Nr. 2  2003    

 

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Führen viele multimediale Wege nach Rom?
100-online im Konstruktiven Wasserbau


 

Bei der Antragstellung für 100-online im Frühjahr 2001 war es keine Frage: Im Sinne des 100-online-Projektes sollte das Themenfeld Rohrleitungen, das im Rahmen der Ausbildung Konstruktiver Wasserbau sowohl im Grundfach, als auch in der Vertiefung behandelt wird, multimedial aufbereitet werden.

Umfangreiches Text-, Formel- und Bildmaterial lagen vor. Dazu kamen vorhandene Druckstoß-, Wasserschloss- und Rohrnetz-Übungsprogramme, die - durch das dankenswerte Entgegenkommen des ICA - bereits seit einigen Jahren bei praktischen Übungen am Rechner im dortigen PC-Pool eingesetzt werden konnten. Neben der inhaltlich am Konstruktiven Wasserbau orientierten Arbeit mit den Lehrprogrammen wurde im Rahmen des praktischen Rechnereinsatzes auch das Einloggen in einen entfernten Rechner sowie die Datenübertragung im Netz mittels ftp und mehrerer, für verschiedene Rechner geöffneter Fenster vermittelt: Eine Übung, die - unerwarteter Weise - nicht immer ganz leicht fiel.

Insgesamt waren also gute Voraussetzungen für ein multimediales Verbundprojekt vorhanden. Hinzu kam, dass der aus Berufungsmitteln von Prof. R. Helmig einzurichtende Multimedia-Raum am Institut für Wasserbau zukünftig mitgenutzt werden könnte. Zwei gewichtige, zum Zeitpunkt der Antragstellung jedoch noch nicht abzusehende Umstände machten dann jedoch eine Themenverschiebung und damit auch eine etwas geänderte Herangehensweise an das 100-online-Projekt zwingend erforderlich:

  • Sinkende Studentenzahlen im Bauingenieurwesen ließen es angeraten sein, die verfügbaren Ressourcen mit erster Priorität für eine medial modernisierte Unterstützung der Lehre im Grundfach Wasserbau und Wasserwirtschaft zu bündeln.
  • Die vorhandenen Unterlagen zum Themenfeld Rohrleitungen liegen in recht heterogener Form vor: Sie bestehen aus Texten, geschrieben mit Wordperfect, MS-Word (mit und ohne Formeleditor) und Latex; Konvertierungssoftware ist Mangelware bzw. im Ergebnis unbefriedigend. PPower4 zur Dynamisierung von aus Latex erstellten PDF-Präsentationen ließ sich partout nicht installieren.

Aus den genannten Gründen erhielt - von Prof. Giesecke initiiert - das 100-online-Projekt thematisch eine neue Ausrichtung, gekennzeichnet durch die Änderung des Projekttitels Rohrleitungen - multimedial in Wasserbau und Wasserwirtschaft multimedial. Es entstanden im Rahmen des 100-online-Projekts MS PowerPoint-Vorführungen zu den Grundfach-Themenfeldern Flussbau, Gewässerkunde, Wehranlagen, Hochwasserschutz und -vorsorge, Wasserkraftanlagen, Verkehrs-wasserbau und Talsperren.

Diese Präsentationen haben vor allem die Aufgabe, durch entsprechend animierte Graphiken Prozessverständnis zu vermitteln, Ordungskategorien von Bauwerks- aber auch Methodenklassen des Konstruktiven Wasserbaus zu verdeutlichen und selbstverständlich durch reichhaltiges Bildmaterial mit eingeblendeten erklärenden Texten die Brücke zwischen theoretischen Grundlagen und gebauter Wirklichkeit zu schlagen. Die „traditionellen" medialen Formen Tafelanschrieb und Folien finden selbstverständlich weiter Anwendung in den Vorlesungen und Übungen, insbesondere dort, wo es um die Grundlagen der benötigten mathematischen Bemessungsmethoden des Konstruktiven Wasserbaus geht.

Diese ergänzenden PowerPoint-Präsentationen haben bei den Hörern ein sehr gute Resonanz dadurch gefunden, dass sie substantiell zum Verständnis aber auch zur Attraktivität des dargebotenen Lehrstoffs beitragen. Durch den hohen Verbreitungsgrad von Kenntnissen in der Handhabung des PowerPoint-Projekts war die Bearbeitung sehr effizient. Dennoch bleiben in medialer Hinsicht bei PowerPoint-Präsentationen einige Gesichtspunkte unbefriedigend:

  • Die erzeugten Dateien sind aufgrund von Art und Umfang recht unhandlich und weniger geeignet für eine Darbietung und / oder Bereitstellung im Netz
  • Plattform-übergreifendes Arbeiten ist kaum möglich
  • Formelverarbeitung ist vergleichsweise aufwendig und weniger flexibel

