Direkt zu

 

Die Aktenüberlieferung des Forschungsinstituts für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS), eine der großen Rüstungsforschungsanstalten in Deutschland während des Zweiten Weltkriegs, wurde für die historische Forschung, die Wissenschafts- und Technikgeschichte sowie für alle interessierten Nutzerkreise archivisch erschlossen. Der Bestand umfasst Akten und Unterlagen aus dem Zeitraum von 1918 bis ca. 2011 mit Schwerpunkt in den Jahren 1930 bis 1945, insgesamt 2.413 Archivalieneinheiten an Forschungsberichten, Sachakten, Fotos, Dias und Filmen sowie 92 Archivalieneinheiten an Personalunterlagen zu 1.199 Personen (darunter 104 Zwangsarbeiter/innen aus West- und Osteuropa).

Das FKFS wurde 1930 als Stiftung bürgerlichen Rechts und „An-Institut“ der Technischen Hochschule Stuttgart im Rahmen der Bemühungen um Wirtschaftsförderung des Landes Württemberg und der Kfz-Industrie gegründet. Die Forschungsarbeiten, die von Beginn auch als Auftragsforschung für alle großen KfZ- und Motorenhersteller (BMW, Daimler-Benz, Hirth, Horch, Ford, Zündapp u.a.) durchgeführt wurden, galten zunächst modernen Fahrzeugkonzepten für PKW, seit Beginn der NS-Zeit zunehmend der Autarkie- und Rüstungsforschung (Motoren- und Flugmotorenentwicklung, Gleiskettentechnik, Betriebsstoffforschung u.a.). Im Jahr 1937 arbeiteten am FKFS bereits ca. 250 Ingenieure und Facharbeiter. Bis Kriegsende stieg die Zahl der Beschäftigten auf ca. 650 Personen an, darunter eine große Zahl von Zwangsarbeitern, die z. T. auch für fachlich qualifizierte Arbeiten eingesetzt wurden. Nach Kriegende nahm das FKFS seine Forschungsarbeiten erneut auf mit Schwerpunkten in den Bereichen Fahrwiderstand, Sicherheitstechnik, Wirtschaftlichkeit und Fahrzeugmotorentechnik (www.fkfs.de).

Die Unterlagen, die schon vor der Übernahme in das Universitätsarchiv Stuttgart Ende 2014 häufig genutzt bzw. nachgefragt wurden, enthalten nicht nur technikgeschichtlich relevante Informationen über Forschungsprojekte und Forschungsfelder auf dem Gebiet der Kfz- und Motorentechnik, sondern geben auch wichtige Informationen zu den Karrieren von leitenden Ingenieuren der Nachkriegszeit (Personalakten), zur Organisation und Betriebsführung einer großen Forschungsanstalt im NS-Staat sowie zur Eingliederung einer Belegschaft in die NS-Volksgemeinschaft (NS-Musterbetrieb). Anhand des großen Bildbestandes, in dem u.a. Prüfstände und Versuchsaufbauten dokumentiert sind, kann in Verbindung mit den entsprechenden Forschungsberichten die Entwicklung der Methodik und der Themen der noch jungen Disziplin Kraftfahrzeug- und Motorentechnik nachvollzogen werden.

Die Metadaten der Archivalien umfassen insgesamt 2.505 Datensätze von mittlerer Erschließungstiefe mit detaillierter Verschlagwortung von insgesamt 3.987 verschiedenen Sachschlagworten (11.574 Deskribierungen) und Personalunterlagen mit Personenindex für 1.199 Personen. Sie sind publiziert/online-gestellt in zwei Online-Findbüchern (MidosaXML) auf den www-Seiten des Universitätsarchivs Stuttgart:

http://www.uni-stuttgart.de/archiv/Online-Findbuecher/Bestand_131/index.htm

http://www.uni-stuttgart.de/archiv/Online-Findbuecher/Bestand_131-3/index.htm (Personalakten)

Sie werden außerdem im Archivportal-D (DDB) veröffentlicht.

Kontakt


Universitätsarchiv Stuttgart
Geschwister-Scholl-Str. 24
70174 Stuttgart
Telefon: 0711/685-83533
Telefax: 0711/685-70019
E-Mail