun auch so schmal, daß wir gelegentlich am Hang entlangfahren mußten. Nach 70 km hielt sich unsere Begeisterung dazu in Grenzen. Nach einem kurzen und sehr schnellen Abschnitt auf der B 29 entschieden wir uns, mit großem Hauptfeld sofort bis Aalen durchzufahren. Eine kleine Nachhut sollte mit gleichmäßigem, gemütlichem Tempo folgen. Dadurch konnten erstere den Jugendherbergsvater gerade noch rechtzeitig abfangen - wir waren am Samstag die einzigen Gäste und er die Warterei leid. Und die Nachhut kam auch schon binnen 15 Minuten an. Schneller waren wir aber dennoch, da sonst das Hauptfeld häufig gewartet hätte - und 11 Leute dann wieder in die Sättel zu bekommen, grenzte an Sysiphusarbeit.

Nun war auch der zuerst mürrische Herbergsvater aufgetaut und empfahl uns ein ausgezeichnetes griechisches Restaurant zum Abendessen. Danach erkundeten wir zu Dritt die Gottesdienstgelegenheit für Sonntagmorgen und mußten uns sputen, rechtzeitig vor der Schließzeit (Neudeutsch: dädlein) im Quartier anzukommen.

Pfingstsonntag: Kloster Neresheim
Start:   11.30 Uhr Aalen Innenstadt, ev. Kirche
Ende:    19.45 Uhr Jugendherberge Aalen
Strecke: 69 km
Schnitt: 18,0 km/h

Das Frühstück um 8.30 Uhr war auch für hungrige Radler ausreichend und genügte uns, fast pünktlich zum Gottesdienst (9.20 Uhr!) zu erscheinen. Die Aalener Stadtkirche ist mit ihrem mittig angeordneten Altar bemerkenswert - eine Kirche im Querformat. Gemeinde und Kantor waren außergewöhnlich sangesfreudig, so daß selbst ESG-Spezialisten noch einige neue Lieder lernen konnten. Dank Abendmahl dauerte der Gottesdienst auch einige Zeit, so daß wir schon etwas spät nach Neresheim aufbrachen. Diese Tour wollten sich 4 der Damen nicht antun und zogen eine lokale Bergwerksbesichtigung vor. Cornelia war zuerst wenig begeistert, allein der verbliebenen Männerrunde ausgeliefert zu sein, aber wir haben wohl keinen Anlaß zu Klagen geboten. Unsere Angst, sie zu verlieren, lag jedoch ausschließlich in ihrem stillen Wesen - es wäre uns nicht gelungen, sie abzuschütteln.

Die Fahrt nach Neresheim brachte uns ein Mal vom rechten Weg ab, aber dank Karte und Tobias' guter Orientierung nutzten wir dieses Malheur zu einer Abkürzung. Die Klosterbesichtigung wurde durch die fachmännische Führung von Tilman Schröder durch viele Details ergänzt, die sich so sehr von den üblichen Reiseführern unterscheidet.

Inzwischen hatten sich auch Wind und Wolken geeinigt, um Neresheim einen Bogen zu machen. Wir sind ihnen dann Richtung Westen gefolgt und genossen den Anblick einer für uns ungefährlichen Gewitterwand. Erst im Brenztal bei der Betrachtung des Brenztopfes vielen ein paar Tropfen. Sicherheitshalber holten wir die Regenjacken heraus und fuhren dann einige Kilometer durch pitschnasse Landschaft, ohne sehr viel Regen zu spüren. Aber in Unterkochen war es auch damit vorbei und wir zogen das Vordach eines Supermarktes dem Gewitter vor. Nachdem wir die Vorräte etwas dezimiert hatten, konnten wir die Langeweile nur noch durch Einkaufswagenspielchen vertreiben. Wir stellten fest, daß sich bereits 3 Gefährte sehr raumfüllend aufstellen lassen. Da der Platz unter dem Vordach jedoch beschränkt war (für Mathematiker: abgeschlossen war er auch, obwohl die Tür fehlte), schoben wir die Wägelchen an ihren Platz zurück.

