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Funkruf (SAMS) im Amateurfunk

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Was ist Funkruf (SAMS)?

Der Funkruf oder SAMS (Short Amateur Message System) ist entstanden aus den für den Amateurfunk modifizierten kommerziellen POCSAG - Post Office Code Standarization Advisory Group-Systemen. POCSAG ermöglicht die Übertragung von Daten zu einem speziell hierfür ausgelegten Mobilgerät (Pager/Piepser). Übertragen werden können (neben Tönen und Zahlen) insbesondere kurze alphanumerische Nachrichten (einschließlich bestimmter Sonderzeichen).
Das ursprünglich unter anderem für den flächendeckenden kommerziellen Einsatz im Consumer-Bereich konzipierte System hat sich nach einer kurzen Boom-Phase mit Einführung der SMS in den GSM-Mobilfunknetzen wirtschaftlich nicht mehr gerechnet. Zahlreiche Betreiber dieser Dienste mußten aufgrund vergleichsweise hoher Kosten und geringer Nutzerzahlen Insolvenz anmelden. Heute wird das System im wesentlichen in nichtöffentlichen (BOS-)Funkdiensten eingesetzt und im Rahmen privater/privatwirtschaftlicher Nutzung von der Firma e*Message als externer Link (e*Skyper) angeboten.

Da engagierte Funkamateure mit der eingesetzten Technik und den verwendeten Übertragungsverfahren bereits durch umfangreiche Erfahrungen im Packet-Radio-Betrieb vertraut waren, konnten sie aus der Konkursmasse der Betreiber die für den kommerziellen Einsatz zumeist wertlos gewordenen Sendeanlagen weiterverwenden und an die technischen und betrieblichen Gegebenheiten im Amateurfunk anpassen. Begünstigend kam hinzu, daß die Betriebsfrequenzen der Funkruf-Systeme nur knapp oberhalb des 70cm-Bandes liegen, was eine vergleichsweise einfache Anpassung der Sende- und Empfangsanlagen auf die entsprechende SAMS-Frequenz (439,9875 MHz) ermöglicht.
In gleicher Weise wurde mit den für den Endbenutzer nutzlosen Endgeräten verfahren.

Seither ist ein dichtes und noch immer anwachsendes externer Link Netz aus Funkruf-(SAMS-)Sendern in der Bundesrepublik Deutschland entstanden, über das Funkamateure Textnachrichten aussenden können.

POCSAG-Sender für das SAMS-Netzwerk sind besondere Funkstellen und daher einzeln genehmigungspflichtig.

Einsatzbereiche

Der Empfang von Nachrichten über Pager ist interessant, weil auf sehr kompakte Geräte zurückgegriffen und auf die deutlich umfangreichere Ausstattung einer Packet-Radio-Empfangsstation verzichtet werden kann. Daher ist der Empfang von Nachrichten über Pager insbesondere im mobilen Funkbetrieb oder beispielsweise bei Contesten, die (DX-)Informationen benötigen, eine ideale Ergänzung.
Funkruf im Amateurfunk wird daher auch im wesentlichen eingesetzt zum Empfang von DX-Cluster- und DX-WWV-Informationen. Es können jedoch auch Wetterdaten, Informationen des OV oder Amateurfunk-Clubs oder automatisch generierter Statusmeldungen, beispielsweise von Digipeatern, Baken, Relaisstationen empfangen werden.

Prinzipiell ist es möglich, neben diesen Multicast-/Broadcast-Informationen auch persönliche Nachrichten (Unicast) netzweit zu versenden. Der Sender muß hierzu nicht wissen, in welchem Gebiet sich der Empfänger aufhält (dies würde erst dann notwendig, wenn durch eine sehr hohe Anzahl persönlicher Nachrichten die Netzbelastung stark anstiege). Persönliche Nachrichten können beispielsweise über den Eingang von Mails in der eigenen Packet-Radio-Mailbox informieren oder aber eine individuelle Nachricht des Senders enthalten.
Das Aussenden persönlicher Nachrichten durch den Sender selbst erfolgt entweder über das Packet-Radio-Netz oder über spezielle Internet-Gateways, die nur von registrierten und dem System explizit bekannten Funkamateuren verwendet werden können. Die Verwaltung der Informationen erfolgt in einer netzweiten Datenbank, die Freischaltung eines lizenzierten Funkamateurs muß - aus Sicherheitsüberlegungen heraus - an jedem Gateway auf Anforderung separat erfolgen.

Übertragungstechnik

Das Funkruf-System im Amateurfunk arbeitet auf 439,9875 MHz (70cm-Band) mit einer Datenübertragungsrate von 1200 Baud (512 Baud möglich, maximal 2400 Baud). Die Nachrichten werden über das POCSAG-Protokoll codiert.

Die zu übertragenen Informationen sind frequenzmoduliert (FFSK, Fast Frequency Shift Keying) mit einem maximalen Frequenhub von 4 KHz.

Da alle Sender auf derselben Frequenz arbeiten, müssen sie zur Vermeidung von gegenseitigen Störungen miteinander synchronisiert werden. Die Synchronisation nutzt das dabei das Zeitmultiplex-Verfahren. Hierfür stehen 16 Zeitschlitze je 6.4 Sekunden Dauer zur Verfügung.
Die Synchronisation der Sender untereinander wird über das Packet-Radio-Netz sichergestellt. Jeder Sender wird durch einen Master-Rechner gesteuert, der mit mehreren anderen Master-Rechnern über das Packet-Radio-Netz verbunden ist. Die Master sind untereinander gleichberechtigt. Neben Steuerungsfunktionen übernehmen sie auch die Verwaltung aller Nachrichten, die über den Sender abgestrahlt werden sollen. Hierzu kommuniziert jeder Master mit einem oder mehreren externer Link RPC - Radio Paging Controllern. Der Radio-Paging-Controller ist Bestandteil des Funkrufsenders.

Ausführliche Informationen zu Codierung einer Funkruf-Nachricht und zum Nachrichtenaufbau enthält die Beschreibung des verwendeten POCSAG-Protokolls.

Die Funkrufsender nutzen die vorhandene Infrastruktur des Packet-Radio-Netzes mit. Die RPC-Karte wird dazu über einen SSID (Secondary Station IDentifier) vom Packet-Radio-Knoten (Digipeater) angesprochen.
Zur Identifikation strahlen Funkrufsender in regelmäßigen Abständen eine POCSAG-Bakeninformation aus, die in der Skyper-Rubrik 95 "BAKE" empfangen werden kann.
Andere Pager bieten die Möglichkeit der Anzeige dieser Senderidentifikation firmwarebedingt nicht.

Umbau der Sendeanlagen

Der Umbau geeigneter Sender ist ein komplexes Projekt. Welche Aspekte beim Umbau des Senders Ericsson Compact 9000 zu beachten waren, beschreibt die akafunk-intern Dokumentation zum Umbau eines solchen Senders von Martin, DL3SFB.

Links

externer Link Funkruf im Amateurfunk - Homepage des ADACOM e.V. (Fachverband für Amateur-Datenfunk
externer Link Das Funkruf-Master-Projekt
externer Link Funkruf-Sender in Deutschland


Besonderen Dank an Didi, DK7TD und Martin, DL3SFB, für die Bereitstellung von Informationen und Links, ihre zahlreichen Anregungen und die kritische Durchsicht des Textes.