Für einen im Sommersemester 2002 terminierten, kurzfristig zu erarbeitenden Vortrag Wasserbauliche Aufgaben eines nachhaltigen Flussgebietsmanagements im Rahmen der Lehre Wasserbau und Wasserwirtschaft wurde deshalb eine Präsentation mittels eines Browsers auf HTML- und Javascript-Basis (für dynamische Effekte) gewählt. Das Zusammenspiel über das Netz zwischen „technischer Expertin" und Autor bei der gemeinsamen Erstellung der Präsentation funktionierte trotz zeitweise großer räumlicher Entfernung (Stuttgart und St. Petersburg) und dem Arbeiten auf zwei Plattformen (NT und Linux) sehr gut. Da Latex-Kenntnisse vorhanden waren, fiel die Einarbeitung in einfache Elemente von HTML ni!cht schwer, so dass auch dem Autor direktes Arbeiten an den einzelnen zu erstellenden Seiten möglich war. Das Latex-Zusatzpaket scalefnt zur freien Formelvergrößerung erlaubte zusammen mit dem standardmäßig unter Linux vorhandenen Konvertierungsprogramm convert eine verhältnismäßig einfache und qualitativ hochwertige Einbindung von Formeln im png-Format.

Zu besichtigen ist die derzeitige Version der browserbasierten, netzfähigen Lehreinheit Wasserbauliche Aufgaben eines Nachhaltiges Flussgebietsmanagement mit den eigens erarbeiteten Javascripten zur Dynamisierung der Präsentation unter

http://www.iws.uni-stuttgart.de/Lehre/100online.html

Unbefriedigend ist bei dieser insgesamt recht flexiblen Form der medialen Präsentation, dass gängige Browser Javascripten leider unterschiedlich verarbeiten. So sind die eingebauten dynamischen Effekte nur unter Mozilla und Galeon voll wirksam. Desweiteren wäre es wünschenswert, den Aufruf der Javascript-Dynami-sierungsmethoden in den HTML-Dateien benutzerfreundlicher zu gestalten. Auch erscheint die Formelbehandlung durch die Einbindung als png-Graphik für die Darstellung von Vorlesungsskripten mit hohem Formelanteil doch recht umständlich. Studienunterlagen sind nichts Statisches, ihre Präsentationsform sollte in einfacher Weise ergänz- oder umstellbar ohne allzu großen Aufwand den Gegebenheiten des jeweils laufenden Kurses angepasst werden !können. Das gilt insbesondere auch für den zu vermittelnden Formelapparat.

Aus diesem Grund wurde für eine weitere Lehreinheit des Konstruktiven Wasserbaus das Verfahren, mittels des PPower4-Postprozessors dynamisierte PDF-Präsentationen auf Latex-Basis zu erstellen, wieder aufgegriffen. Nach Herunterladen von PPower4 von www.tex.ac.uk/tex-archive/support/ppower4/readme.html - nunmehr in der Version 0.9 (Stand September 2002) - ließ sich dieses Javaprogramm jetzt auf Anhieb installieren. Und in der Tat stellt die Verarbeitungsabfolge latex-dvipdfm-ppower4 eine für den Latex-Anwender gut zu handhabende Methode dar, dynamisierte Präsentationen mit hohem Formelanteil in guter Qualität einfach und jederzeit leicht veränderbar zu erstellen Alle benötigten Bearbeitungskomponenten sind unter verschiedenen Betriebssystemen verfügbar, so dass das Verfahren plattformübergreifend einzusetzen ist. Die Bearbeitung und Dynamisierung anspruchsvollerer Graphiken erscheint jedoch schwerer zu erlernen als beispielsweise unter MS PowerPoint .

Führen nun auch in Zukunft viele multimediale Wege nach Rom? Nach den bisher im Konstruktiven Wasserbau gesammelten Erfahrungen wird dies der Fall sein. Jede der benutzen Methoden zur rechnergestützten medialen Präsentation - PowerPoint, HTML- mit Javascript basierte Präsentation über einen Netzbrowser, die Troika Latex-pdfm-ppower4 - haben jeweils ihre spezifischen Vor- und Nachteile im praktischen Einsatz und bei unterschiedlichen Bearbeitungsanforderungen. Ein wunder Punkt verbleibt die nur mehr oder weniger, jedoch niemals vollkommen zufriedenstellende Konvertierbarkeit von nach unterschiedlichen Methoden erstellten Präsentationsvorlagen bzw. Dateien.

Insgesamt ist die Unterstützung durch das universitäre 100-online-Projekt sehr hilfreich gewesen, um Lehrinhalte medial aufzubereiten und dabei mit verschiedenen Methoden Erfahrungen zu sammeln.


[ Autor/en:  Dr.-Ing. Walter Marx  Institut:  Institut fuer Wasserbau Lehrstuhl für Wasserbau und Wasserwirtschaft   ] [ Druckversion ]




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