Nun hatte das Blitzen und Donnern nachgelassen, so daß wir bei kräftigem Regen noch die letzten Kilometer bis Aalen geradelt sind. In der dortigen Fußgängerzone konnten wir noch 3 Leidensgenossen aushelfen, die den Weg zur Jugendherberge suchten. Dort angekommen stellten die 4 Aalen-Touristen eine große Bestellung für den Pizzaservice zusammen, während wir unter der Dusche verschwanden. Unsere vier wurden übrigens schon drei Stunden eher vom Regen heimgesucht.

Pfingstmontag: zurück nach Stuttgart
Start:   09.45 Uhr, Aalen Jugendherberge
Ende:    17.20 Uhr, Backnang Bahnhof
Strecke: 80 km
Schnitt: 18,7 km/h

Eigentlich wollten wir ja das Kochertal abwärts fahren, aber da sich die Jugendherberge schon auf einem Hügel befand, konnten wir diesen Höhenvorsprung zu direkter Streckenführung nutzen. So sahen wir den Kocher (es ist wirklich ein männlicher Fluß!) in Abtsgmünd wieder. Von dort ging es ein kleines Stück an der Bundesstraße entlang. Nun wollten wir die vielen Kocherkurven abschneiden und erklommen den Hügel, um auf direktem Weg bis Sulzbach-Laufen zu gelangen. Diesem Plan konnten einige Voreilige nicht folgen, so daß der zufällig aufgeschnappte Ausruf eines anderen Wanderers für eine schöne lange Abfahrt sorgte. Leider kamen wir nun wieder im Kochertal heraus - nur kurz hinter der Stelle, an der wir es verlassen hatten. Ergebnis: Solche Aktionen werden mit mehreren Kilometern Bundesstraße bezahlt!

Wegen der mittäglichen Siesta der Autofahrer kamen wir aber streßfrei und sehr schnell voran. Nun galt es nur noch, etwas Arbeit für die Zähne zu besorgen. Da unsere Vorräte zur Neige gingen, suchten wir also ein Wirtshaus. Die Bahnhofsgaststätte von Schönberg (ein Bahnhof fast ohne Häuser im Hintergrund) arbeitete nur auf Bestellung. Im nächsten Ort war auch nichts passendes zu entdecken, so daß wir bis nach Mittelrot weiterfahren mußten. Aber das Abwarten lohnte sich, denn ein älteres erfahrenes Ehepaar tischte in seinem Dorfgasthof auf, daß selbst eine Meute hungriger Radfahrer nur staunen konnte. Der Salat war frisch (er wurde vor unseren Augen aus dem Garten geholt) und auch alle anderen Dinge waren mit dem Ehrgeiz einer hervorragenden Hausfrau zubereitet. Sehr gut und preiswert - wirklich zu empfehlen.

Nach diesem Mahl blieben uns nur wenige Kilometer, um wieder in Tritt zu kommen, denn schon mußten wir den letzten wesentlichen Anstieg erklimmen. Der Zug hatte es da besser, für ihn wurde vor langer Zeit ein Loch gegraben. Nach einer rasanten Abfahrt fanden wir auch bald wieder ruhige Wege neben der Hauptstraße, so daß wir außerordentlich zügig bis Backnang rollten. Hier fielen 8 Personen in die S-Bahn, die anderen drei nahmen die Strecke bis Stuttgart unter die eigenen Räder. Sie hatten sich doch etwas im Auf und Ab verschätzt, kamen aber dennoch gegen 20 Uhr wohlbehalten an.

Ergo: ein schönes Wochenende, durch das man (endlich) wieder in Schwung kam. Vielleicht haben auch einige der Mitfahrer gemerkt, daß die Bezeichung "Radweg" absolut nichts über die zu erwartende Qualität aussagt und daß sich die Sicherheit nicht durch ein Schild allein erhöhen läßt. Der Nordosten Baden-Württembergs verdient dennoch ein Lob, denn der Radroutenbeschilderung fehlt nicht mehr viel bis zum "sehr gut".

Jörg, einer der Leithammel